Die bronchopulmonale Dysplasie bleibt trotz moderner Neonatologie ein bedeutendes Krankheitsbild bei extrem unreifen Frühgeborenen. Dieser narrative Review beleuchtet aus neonatologischer Sicht die Epidemiologie und Pathophysiologie der „neuen“ BPD, aktuelle Präventions- und Therapiekonzepte sowie die Bedeutung früher, individualisierter Weichenstellungen für den Krankheitsverlauf.
Einleitung
Die bronchopulmonale Dysplasie (BPD) stellt eine bedeutende chronische Komplikation bei Frühgeborenen dar und ist eine zentrale Herausforderung in der Neonatologie. Trotz beachtlicher Fortschritte in Geburtshilfe und neonatologischer Intensivmedizin ist es bislang nicht gelungen, das Auftreten der BPD nachhaltig zu senken, obwohl sich die Versorgungsqualität in vielen Bereichen deutlich verbessert hat. Vielmehr zeigen aktuelle Daten, dass die Prävalenz der BPD unter extrem unreifen Frühgeborenen seit 2012 in vielen Kohorten tendenziell sogar angestiegen ist. Die Erkrankung ist mit prolongierten und rezidivierenden Krankenhausaufenthalten, einer hohen Behandlungsintensität sowie einer erheblichen pulmonalen, kardiovaskulären und neurologischen Langzeitmorbidität assoziiert. Vor diesem Hintergrund kommt der Prävention, Diagnosestellung und adäquaten Therapie der BPD im klinischen Alltag eine zentrale Bedeutung zu.
Zusammenfassung
Die bronchopulmonale Dysplasie stellt weiterhin eine der bedeutendsten chronischen Morbiditäten bei extrem unreifen Frühgeborenen dar. Das heutige Krankheitsbild der »neuen« BPD unterscheidet sich grundlegend von der klassischen, primär verletzungsbasierten Form und ist gekennzeichnet durch eine gestörte alveoläre und pulmonal-vaskuläre Reifung. Ursächlich liegt der Erkrankung ein komplexes Zusammenwirken extremer Frühgeburtlichkeit mit pränatalen und postnatalen Entzündungsprozessen, oxidativem Stress sowie mechanischer Belastung der strukturell und funktionell unreifen Lunge zugrunde. Moderne Präventions- und Therapiestrategien verfolgen das Ziel, diese schädigenden Einflüsse möglichst früh zu begrenzen und physiologische Reifungsprozesse zu unterstützen. Im Mittelpunkt stehen lungenprotektive Beatmungskonzepte, eine zielgerichtete Sauerstofftherapie sowie der bevorzugte Einsatz nichtinvasiver Atemunterstützung. Ergänzend kommen etablierte pharmakologische Maßnahmen wie Koffein und – bei entsprechender Indikation – postnatale Steroide zum Einsatz. Angesichts der ausgeprägten klinischen Heterogenität der BPD gewinnen individualisierte Behandlungsansätze zunehmend an Bedeutung, während zukünftige Therapieansätze verstärkt entwicklungsbiologische Zielstrukturen adressieren. Der vorliegende narrative Review fokussiert bewusst auf die Neonatalperiode, in der entscheidende Weichen für den weiteren Krankheitsverlauf gestellt werden.
Autor: B. Schwaberger, Klinische Abteilung für Neonatologie, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Graz
Der Originalbeitrag zu diesem Thema wurde veröffentlicht in pädiatrische praxis 2026; 104 (2): 225–238.
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