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Leitlinien-Update: Momelotinib bei Myelofibrose und Anämie empfohlen

Mikroskopische Aufnahme von Zellen, die für die Diagnostik und Therapie von Myelofibrose und Anämie relevant sind.

Leitlinien-Update: Momelotinib bei Myelofibrose und Anämie empfohlen

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Erschienen in: onkologie heute

Momelotinib wird in der neuen Onkopedia-Leitlinie der DGHO erstmals unabhängig von der Therapielinie für Patienten*innen mit Myelofibrose empfohlen. Die Empfehlung basiert auf Phase-III-Studien.

 Die Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) hat im September 2025 eine aktualisierte Version der Onkopedia-Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Myelofibrose (MF) erstellt. [1] Die aktualisierte Leitlinie wurde kürzlich veröffentlicht und steht ab sofort für die klinische Praxis zur Verfügung. Darin wird Momelotinib im Therapiealgorithmus nunmehr als dritter zugelassener Januskinase (JAK)-Inhibitor aufgeführt. Der Einsatz von Momelotinib wird empfohlen bei krankheitsbedingter Splenomegalie oder Symptomen und Vorliegen von klinisch symptomatischer, moderater bis schwerer Anämie und Thrombozytenwerten >25 G/l. Diese Empfehlung gilt sowohl für die Erstlinie als auch für die Zweitlinie nach Ruxolitinib-Versagen. [1]

Der aktualisierten Onkopedia-Leitlinie zufolge sollten alle Patienten mit MF und hohem oder sehr hohem Risiko initial auf ihre Eignung für eine allogene Stammzelltransplantation (SZT) hin untersucht werden. Auch für Patienten mit intermediärem Risiko kann dies sinnvoll sein. Bei Patienten mit Splenomegalie oder Symptomen, für die eine allogene SZT nicht geeignet ist, empfiehlt die Leitlinie bei gleichzeitiger klinisch symptomatischer, moderater bis schwerer Anämie und Thrombozyten > 25 G/L den Einsatz von Momelotinib. Liegt keine oder eine klinisch nicht-relevante Anämie vor und beträgt der Thrombozytenwert > 50 G/L, werden als Erstlinienoptionen unabhängig von der Risikoeinstufung die JAK-Inhibitoren Ruxolitinib oder Fedratinib empfohlen. Bei Versagen der Ruxolitinib-Therapie empfiehlt die aktualisierte Leitlinie bei klinisch symptomatischer, moderater bis schwerer Anämie und Thrombozyten > 25 G/L Momelotinib als Folgetherapie einzusetzen, bei relevanter Splenomegalie und Thrombozyten > 50 G/L Fedratinib. Für die Bestimmung eines Ruxolitinib-Versagens wird z. B. der Einsatz des RR6 (Ansprechen auf Ruxolitinib nach 6 Monaten)-Prognosemodells empfohlen, um ein rechtzeitiges Umstellen auf eine Zweitlinientherapie zu ermöglichen. Alternativ können definierte klinische Kriterien zur Bestimmung einer Refraktärität, Progression oder Intoleranz herangezogen werden. [1]

Die Aufnahme von Momelotinib in die Leitlinie basiert auf der Zulassung durch die EMA im Januar 2024, welche auf den Ergebnissen der randomisierten, kontrollierten Studien MOMENTUM (JAK-Inhibitor-vorbehandelte Patienten, Vergleich von Momelotinib mit Danazol) und SIMPLIFY-1 (JAK-Inhibitor-naive Patienten, Vergleich von Momelotinib mit Ruxolitinib, Subgruppe der Patienten mit Anämie, Hämoglobin < 10 g/dl) fußt. Diese Studien wiesen die Wirkung von Momelotinib auf die Reduktion des Milzvolumens sowie auf die beiden Anämieparameter, den Hämoglobinwert (Hb) [2, 3, 4] und die Rate der Transfusionsabhängigkeit nach. [2, 3, 4] Weiterhin bezieht sich die Onkopedia-Leitlinie bei ihrer Empfehlung auf die retrospektive MoReLife-Analyse, bei der Momelotinib bei 60 Patienten unter realen Bedingungen und außerhalb einer klinischen Studie hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit untersucht wurde. [5]

Die Sicherheit und Verträglichkeit von Momelotinib wurden in den drei Phase-III-Studien MOMENTUM, SIMPLIFY-1 und SIMPLIFY-2 untersucht (n = 448). [2, 3, 6] Die häufigsten Nebenwirkungen waren Diarrhoe (23 %), Thrombozytopenie (21 %), Übelkeit (17 %), Kopfschmerzen (13 %), Schwindelgefühl (13 %), Fatigue (12 %), Asthenie (11 %), Abdominalschmerzen (11 %) und Husten (10 %). [7] Als häufigste schwere Nebenwirkung (≥ Grad 3) unter Momelotinib trat Thrombozytopenie auf (12 %). [7]

Weitere Änderungen der Onkopedia-Leitlinie umfassen neben der Aktualisierung des Therapiealgorithmus eine stärkere Gewichtung der Symptomerfassung, eine ausführlichere Empfehlung zur Diagnose und Therapie der präfibrotischen primären Myelofibrose (präPMF), deren Differenzierung von einer Essentiellen Thrombozythämie (ET) und die Unterteilung in einen ET-ähnlichen und Overt-MF-ähnlichen Phänotyp sowie die Empfehlung zur Nutzung neuerer mutationsbasierter Risikoscores und zusätzliche Untersuchungen auf bestimmte Hochrisikomutationen, JAK2-Allel-Last und Zytogenetik mittels Next Generation Sequencing.

Literatur:

  1. Gießhammer M et al., Leitlinie Primäre Myelofibrose, Stand 09/2025
  2. Verstovsek S et al. Lancet 2023; 401: 269–280
  3. Mesa RA et al. J Clin Oncol 2017; 35: 3844–3850
  4. Gupta V et al. Leuk Lymphoma 2024; 65: 965–977
  5. Jilg S et al. Ann Hematol 2024; 1-13
  6. Harrison CN, Lancet Hematol 2018, 5(2): e73-e81
  7. OMJJARA Fachinformation, Stand März 2025

Quelle: Pressemitteilung GSK

Bildquelle: © tonaquatic – stock.adobe.com

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