Bewegungsmangel zählt zu den zentralen Risikofaktoren für Typ-2-Diabetes und metabolische Erkrankungen. Mit einer neuen Kooperationsvereinbarung bündeln das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Sportjugend (dsj) ihre Kräfte – mit dem Ziel, Bewegungsförderung und Prävention alltagsnah, niedrigschwellig und für alle Altersgruppen zugänglich zu machen. Für Behandler-Teams entstehen daraus konkrete, empfehlbare Angebote.
Regelmäßige körperliche Aktivität ist eine der wirksamsten nicht-pharmakologischen Maßnahmen zur Prävention und Therapie von Typ-2-Diabetes. Dennoch bleibt Bewegungsmangel in Deutschland weit verbreitet – mit bekannten Folgen für Blutzuckerregulation, Insulinsensitivität, Körpergewicht und kardiovaskuläres Risiko. Im klinischen Alltag scheitert die Umsetzung von Bewegungsempfehlungen häufig nicht am fehlenden Willen der Betroffenen, sondern an mangelnden Strukturen, unklaren Zugangswegen und fehlender individueller Passung der Angebote. Eine neue Kooperationsvereinbarung zwischen BIÖG, DOSB und dsj setzt genau hier an: Sie schafft einen institutionellen Rahmen, der Bewegungsförderung überall dort sichtbar macht, wo Menschen leben, lernen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen.
Drei starke Partner für Prävention
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit – hervorgegangen aus der früheren Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die seit Februar 2025 unter diesem Namen firmiert – ist als Fachbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit für gesundheitliche Aufklärung und Prävention zuständig. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) vertritt mit rund 29,3 Millionen Mitgliedschaften in rund 86.000 Sportvereinen die größte zivilgesellschaftliche Infrastruktur für Bewegung in Deutschland. Die Deutsche Sportjugend (dsj) als Jugendverband des DOSB ergänzt dieses Netzwerk mit spezifischen Angeboten für Kinder und Jugendliche.
Die drei Partner arbeiten bereits seit Jahren in Projekten wie der Suchtpräventionsinitiative „Kinder stark machen” und dem Aktionsbündnis „Alkoholfrei Sport genießen” zusammen. Die neue Vereinbarung formalisiert und erweitert diese Zusammenarbeit mit einem klaren Fokus auf Gesundheitsförderung durch Alltagsbewegung und Breitensport.
Nationale Bewegungsempfehlungen in die Praxis übersetzen
Ein erklärtes Ziel der Kooperation ist es, die Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung in konkrete, für alle zugängliche Angebote zu übersetzen.
„Wir wollen Menschen leicht erreichen, individuell motivieren und Bewegung fest im Alltag verankern. So bringen wir die Empfehlungen in die Praxis – mit Angeboten, die Menschen dort abholen, wo sie leben, lernen und arbeiten.”
Dr. Johannes Nießen,
kommissarischer Leiter des BIÖG
Für Behandelnde ist dieser Ansatz unmittelbar anschlussfähig: Statt allgemeiner Bewegungsempfehlungen können Betroffenen künftig gezielt konkrete, wohnortnahe Angebote vermittelt werden.
Digitale Tools: Bewegungstypentest und Bewegungslandkarte
Ein praxisrelevantes Beispiel für die Verzahnung der Partnerstrukturen ist die Verknüpfung zweier digitaler Instrumente:
- Bewegungstypentest des BIÖG: Nutzerinnen und Nutzer ermitteln anhand individueller Präferenzen und Lebensumstände, welche Art von Bewegungsangebot am besten zu ihnen passt. Das Tool ist niedrigschwellig, kostenlos und online verfügbar.
- Digitale Bewegungslandkarte (BeLa) des DOSB: Anschließend können passende Sport- und Bewegungsangebote sowie Orte für Alltagsaktivität – Spielplätze, Parks, Calisthenics-Anlagen – in der direkten Umgebung gesucht werden.
Für Behandelnde ergibt sich daraus eine einfache, empfehlbare Handlungssequenz im Beratungsgespräch: erst individuelle Passung ermitteln, dann konkrete Anlaufstellen vor Ort aufzeigen. Dieses Vorgehen entspricht dem Prinzip der personalisierten Prävention und kann die Umsetzungswahrscheinlichkeit von Bewegungsempfehlungen deutlich erhöhen.
Ergänzt wird das Angebot durch den jährlich erscheinenden dsj-Bewegungskalender, der Familien und pädagogische Fachkräfte mit altersgerechten Bewegungsideen versorgt – relevant für die Prävention bereits im Kindes- und Jugendalter.
Relevanz für die diabetologische Versorgung
Fachleute aus der Diabetologie und Diabetesprävention können die neue Kooperation und ihre Angebote auf mehreren Ebenen nutzen:
- Individuelle Bewegungsberatung ergänzen: Bewegungstypentest und Bewegungslandkarte lassen sich als niedrigschwellige, kostenlose Ergänzung der Beratung von Menschen mit Typ-2-Diabetes oder Prädiabetes empfehlen – insbesondere für Personen, die bislang wenig sportlich aktiv sind.
- Strukturierte Prävention für Kinder und Jugendliche: In der Beratung adipöser Kinder oder junger Menschen mit erhöhtem Diabetesrisiko können dsj-Angebote und der Bewegungskalender als familienorientierte Ressource eingesetzt werden.
- Breitensport als therapeutisches Umfeld: Der DOSB bietet über seine 86.000 Vereine flächendeckende Strukturen, die als Empfehlungsrahmen für regelmäßige Alltagsbewegung genutzt werden können – ergänzend zur strukturierten Diabetestherapie.
- Kostenlose Printmaterialien: Das BIÖG stellt kostenfreie Informationsmaterialien zur Bewegungsförderung zur Verfügung, die in der Praxis oder Ambulanz ausgelegt werden können (Bestellung: shop.bioeg.de oder bestellung@bioeg.de).
Fazit: Institutioneller Rückenwind für eine evidenzbasierte Empfehlung
Körperliche Aktivität ist leitlinienkonform eine der zentralen Säulen der Typ-2-Diabetes-Prävention und -Therapie. Die neue Kooperationsvereinbarung zwischen BIÖG, DOSB und dsj schafft dafür erstmals eine institutionell verankerte, bundesweit skalierbare Infrastruktur. Für Behandler-Teams bedeutet das: Die Empfehlung „mehr Bewegung” ist nun mit konkreten, individuell zugeschnittenen und leicht auffindbaren Angeboten hinterlegt – ein wichtiger Schritt von der Evidenz in den Alltag.
Quellen:
1. Pressemitteilung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit vom 27.02.2026 : Für mehr Bewegung und Prävention – Neue Kooperationsvereinbarung zwischen BIÖG und DOSB/dsj tritt in Kraft
2. BIÖG: Bewegungstypentest. [Link]
3. DOSB: Digitale Bewegungslandkarte (BeLa). [Link]
4. Deutsche Sportjugend (dsj): Bewegungskalender. https://dsj.de (Rubrik Publikationen)
5. BIÖG: Nationale Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung. [PDF]
6. Bundesministerium für Gesundheit: Bewegung von A–Z. [Link]



