Eine effektive perimenopausale Gesprächsführung in der ambulanten gynäkologischen Praxis bildet die Grundlage für einen informierten Konsens zur suffizienten Behandlung menopausaler Beschwerden. Zusätzlich verbessert sich durch individuell angepasste Kommunikation die Patientinnenzufriedenheit und deren Therapieadhärenz. Somit festigt die gynäkologische Praxis ihren Status als kompetenter Ansprechpartner für Fragen der Frauengesundheit.
Einleitung
Die Wechseljahre können eine herausfordernde Phase im Leben einer Frau darstellen. Zwei Drittel aller Frauen entwickeln in diesem Lebensabschnitt mäßige bis schwere Symptome, die das körperliche und psychische Wohlbefinden beeinträchtigen können [1].
Im Gegensatz zu Pubertät und Schwangerschaft werden Frauen auf die Menopause jedoch häufig nur ungenügend vorbereitet. In letzter Zeit rücken die Menopause und die damit verbundenen Veränderungen (▶ Abb. 1) jedoch zunehmend auch gesellschaftspolitisch in den Fokus, da Frauen in der Mitte ihres Lebens oft über unverzichtbare berufliche Expertise verfügen und für ihre jeweiligen Unternehmen eine bedeutsame Stütze darstellen, die es zu erhalten gilt.
In Zeiten von engen Praxiskapazitäten und ungenügender beziehungsweise fehlender Vergütung für Beratungsleistungen stellt sich die Frage, wie wir unserem Anspruch als kompetente Ansprechpersonen gerecht werden können.
![Abb. 1: Übersicht klimakterischer Beschwerden verschiedener Kategorien und potenziell
begünstigter Erkrankungen bei langanhaltendem Estrogenmangel (modifiziert
nach [1, 2]).](https://mgo-medizin.de/wp-content/uploads/2026/01/gyn_fiedler_menopause_abb1_wp.webp)
Ergebnisse einer Marktforschungsstudie aus 2025 [3] zeigten, dass das ärztliche Beratungsgespräch in der Wahrnehmung der Patientinnen häufig von deren Bedürfnissen abweicht. Zudem werden ärztliche Empfehlungen oft als unvermittelt empfunden. Dies resultiert in einer unzureichenden Therapieadhärenz, dem sogenannten „Ärzte-Hopping“ und/oder Frustration auf Seiten der Patientinnen.
Bei der Fülle der Informationen von unterschiedlicher Qualität zum Thema menopausale Transition ist es unsere Aufgabe, unseren Patientinnen individuelle Aufklärung und Beratung sowie Zugang zu effektiver Therapie (soweit erforderlich und gewünscht) zu gewähren.
Infobox 1: Symptome der Perimenopause
Ursache: Progesteronschwäche / Corpus-luteum-Insuffizienz
– Mastodynie
– Zyklusunregelmäßigkeiten („Vorbluten“)
– Wassereinlagerungen
– Gastrointestinale Symptome (geblähtes Abdomen, Stuhlgangsunregelmäßigkeit)
– Verstärktes PMS
Pathophysiologie
Die Perimenopause stellt die Übergangsphase von der reproduktiven Lebensphase in die Menopause dar. Das durchschnittliche Menopausenalter liegt in Deutschland bei 50,6 Jahren, wobei etwa 1 % der Frauen die Menopause bereits vor dem 30. Lebensjahr erreichen.
Erste Symptome der Perimenopause treten häufig noch intermittierend auf und können in Abhängigkeit von der ovariellen Rhythmik zwischenzeitlich auch komplett sistieren.
Die Veränderungen (▶ Infobox 1) können etwa ab dem 40. Lebensjahr bemerkbar werden und treffen die Frauen häufig in einer Lebensphase, in der sie ihrer Leistungsfähigkeit bedürfen, um den Anforderungen ihres beruflichen und privaten Alltags gerecht zu werden.
Eine effektive Beratung zu dieser Lebensphase muss also frühzeitig, spätestens mit dem 40. Lebensjahr, beginnen, um unsere Patientinnen auf die Normalität der Veränderungen vorzubereiten.
Infobox 2: Mögliche Symptome der menopausalen Transition
– Schweißausbrüche, Hitzewallungen
– Schlafstörungen
– Depressive Verstimmungen
– Verminderte kognitive Leistungsfähigkeit, Konzentrationsschwäche
– Schwindel, Palpitationen
– Blutungsstörungen
– Scheidentrockenheit, Dyspareunie, Libidoverlust
– Muskel- und Gelenkschmerzen
– Harnwegsbeschwerden
– Gewichtszunahme
– Haarausfall, Hautatrophie/Faltenbildung
Im weiteren Verlauf der menopausalen Transition (▶ Infobox 2) kommt es zusätzlich zu Schwankungen in der ovariellen Östrogenproduktion. Das dabei entstehende Beschwerdebild wird nicht nur durch den Mangel, sondern auch durch die Schwankungen in den einzelnen Hormonspiegeln bestimmt. Eine sich entwickelnde Beschwerdesymptomatik kann dabei sowohl langsam und schleichend als auch plötzlich und akut auftreten. Die Symptome können sowohl einzeln als auch kombiniert und natürlich in unterschiedlicher Intensität vorkommen.
Bausteine einer effektiven Beratung
Die Beratung in der gynäkologischen Praxis sollte regelmäßig und unabhängig von einem bereits existierenden Beschwerdebild erfolgen. Dabei kann die nachfolgende modulare Vorgehensweise genutzt werden, um die Beratung effizient in die Praxisroutinen zu integrieren und sie dort nachhaltig zu verankern.
1. Regelmäßiges edukatives Gespräch
Das regelmäßige kurze Beratungsgespräch kann unabhängig von einer schon bestehenden Symptomatik eingebunden werden, beispielsweise in die regelmäßig stattfindenden Termine zur Krebsfrüherkennungsuntersuchung. Es bereitet die Patientin auf zu erwartende körperliche Veränderungen vor und zeigt erste Wege der aktiven Mitgestaltung in dieser Phase auf.
Dazu sollten feste Standards im Anamnesegespräch etabliert und soweit möglich auch in der Praxissoftware hinterlegt werden. Diese „Frageroutine“ nach Eckpfeilern wie beispielsweise Veränderungen der Zyklusdauer und der Intensität der Regelblutung oder körperlichen Symptomen führt dazu, dass aktuell asymptomatische Patientinnen es aktiv in den Praxen ansprechen werden, wenn in Zukunft Beschwerden oder Veränderungen auftreten.
2. Zielgerichtete, strukturierte Anamnese
Eine strukturierte Anamnese kann effektiv die vorhandenen Beschwerden identifizieren. Die Fülle möglicher Symptome im menopausalen Übergang stellt dabei einen nicht zu unterschätzenden Zeitfaktor in unserer Sprechstunde dar, der sich durch gute Organisation bewältigen lässt.
Deshalb kann es sinnvoll sein, Medizinische Fachangestellte (MFAs) gut zu schulen und einen Teil der Anamneseerhebung an das Praxispersonal zu delegieren. Dieses proaktive Erstgespräch kann beispielsweise im Rahmen der Blutdruckmessung stattfinden und stellt einen niederschwelligen Einstieg für die Patientinnen dar.
Exemplarisches Vorgehen für Frauen unter 50 Jahren könnte sein:
- Fragen zum Zyklus („Wann war der erste Tag Ihrer letzten Blutung?“, „Hat sich im letzten Jahr etwas am Rhythmus oder der Stärke Ihrer Blutung verändert?“, „Ist Ihre Blutung im letzten Jahr einmal ausgeblieben?“)
- Fragen zur Veränderung im Befinden (vermehrtes Schwitzen, Schlafstörungen, verstärkter Haarausfall, Gewichtsveränderung)
Analog kann das Vorbereitungsgespräch für Frauen über 50 Jahren mit nur leichten Abwandlungen folgendermaßen strukturiert werden:
- Fragen zum Zyklus („Wann trat Ihre letzte Blutung auf?“)
- Gezielte Fragen nach Symptomen der Menopause (Schwitzen/Hitzewallungen, Schlafstörungen, körperlichen Veränderungen)
Die Mitarbeitenden dokumentieren die Antworten in der Praxissoftware, damit im weiteren Untersuchungsverlauf dann ärztlich darauf eingegangen werden kann.
Im ärztlichen Gespräch ist es sinnvoll, standardisierte Hilfsmittel wie die „Menopausal Rating Scale“ (MRS oder MRS II) einzusetzen, um die recht subjektive Beschwerdesymptomatik quantifizierbar zu machen. Im Rahmen einer eventuellen Therapie lässt sich daran dann auch die Effektivität derselben einordnen.
Der Austausch mit Fachärztin oder Facharzt kann auf die bereits erfassten Antworten der Patientin aufbauen und folgendermaßen strukturiert werden:
- Klärung des Wissensstandes
- Abfrage weiterer Symptome wie Muskel-/Gelenkbeschwerden, Palpitationen, urogenitale Symptomatik, sexuelle Veränderungen
- Angebot weiterführenden Informationsmaterials
- Bewertung des Leidensdrucks (Wie belastend werden die Symptome empfunden)
- Aufklärung über die mögliche Dauer der Symptome (vasomotorische Symptome können über 10 Jahre nach Eintritt der Menopause auftreten)
- Erste Information über mögliche Therapieoptionen
Nicht immer ist eine sofortige Therapie notwendig oder gewünscht. Häufig benötigen die Patientinnen Zeit zum Überdenken der Möglichkeiten und manchmal ist es bereits ausreichend, dass die Frauen ihre Veränderungen jetzt besser einordnen können.
3. Individuelle therapeutische Beratung
Die individuelle therapeutische Beratung zielt darauf ab, die Patientinnen optimal zu informieren, das Selbstvertrauen in den eigenen Körper zu stärken und sie durch gute Aufklärung in die Lage zu versetzen, die Therapie dann einzufordern, wenn sie es für notwendig halten. Die Beratung sollte symptomorientiert und unter Berücksichtigung der individuellen Besonderheiten erfolgen.
Die wesentlichen Faktoren für eine Therapieentscheidung sind:
- Symptomatik und Wunsch der Patientin
- Risikofaktoren
- Effektivität der Therapie
![Abb. 2: Algorithmus zur Therapie von Wechseljahresbeschwerden, der von der Symptomkonstellation zur Therapieentscheidung
leitet (modifiziert nach [4]). SSRI: Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer; SNRI: Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer;
DHEA = Dehydroepiandrosteron.](https://mgo-medizin.de/wp-content/uploads/2026/01/gyn_fiedler_menopause_abb2_wp.webp)
Ein möglicher Algorithmus für Beratungsgespräch und Therapie ist in ▶ Abbildung 2 dargestellt.
Wichtig ist, dass sowohl medizinische Fachperson als auch Patientin nach einem gemeinsamen Ziel, einer Verbesserung der Lebensqualität der Patientin, streben. Gleichwohl ist die medizinisch „optimale Therapie“ unter Berücksichtigung aller Risikofaktoren nicht immer die von der Patientin gewünschte.
Zur Einordnung der Spannungsfelder im Austausch veranschaulicht ▶ Abbildung 3 die unterschiedlichen Hürden im Beratungsgespräch entlang des Implizit/Explizit-Eisbergmodells: Während klar benennbare, sichtbare Faktoren wie Zeit, Vergütung oder Komplexität der Thematik vorwiegend auf der expliziten (rational, bewussten) Ebene liegen, beeinflussen implizite (emotional, unbewusste) Komponenten die Indikationsstellung und Adhärenz oft maßgeblich. Das Bewusstsein für beide Ebenen unterstützt eine konsistente, respektvolle Entscheidungsfindung und hilft, Therapieziele patientinnenzentriert zu fokussieren. Dabei gilt es, jederzeit gewisse Grundsätze für eine gelingende Beratung in der Kommunikation einzuhalten:
- verständlich, wertungsneutral und transparent kommunizieren
- Abholung der Patientin an ihrem jeweiligen Wissensstand
- vertrauensvoll, rücksichtsvoll und ehrlich kommunizieren (auch eine andere Meinung, wenn wertschätzend vermittelt, ist authentisch)
- Rollenverständnis als Partnerin/Partner der Patientin in der Behandlung (die Frau entscheidet über ihren Körper)
![Abb. 3: Verortung der Hürden im Beratungsgespräch entlang des Implizit/Explizit-
Eisbergmodells. Die Übersicht zeigt, dass Barrieren des Beratungsgesprächs sowohl
auf der expliziten (rational, bewussten) als auch auf der impliziten (emotional,
unbewussten) Ebene wirken (modifiziert nach [3]).](https://mgo-medizin.de/wp-content/uploads/2026/01/gyn_fiedler_menopause_abb3_wp.webp)
Die Vermeidung individueller Fehlerquellen im ärztlichen Beratungsgespräch ist bedeutsam, um möglichst allen Patientinnen die Möglichkeit zur Inanspruchnahme einer Therapie zu bieten. Dazu gehört, alle Patientinnen unabhängig von ihrer Lebensphilosophie oder ihrer bisherigen Lebenseinstellung objektiv über die Symptome und therapeutischen Optionen zu informieren und die Arztpraxis als optimalen Behandlungspartner für diese Lebensphase zu etablieren.
Praxismanagement
Für eine optimierte Menopausenberatung in der ärztlichen Sprechstunde ist eine gute Organisation und Standardisierung der Abläufe unter Nutzung von Hilfsmitteln zu empfehlen. Diese umfasst:
- Aus- und Weiterbildung des nicht-ärztlichen Personals
- Nutzung standardisierter Fragebögen und Informationsmaterialien im Sprechstundenalltag
- Einbindung digitaler Unterstützung (beispielsweise Links zu Informationsseiten in die eigene Homepage)
- Empfehlung von unabhängigen Websites (z. B. „wirsindneunmillionen.de“), Podcasts (z. B. „Hormongesteuert“) und Büchern
- Bei Bedarf Verweis auf Social-Media-Kanäle mit seriöser Information
Insgesamt stellt die individuelle Menopausenberatung einen permanenten Prozess der Anpassung an die therapeutischen Möglichkeiten unter Berücksichtigung der Wünsche und Erwartungen der Patientinnen sowie ihrer medizinischen Risikofaktoren dar, gestützt durch strukturierte Anamnese, klare Kommunikation und praxisnahe Standards.
Fazit
Durch konsequente Umsetzung einer effektiven Gesprächsführung in unserer Praxis können wir einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der qualitativen Beratung und Therapieadhärenz in dieser Lebensphase leisten.
Interessenkonflikte: Die Autorin erklärt, dass keine Interessenkonflikte im Sinne der Empfehlungen des International Committee of Medical Journal Editors bestanden.
Dr. med. Anja Fiedler



