Onkologie » Lungenkarzinom » Allgemeine Aspekte

»

Risikoadaptiertes Lungenkrebs-Screening: Wann Ex-Raucher wirklich profitieren

Röntgenaufnahme der menschlichen Lunge, medizinische Untersuchung.

Quelle: Chlorophylle – stock.adobe.com

Risikoadaptiertes Lungenkrebs-Screening: Wann Ex-Raucher wirklich profitieren

News

Onkologie

Lungenkarzinom

Allgemeine Aspekte

mgo medizin Redaktion

Verlag

4 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Wann sollten Ex-Raucher mit dem Lungenkrebs-Screening beginnen? Ein DKFZ-Team zeigt: Das optimale Startalter hängt vom individuellen Risiko und dem Zeitpunkt des Rauchstopps ab und nicht von starren Altersgrenzen.

Lungenkrebs wird häufig erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, wenn Symptome auftreten und die Heilungschancen gering sind. Hier setzt die Früherkennung mit Niedrigdosis-Computertomographie an: Durch diese vergleichsweise schonende Untersuchung lassen sich Tumoren in einem früheren, besser behandelbaren Stadium erkennen. Große Studien haben gezeigt, dass ein solches Screening die Sterblichkeit durch Lungenkrebs senken kann.

Darauf hat der Gemeinsame Bundesausschuss im Sommer 2025 mit dem Beschluss reagiert, die Lungenkrebs-Früherkennung mittels Niedrigdosis-CT für starke Raucherinnen und Raucher als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung aufzunehmen. Dieses Angebot richtet sich an Menschen im Alter von 50 bis 75 Jahren mit hohem Tabakkonsum, die aktuell rauchen oder vor weniger als zehn Jahren aufgehört haben.

Doch ist es überhaupt sinnvoll, ehemaligen Rauchern, die vor weniger als zehn Jahren aufgehört haben, das Screening einheitlich beginnend mit dem Erreichen des 50. Lebensjahrs anzubieten? Und ist es richtig, ehemaligen Rauchern, deren Rauchstopp länger zurückliegt, gar kein Screening anzubieten? Ein Forschungsteam um Hermann Brenner vom DKFZ hat nun eine neue, risikoadaptierte Strategie für den Start des Lungenkrebs-Screenings bei ehemaligen starken Raucherinnen und Rauchern entwickelt. Ziel ist es, den Beginn der Früherkennung nicht pauschal festzulegen, sondern anhand der tatsächlichen Risikoveränderung abhängig vom Zeitpunkt des Rauchstopps zu bestimmen: In welchem Alter erreicht eine Person, die früher stark geraucht hat, das gleiche Risiko, das ein „dauerhafter“ Raucher im Alter von 50 Jahren hat?

Für die Studie wertete das DKFZ-Team Daten der UK Biobank, einer großen britischen Kohortenstudie, aus. Analysiert wurden 86.035 aktuelle und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher im Alter von 50 bis 72 Jahren, die zu Studienbeginn nicht an Krebs erkrankt waren. Die ehemaligen Raucher teilte das Forschungsteam in vier Gruppen – abhängig davon, wie lange der Rauchstopp zurücklag (bis 5 Jahre, 6–10 Jahre, 11–15 Jahre, mehr als 15 Jahre). Während der Nachbeobachtungszeit traten 2.109 Lungenkrebsfälle auf.

Um konkrete Altersempfehlungen für den Screening-Start ableiten zu können, nutzten die Forschenden ein Konzept, das sich vereinfacht so erklären lässt: Wenn ein Rauchstopp das Lungenkrebsrisiko senkt, dann kann man berechnen, um wie viele „Risikojahre“ das mit dem Alter ansteigende Erkrankungsrisiko dadurch nach oben verschoben wird. Das Team bezeichnet diese Zeitspanne als „Risikoverzögerungszeit“. Sie gibt an, wie viele Jahre später ehemalige Raucher ungefähr das gleiche Erkrankungsrisiko erreichen wie Raucher, die nie mit dem Tabakkonsum aufgehört haben. Daraus lässt sich dann ein risikoadaptiertes Alter bestimmen, ab dem ein Screening bei Ex-Rauchern beginnen könnte – mit dem Referenzpunkt, dass aktuelle starke Raucherinnen und Raucher ab dem Alter von 50 Jahren starten.

Das Ergebnis: Je länger der Rauchstopp zurücklag, desto stärker war das Risiko reduziert – und desto später im Leben wurde das Referenzrisiko erreicht. Bei Personen, die höchstens fünf Jahre zuvor aufgehört hatten, lag die berechnete Risikoverzögerung bei rund 2,7 Jahren. Ein Beginn des Screenings wäre also etwa mit 53 Jahren zu empfehlen. Wer seit 6 bis 10 Jahren nicht mehr rauchte, erreichte das Referenzrisiko etwa 6,2 Jahre später, also ungefähr mit 56 Jahren. Aber selbst ehemalige Raucher, bei denen der Rauchstopp 11 bis 15 oder sogar über 15 Jahre zurücklag und die nach den geplanten Kriterien keinen Anspruch auf das Screening hätten, würden mit etwa 60 bzw. 67 Jahren das Risiko der starken Raucher ohne Rauchstopp erreichen. Insgesamt ergaben sich damit risikoadaptierte Startalter zwischen 53 und 67 Jahren.

„Mit der Untersuchung wollten wir die Grundlagen liefern, um die bisherigen, starren Altersgrenzen anzupassen“, erklärt Hermann Brenner. „Besonders relevant ist der Befund, dass Ex-Raucher mit langjährigem hohen Tabakkonsum nicht grundsätzlich von der Früherkennung ausgeschlossen werden sollten – in höherem Alter könnten sie wieder ein Risiko erreichen, bei dem ein Screening sinnvoll ist.“

Umgekehrt zeigt die Analyse, dass ein pauschaler Screening-Start mit 50 Jahren bei vielen ehemaligen starken Rauchenden möglicherweise zu früh sein könnte: Wenn das Risiko bereits deutlich gesunken ist, könnte ein späterer Start helfen, unnötige Strahlenexposition, Folgeuntersuchungen, Belastungen durch falsch-positive Befunde sowie das Risiko von Überdiagnosen und Übertherapie zu reduzieren. So könnte ein risikoadaptierter Ansatz sowohl die Wirksamkeit als auch die Verhältnismäßigkeit des Lungenkrebs-Screenings verbessern.

Quelle: Pressemitteilung Deutsches Krebsforschungszentrum

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Mikroskopische Aufnahme von Zellen des multiplen Myeloms, dargestellt in einer Färbung zur Identifikation von Zellstrukturen.

Neue Daten zu Ciltacabtagen Autoleucel aus der CARTITUDE-4-Studie

Kongressberichte

In der Wartezeit vor Gabe von Ciltacabtagen Autoleucel sollte laut einer spezifizierten Analyse der CARTITUDE-4-Daten beim Lenalidomid-refraktären multiplen Myelom eine Brückentherapie erfolgen, um die Ergebnisse der CAR-T-Zelltherapie zu optimieren.

Onkologie

Hämatoonkologie

Multiples Myelom

Beitrag lesen
hautausschlag mit roetungen an der schulter als symbolbild fuer das vexa-syndrom

VEXAS-Syndrom und Krebs: Nur die Spitze des Eisbergs?

Fachartikel

Chronische Entzündungen spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Krebs und tragen Schätzungen zufolge zu bis zu einem Viertel aller bösartigen Tumoren bei.

Onkologie

Hämatologie

Beitrag lesen
grafische darstellung von lungen mit mehreren farbig markierten tumorherden bei lungenkrebs

Stoffwechsel-Molekül Itaconat eröffnet neue Wege gegen Lungenkrebs

News

Gießener Forschende zeigen, dass das Molekül Itaconat Immunzellen umprogrammieren, Tumorzellen direkt angreifen und Lungenkrebswachstum stoppen kann und bremst so das Wachstum von Lungenkrebs in Mausmodellen und menschlichem Gewebe.

Onkologie

Lungenkarzinom

Beitrag lesen