Onkologie » Sonstiges

»

Einstein Stiftung fördert 11 Projekte: Quanten & Medizin

Digitale 3D-Illustration einer leuchtend blauen DNA-Doppelhelix vor dunklem Hintergrund

Quelle: ©Saibarakova Ilona - stocke.adobe.com

Einstein Stiftung fördert 11 Projekte: Quanten & Medizin

News

Onkologie

Sonstiges

mgo medizin Redaktion

Verlag

5 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Der Vorstand der Einstein Stiftung Berlin hat in seiner Dezembersitzung elf neue Forschungsvorhaben mit 13 Millionen Euro über sechs Jahre bewilligt. Die Projekte umfassen Quantencomputing, Immunonkologie, Infektionsbiologie, politische Teilhabe und psychische Erkrankungen. Größtes Vorhaben ist das Einstein Center for Early Disease Interception.

Quantencomputing

Das Projekt Error Suppression, Correction, and Mitigation in Adiabatic Quantum Computation von Professorin Christiane Koch (FU Berlin), Senior Lecturer Adi Pick und Professor Raam Uzdin (HUJI) zielt darauf ab, das adiabatische Quantencomputing zuverlässiger zu machen. Bei diesem Verfahren entwickelt sich das Quantensystem fließend von einem Ausgangszustand zur optimalen Lösung komplexer Probleme – etwa in Physik, Finanzen oder Logistik. Um einen echten Quantenvorteil gegenüber klassischen Computern zu erzielen, müssen Fehler erkannt und korrigiert werden. Das Projekt entwickelt hierfür erstmals Strategien, die speziell auf analoge Verfahren zugeschnitten sind.

Immunonkologie

Professor Johannes Huppa (Charité) und Johnathan Arnon (Hadassah-Hebrew University Medical Center) entwickeln im Projekt A Novel Preclinical Platform for Selecting T-cell Receptors (TCR) in Adoptive TCR-T-cell Cancer Therapy neue Ansätze, um T-Zell-Therapien gegen Krebs wirksamer zu machen. Da Tumoren der Erkennung entgehen und gängige Labormodelle die Tumor-T-Zell-Interaktion nur unzureichend abbilden, entwickelt das Projekt eine präklinische Plattform zur realistischen Bewertung patientenabgeleiteter T-Zellen – mit Fokus auf das Tumorantigen NY-ESO-1. Ziel: präzisere und sicherere T-Zell-Therapien.

Bakterielle Infektionsmechanismen

Professor Marc Erhardt (HU Berlin) und Professorin Orna Amster-Choder (HUJI) untersuchen im Projekt Spatial Targeting of Secretion Substrate mRNAs to Type III Secretion Systems, ob mRNA gezielt zu bakteriellen Typ-III-Sekretionssystemen (T3SS) transportiert wird, um eine schnelle Einschleusung von Proteinen in Wirtszellen zu ermöglichen. Erste Hinweise deuten auf lokale mRNA-Cluster nahe den T3SS hin. Die Erkenntnisse könnten neue antimikrobielle Therapien ermöglichen – etwa Infektionen zu blockieren, ohne Antibiotikaresistenzen zu fördern.

Einstein Guest Researcher (Academic Freedom)

Der Vorstand hat die Förderung für zwei Wissenschaftler*innen im Programm der Wissenschaftsfreiheit bewilligt. Namen und Projekte werden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht bekannt gegeben.

Einstein Postdoctoral Grant

Aktivistische Stadtplanung

Elya Milner (TU Berlin) untersucht aktivistische Planungsorganisationen in politisch belasteten Städten: Planact in Johannesburg (Apartheid-Ära) und Bimkom in Ostjerusalem (israelische Besatzung). Das Projekt führt den Begriff „radical advocacy planning” ein, der Planungsansätze beschreibt, die widersprüchliche Positionen vermitteln – etwa kurzfristige taktische Lösungen mit langfristigem systemischen Wandel verbinden. Die Ergebnisse stärken Planungstheorie und -praxis und beleuchten die Rolle von Stadtplaner*innen in sozialen Kämpfen.

Bakterielle Immunabwehr

Philipp Popp (HU Berlin) etabliert mit dem Projekt BacDefiant eine Arbeitsgruppe zur Erforschung bakterieller Abwehrsysteme gegen Bakteriophagen. Mithilfe modernster Mikroskopie und Mikrofluidik werden einzelne Zellen in Echtzeit verfolgt, um das Zusammenspiel verschiedener Verteidigungsmechanismen zu entschlüsseln. Die Ergebnisse könnten das Verständnis phagenbasierter Therapieansätze verbessern.

Multiple Sklerose

Sara Samadzadeh (Charité / Max Delbrück Center) erforscht Multiple Sklerose und verwandte neuroinflammatorische Erkrankungen mithilfe präzisionsmedizinischer Ansätze. Multidimensionale Patient:innendaten – von Bildgebung über Multi-Omics bis zum Darmmikrobiom – werden per KI analysiert, um Krankheitsverläufe besser vorherzusagen und personalisierte Therapien zu ermöglichen.

Einstein Visiting Fellow

Psychische Gesundheit

Brendon Stubbs (King’s College London) startet gemeinsam mit Professor Kerem Böge und Einstein-Professor Malek Bajbouj (Charité) ein vierjähriges Projekt zu komplexen psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie und therapieresistenter Depression. Das Projekt kombiniert körperliches Training, Mind-Body-Therapien und Substanzen wie Kreatin und Oxytocin, entwickelt unter aktiver Patient:innenbeteiligung und erprobt in einer groß angelegten klinischen Studie.

Autismusforschung

Die Förderung von Jackie Schiller (Technion) als Einstein Visiting Fellow wird verlängert. Gemeinsam mit Professorin Sarah Shoichet und Professor Dietmar Schmitz (beide Charité) untersucht sie nun, wie das Lernen komplexer Regeln einen epigenetischen Fingerabdruck hinterlässt, der über nichtkodierte RNA an Folge­generationen weitergegeben wird – mit möglicher Relevanz für Autismus-Spektrum-Störungen und künftige Therapieansätze.

Einstein-Zentrum: EC-EDI

Das Einstein Center for Early Disease Interception (EC-EDI) zielt darauf ab, Krankheiten im Frühststadium zu erkennen, bevor Symptome auftreten. Nach einer zweijährigen Vormodulphase erhält das Zentrum nun eine Vollförderung von sechs Millionen Euro über sechs Jahre. Schwerpunkte sind Einzelzell-Multiomik, räumliche Biologie, präklinische Patient:innenmodelle und KI-gestützte Diagnostik.

Unter einem interdisziplinären Sprecherteam – Professor Leif Erik Sander, Professor Nikolaus Rajewsky, Janine Altmüller und Professor Jens Kurreck – arbeiten Forscher:innen von zwölf Berliner Institutionen zusammen, darunter Charité, BIH, Max Delbrück Center, TU, FU und HU Berlin. Ziel ist es, Berlin als internationalen Standort für zellbasierte Präventionsmedizin zu etablieren.

Einstein Research Unit: Global Health

Zum 1. Januar 2026 startet die Einstein Research Unit „Technologies in Global Health – From innovation to users (and back)”. Unter Leitung von Einstein-Professorin Beate Kampmann (Charité) und Professor Uli Beisel (FU Berlin) erforschen Wissenschaftler:innen der Berlin University Alliance gemeinsam mit sieben afrikanischen Partnerinstitutionen in Ghana, Tansania und Uganda, wie Gesundheitstechnologien – von Impfstoffen bis zu Ansätzen für psychische Gesundheit – erfolgreich an regionale Bedürfnisse angepasst und in die Anwendung gebracht werden können.

Die Einstein Stiftung Berlin ist eine gemeinnützige, unabhängige und wissenschaftsgeleitete Einrichtung, gegründet 2009. Sie fördert Wissenschaft und Forschung fächer- und institutionenübergreifend in und für Berlin. Rund 250 Wissenschaftler*innen, über 70 Projekte und zehn Einstein-Zentren wurden bislang gefördert.

Für die Wissenschaft. Für Berlin.

Originalpublikation: https://www.einsteinfoundation.de/presse/2026/07012026-1/26

Quelle: Pressemitteilung der EINSTEIN Foundation.de

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Digitale medizinische Darstellung einer Blase – Urologie und Blasengesundheit

Intensivierte Erstlinien-Erhaltung beim mUC im Kontext neuer Therapiesequenzen

Fachartikel

Die Therapielandschaft beim fortgeschrittenen Urothelkarzinom befindet sich im Wandel. Mit zunehmender Etablierung von ADC-Immuntherapie-Kombinationen in der Erstlinie stellt sich die Frage nach der Rolle und Ausgestaltung der Erhaltungstherapie neu.

Onkologie

Urogenitale Tumoren

Urothel- und Blasenkarzinom

Beitrag lesen
Kind mit Brille in heller Umgebung blickt in die Kamera

Wie myeloische Leukämie bei Kindern mit Down-Syndrom entsteht

News

Kinder mit Down-Syndrom haben ein 150-fach erhöhtes Risiko, an myeloischer Leukämie zu erkranken. Ein internationales Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt, des Wellcome Sanger Institute und des Great Ormond Street Hospital hat nun erstmals die molekularen Schritte der Krebsentstehung nachgezeichnet, und mit dem Protein GATA1 einen vielversprechenden Ansatzpunkt für künftige Therapien identifiziert.

Onkologie

Hämatoonkologie

Leukämien und MDS

Beitrag lesen
Illustration zur Prostata-Krebs-Vorsorge mit Ärzten, medizinischen Symbolen und einer Blase.

Die strategische Bedeutung der Erstlinientherapie beim mHSPC

Fachartikel

Die Behandlung des metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinoms befindet sich im Wandel. Wegweisende Phase-III-Studien belegen eindeutig: Eine frühzeitige Therapieintensivierung mit modernen Kombinationsregimen verlängert das Gesamtüberleben signifikant und prägt die ­gesamte weitere Therapiesequenz.

Onkologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

Beitrag lesen