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Versorgungsnahe Daten aus dem deutschen ITP-Register

Stilisiertes Bild eines Bluttropfens auf rotem Hintergrund, symbolisiert die immunologische Thrombozytopenie (ITP) und deren Behandlung.

Versorgungsnahe Daten aus dem deutschen ITP-Register

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Erschienen in: onkologie heute

Im Bereich klassische Hämatologie präsentierte Karolin Trautmann-Grill, Dresden, aktuelle und versorgungsnahe Daten aus dem deutschen ITP-Register (D.ITP-Register). Die immunologische Thrombozytopenie (ITP) ist eine erworbene Autoimmunerkrankung, die durch eine niedrige Thrombozytenzahl und ein variables Blutungsrisiko gekennzeichnet ist und bei Erwachsenen häufig einen chronischen Verlauf nimmt. Bei seltenen Erkrankungen wie der ITP sind Daten aus der Praxis entscheidend für die Optimierung der Behandlungsstrategien.

Das D.ITP-Register bietet einen umfassenden Überblick über die aktuelle klinische Praxis in Deutschland. An der prospektiven, multizentrischen Kohortenstudie nehmen seit Juni 2021 erwachsene ITP-Patienten aus 47 Rekrutierungszentren teil. Die präsentierte Zwischenanalyse umfasst Patienten, die bis November 2024 aufgenommen wurden; die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 15 Monate.

Zahlen Daten Fakten

Es wurden Daten von 400 Patienten mit primärer (87 %) und sekundärer ITP (13 %) analysiert. Das Durchschnittsalter lag bei 63 Jahren (18–97 Jahre), 46 % waren weiblich. Bei der Diagnose hatten 61 % eine Thrombozytenzahl (plt) von < 30/nl. Bei 42 % der Patienten wurden Blutungssymptome berichtet (mediane Thrombozytenzahl 4/nl); 11 % hatten schwere (Grad 3/4) Blutungen. Bei 62 % wurde eine Behandlung eingeleitet. Kortikosteroide führten bei 84 % zu einer Remission; 35 % erlitten anschließend einen Rückfall. Die Analyse potenzieller Prädiktoren ergab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Alter, Ausgangs-Thrombozytenzahl oder Blutungssymptomen und Steroidresistenz oder Rückfall.

Die Zweitlinientherapie umfasste in erster Linie Thrombopoietin-Rezeptor-Agonisten (TPO-RA), die in 94 % der Fälle eingesetzt wurden, darunter auch bei Patienten mit sekundärer ITP (13 %). Bei 21 % wurde aufgrund eines suboptimalen Ansprechens oder Verträglichkeitsproblemen zwischen TPO-RA gewechselt. Eine behandlungsfreie Remission nach Absetzen der TPO-RA wurde bei 13 % dokumentiert.

Alternative Zweit-/Drittlinienbehandlungen umfassten Rituximab, Fostamatinib und Azathioprin. Rettungsbehandlungen bestanden aus IVIG (21 %) und Thrombozytentransfusionen (11 %). Unter den behandelten Patienten mit Follow-up-Daten nach 12 Monaten benötigten 50 % eine fortgesetzte Behandlung. Thromboembolische Ereignisse wurden bei 25 Patienten (6 %) berichtet, wobei 80 % zum Zeitpunkt der Diagnose oder davor und 20 % während der Nachbeobachtung der Behandlung dokumentiert wurden.

Die von den Patienten angegebenen Bewertungen zeigten eine beeinträchtigte Lebensqualität (ILQI ≥ 20) bei 24 % und schwere Fatigue (FACIT-Fatigue < 30) bei 18 %, unabhängig von der Thrombozytenzahl oder dem Alter.

Vorläufige Daten aus dem D.ITP-Register unterstreichen den chronischen Charakter der ITP bei Erwachsenen und den häufigen Einsatz von TPO-RA als Zweitlinientherapie, einschließlich Umstellungs- und Ausschleichstrategien. Die Belastung durch Fatigue unterstreicht die Notwendigkeit, patientenzentrierte Bewertungen in die Routineversorgung zu integrieren und weitere Forschungsarbeiten zur Optimierung des Patientenmanagements durchzuführen.

Quelle: Georgi J A et al. Epidemiology, Treatment Patterns, and Quality of Life in Adult Immune Thrombocytopenia: Routine Practice Data from the Multicenter German ITP Registry (D.ITP). Jahrestagung der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie 24.–27. Oktober 2025, Köln 

Bildquelle: © Orawan – stock.adobe.com

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