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Klinische Studien: Hürdenlauf und Motor der Krebsmedizin

Zwei Wissenschaftler in weißen Kitteln besprechen Studiendaten im Labor

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Klinische Studien: Hürdenlauf und Motor der Krebsmedizin

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: onkologie heute

Neue Krebstherapien entstehen nicht im Labor allein – sie müssen sich in klinischen Studien bewähren. Anlässlich des Weltkrebstags machen das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) auf die zentrale Bedeutung klinischer Studien aufmerksam – und auf die Hürden, die ihren Weg in die Praxis bremsen. 

Klinische Studien sind der Motor des medizinischen Fortschritts”, sagt Michael Baumann, Vorstandsvorsitzender des DKFZ und Sprecher des Lenkungsausschusses des NCT. „Damit Innovationen bei den Patient*innen ankommen, müssen Studien schneller und einfacher umsetzbar werden.”

Michael Hallek, ebenfalls Sprecher des Lenkungsausschusses des NCT, ergänzt: „Im Vergleich mit zehn anderen westlichen Industrienationen belegt Deutschland bei der Zahl umgesetzter Studien* den letzten Platz. Strukturen wie das NCT sind entscheidend, um klinische Studien bundesweit zu bündeln und zu beschleunigen.”

Genau hier setzt das NCT an. Das 2023 erweiterte Netzwerk umfasst nunmehr sechs Standorte und bietet eine optimale Infrastruktur, um onkologische Studien zu planen und durchzuführen – und Menschen in ganz Deutschland einen gerechteren Zugang zu ermöglichen, unabhängig von Bildungsgrad, Wohnort oder sozialem Hintergrund.

Die Erweiterung des NCT wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) im Rahmen der Nationalen Dekade gegen Krebs gefördert. Das DKFZ ist Träger an allen NCT-Standorten und schafft gemeinsam mit 27 Partnern – darunter elf Universitätsklinika – die strukturellen Voraussetzungen für eine starke klinische Krebsforschung in ganz Deutschland.

Klinische Studien: Ein Marathon mit vielen Hürden

Die Planung und Umsetzung klinischer Studien ist ein langwieriger Prozess. „Das ist kein Sprint, sondern ein Marathon mit vielen Hürden”, sagt Julia Ritzerfeld, Leiterin des Clinical Trial Office am DKFZ. Bürokratische und juristische Anforderungen, eine oft schwierige Finanzierung sowie internationale, nationale und föderale Regularien machen den Weg zur Zulassung einer neuen Therapie aufwendig und komplex. Umso wichtiger sei der Faktor Mensch: „Klinische Studien erfordern Wissenschaftler*innen mit großem Durchhaltevermögen und hoher Frustrationstoleranz.”

Starke Strukturen als Schlüssel zum Erfolg

Wie stark klinische Forschung von verlässlichen Strukturen profitiert, verdeutlicht Mirco Friedrich, Leiter der Nachwuchsgruppe Hämatologie und Immune Engineering am DKFZ und Leiter der klinischen Prüfung einer NCT-Brückenstudie: „Klinische Studien sind sehr aufwendig und kostenintensiv. Zudem ist der regulatorische Aufwand in Deutschland im Vergleich zu den USA oder europäischen Nachbarländern besonders hoch.” Strukturen wie das NCT erleichterten die Planung, Koordination und Durchführung klinischer Studien erheblich, so der Wissenschaftler und Arzt.

Patientenperspektive: Vom Betroffenen zum Mitgestalter

Welche Bedeutung klinische Studien für Betroffene haben, macht Max Heller vom Patientenforschungsrat NCT West deutlich. „Eine Studienteilnahme kann helfen, aus der empfundenen Machtlosigkeit wieder in die eigene Entscheidungsfähigkeit zurückzukehren”, so Heller. Gleichzeitig bestünden bei vielen Patient*innen Vorbehalte gegenüber einer Teilnahme – häufig gespeist aus veralteten Vorstellungen von Krebs und medizinischer Forschung.

Erschwerend kämen umfangreiche und schwer verständliche Datenschutzinformationen hinzu, die viele Betroffene abschreckten. Klinische Studien müssten daher politisch höher priorisiert werden: „Sie brauchen ein Blaulicht – damit lebensrettende Forschung nicht an roten Ampeln wie dem Datenschutz stehen bleibt.”

Appell zum Weltkrebstag: Deutschland muss aufholen

Zum Weltkrebstag appellieren DKFZ und NCT, Deutschland als Standort für klinische Studien wieder attraktiver zu machen. Dafür sind ein konsequenter Bürokratieabbau, eine schlankere Regulatorik und effiziente klinische Infrastrukturen dringend erforderlich. Denn nur so kann medizinischer Fortschritt dort ankommen, wo er am meisten zählt – bei den Patient*innen.

Originalpublikation: Studie von vfa und Kearney „Pharma-Innovationsstandort Deutschland“, 2023
https://www.vfa.de/download/vfa-kearney-pharma-innovationsstandort-deutschland.pdf

Quelle: gemeinsame Pressemitteilung des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) zum Weltkrebstag 2026

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