Eine frühzeitige Erkennung von Präeklampsien ist essenziell für das maternale und fetale Outcome. Die erweiterte Definition in internationalen Leitlinien führt zu mehr Diagnosen, verbessert aber die Erkennung von Komplikationen. Mithilfe von Screeningverfahren kann eine Hochrisikopopulation selektiert werden, welche von einer intensiven medizinischen Betreuung profitiert.
Einleitung
Die Präeklampsie ist eine Multisystemerkrankung, die etwa 2–8 % aller Schwangerschaften weltweit betrifft [1]. Sie gehört zu den Hauptursachen für gesundheitliche Komplikationen und Todesfälle bei Müttern und Neugeborenen (ca. 46.000 maternale und 500.000 fetale Todesfälle/Jahr) [2]. Die Entbindung stellt nach wie vor die einzige kausale Therapieoption dar. Es besteht ein langfristiges Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, sodass eine strukturierte Nachsorge unerlässlich ist [3]. Prognostische und präventive Möglichkeiten entwickeln sich stetig weiter und heutzutage gelingt mithilfe von Screeningverfahren die Selektion einer Hochrisikopopulation, welche von einer intensiven medizinischen Betreuung profitiert. Eine möglichst frühzeitige Erkennung der Präeklampsie und eine hohe Detektionsrate der Erkrankung sind für das maternale und fetale Outcome essenziell. Daher ist eine präzise Definition des Krankheitsbildes Präeklampsie von zentraler Bedeutung.
Zusammenfassung
Die Präeklampsie ist eine schwangerschaftsassoziierte Multisystemerkrankung. Aus heutiger ätiologischer Sicht ist die Erkrankung durch plazentare Dysfunktion, veränderte Expression plazentarer Faktoren und eine periphere Endorganschädigung gekennzeichnet. Ziel der pränatalen Versorgung ist es, durch Screening sowie mithilfe geeigneter Diagnosekriterien ein Kollektiv von Frauen mit erhöhtem Risiko für maternale und fetale Komplikationen rechtzeitig zu erkennen. In den vergangenen Jahren hat sich eine neue breitere Definition der Präeklampsie durchgesetzt. Dies hat zur Folge, dass mehr Frauen die Diagnose Präeklampsie erhalten und das ist sinnvoll, um eine frühzeitige Zuweisung in Perinatalzentren und rechtzeitige Intervention zu ermöglichen. Um eine Überdiagnostik und -therapie zu verhindern, sollten Biomarker, insbesondere der sFlt-1/PIGF-Quotient, in die Diagnostik integriert werden. Dies ermöglicht die präziseste Vorhersage Präeklampsie-assoziierter Komplikationen. Hierdurch lässt sich ein ochrisikokollektiv erkennen, das von einer intensivierten stationären Versorgung profitiert. Gleichzeitig lässt sich ein Niedrigrisikokollektiv identifizieren, bei dem ein ambulantes exspektatives Vorgehen vertretbar ist. Gerade im Kontext der fortschreitenden Ambulantisierung gewinnt dies zunehmend an Bedeutung, da es nicht nur ressourcensparend ist, sondern auch mit einem günstigeren maternalen und fetalen Outcome einhergeht.
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Der gesamte Artikel ist in der gynäkologischen praxis Band 53 Heft 4 und als CME-Beitrag in unserem CME-Portal erschienen. Lesen Sie dort den vollständigen Artikel



