Ich fühle was, was du nicht hörst und das schmeckt rot
Wahrnehmung und Bewegung bilden im Zusammenspiel die Basis aller kindlichen Lern- und Entwicklungsprozesse. Störungen und Auffälligkeiten, ob genetisch oder umweltbedingt, haben häufig Auswirkungen auf das Verhalten, die Motorik und das Lernen. Multisensorische bewegungsorientierte Angebote können Kinder dabei unterstützen, ihre Sinne besser zu nutzen und sich in ihrer Umwelt sicherer und freudvoller zu bewegen.
Zusammenfassung
Bewegungsorientierte Wahrnehmungsförderung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem Bewegung, Wahrnehmung, Emotion und Kognition eng miteinander verknüpft sind. Durch aktive, selbsttätige Auseinandersetzung mit der Umwelt erwerben Kinder grundlegende Wahrnehmungs- und Handlungskompetenzen, die für ihre gesamte Entwicklung bedeutsam sind. Zentrale Voraussetzung ist eine altersund entwicklungsangemessene Gestaltung der Angebote, die an den individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen der Kinder ansetzt. Ein spielerischer Zugang fördert Motivation, Neugier und Freude an Bewegung und schafft positive Bewegungserfahrungen. Vielfältige, alltagsnahe Bewegungsformen ermöglichen die gezielte Schulung insbesondere der Basissinne – taktil, vestibulär und kinästhetisch – und unterstützen zugleich visuelle und auditive Wahrnehmungsprozesse. Durch die Verbindung von Bewegung und Wahrnehmungsaufgaben sowie durch offene Aufgabenstellungen werden Eigenaktivität, Kreativität und Selbstwirksamkeit gestärkt. Wiederholungen mit Variation, klare Strukturen und sichere Rahmenbedingungen bieten Orientierung und Stabilität im Lern- und Förderprozess. Soziale Interaktion, Kooperation und gemeinsame Reflexion fördern zusätzlich emotionale und soziale Kompetenzen. Insgesamt trägt bewegungsorientierte Wahrnehmungsförderung dazu bei, Wahrnehmungsfähigkeit, motorische Kompetenz und Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig zu unterstützen.
Autor: W. Beudels (Hochschule Koblenz, Fachbereich Sozialwissenschaften, Rhein-Mosel-Campus Koblenz)
Der Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in pädiatrische praxis 2026; 104 (2): 267–280.
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