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Herausforderungen beim Typ-3c-Diabetes als Folge von Pankreaskarzinom bzw. Pankreasresektion

Medizinische Illustration eines Tumors in der Bauchspeicheldrüse

Herausforderungen beim Typ-3c-Diabetes als Folge von Pankreaskarzinom bzw. Pankreasresektion

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Erschienen in: onkologie heute

Verschiedene exokrine Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse – darunter das Pankreaskarzinom – können einen T3c-Diabetes verursachen. Prof. Dr. med. Ralf Lobmann, Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Katharinenhospital Stuttgart, erläutert im folgenden Beitrag, worauf beim Management des Typ-3c-Diabetes zu achten ist.

Typ-3c-Diabetes mellitus (T3cDM) ist eine besondere Form des Diabetes, die im Zusammenhang mit Erkrankungen des exokrinen Pankreas auftritt; er wird auch als pankreopriver oder pankreatogener Diabetes bezeichnet [1]. Zu den häufigsten Ätiologien für einen Typ-3c-Diabetes mellitus gehören die akute bzw. akut rezidivierende Pankreatitis, die chronische Pankreatitis sowie die cystische Fibrose. Auch das Pankreaskarzinom mit partieller oder totaler Pankreasresektion ist Ursache für einen pankreopriven Diabetes [1–3].

T3cDM häufiger als gedacht

Während ein Typ-3c-Diabetes früher als selten angesehen wurde, weiß man heute, dass die tatsächliche Inzidenz in der allgemeinen Patientenkohorte mit Diabetes mit einem Anteil von 5–10 % viel höher ist als angenommen [4, 5]. Das klinische Bild des T3cDM kann heterogen sein und ist durch unterschiedliche Grade endokriner und exokriner Beeinträchtigungen gekennzeichnet [6]. Studien weisen darauf hin, dass Patienten mit T3cDM einen reduzierten Body- Mass-Index (BMI) haben und keine Merkmale aufweisen, die mit dem metabolischen Syndrom in Zusammenhang stehen [7]. Tabelle 1 vergleicht Merkmale des T3cDM mit denen von Typ-1- und Typ-2- Diabetes.

Nach totaler Resektion oft starke Glukoseschwankungen

Die vollständige Resektion der Bauchspeicheldrüse und der damit verbundene Inselverlust führen postoperativ zu einem insulinabhängigen Diabetes. Patienten mit T3cDM leiden im Gegensatz zum klassischen Typ-1- und Typ-2-Diabetes an einer milden Glukoseintoleranz, die oft zu einem labilen Diabetes fortschreitet. Dieser kann schwierig zu handhaben sein [8] und ist aufgrund des gleichzeitigen Verlusts von Glukagon, das in den Alpha-Zellen gebildet wird, durch Glukoseschwankungen mit Hyperund Hypoglykämien gekennzeichnet [9]. Für die partielle Pankreatektomie wird eine exokrine bzw. endokrine Dysfunktion mit Raten von bis zu 35 % bzw. 40 % dokumentiert [10]. Eine vorbestehende Hyperglykämie, ein erhöhter HbA1c-Wert, höheres Alter, weibliches Geschlecht und Adipositas sind anerkannte präoperative Faktoren, die die Entwicklung eines T3cDM nach partieller Pankreatektomie beeinflussen [11].

Höheres Diabetesrisiko auch nach distaler Pankreatektomie

Auch das gewählte Operationsverfahren und das Ausmaß der durchgeführten Pankreasresektion sind relevant für den Schweregrad des auftretenden T3cDM [12]. Da sich ein erheblicher Anteil der Inselzellen des Pankreas und der insulinproduzierenden Betazellen in der Schwanzregion des Pankreas befindet, haben Patienten nach distaler Pankreatektomie eine höhere Inzidenz von postoperativem T3cDM im Vergleich zu anderen Formen der Resektion wie Pankreas- Duodenektomie nach Whipple, duodenal schonender Pankreaskopfresektion und zentraler Pankreatektomie [13]. Die zentrale Pankreatektomie mit Erhalt von Körper und Schwanz der Bauchspeicheldrüse scheint mit einer geringeren Inzidenz von T3cDM assoziiert. Sie birgt aber andererseits ein höheres Risiko für Komplikationen wie Pankreasfisteln und Leckagen aufgrund der nach Operation verbleibenden Pankreasrestgewebe [14, 15]. Bei Pankreastumoren werden häufig das Whipple-Verfahren und die duodenalsparende Pankreaskopfresektion angewendet. Bei diesen Verfahren liegt die Inzidenz eines postoperativen T3cDM bei 9–24 % [12, 16].

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Bilderquelle: © Sebastian Kaulitzki – stock.adobe.com

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