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Einfluss der Säuglingsnahrung auf das Risiko für atopische Dermatitis

Baby wird mit der Flasche gefüttert

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Einfluss der Säuglingsnahrung auf das Risiko für atopische Dermatitis

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: pädiatrische praxis

Eine große europäische Studie [1] kam zu dem Ergebnis, dass die Wahl der Säuglingsnahrung das Ekzemrisiko erheblich beeinflussen kann – mit besonders starkem Effekt bei familiär vorbelasteten Kindern.

Studienhintergrund

Die Atopische Dermatitis (AD) ist eine häufige Hauterkrankung, weltweit sind rund 15 % der Kinder betroffen. In den meisten Fällen treten die ersten Symptome bereits im ersten Lebensjahr auf [2]. Charakteristisch ist eine trockene, juckende und entzündete Haut. Darüber hinaus gilt die AD häufig als Auftakt des sogenannten „atopischen Marsches“ – einer Abfolge allergischer Erkrankungen, die sich im weiteren Kindes- und Erwachsenenalter manifestieren können: Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen und Asthma. Die volkswirtschaftliche Belastung ist erheblich: In Europa werden die direkten und indirekten Kosten der AD auf rund 30 Milliarden Euro jährlich geschätzt [3].

Stillen gilt als optimale Ernährungsform für Säuglinge, die Mehrzahl der Kinder erhält jedoch im ersten Lebensjahr ergänzend oder alternativ Säuglingsmilchnahrung. Ob eine Säuglingsmilchnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch anstelle von Kuhmilchprodukten dazu beitragen kann, vor der Entwicklung einer atopischen Dermatitis zu schützen, untersuchte die GIraFFE-Studie. Die große, doppelblinde, randomisierte klinische Studie umfasste mehr als 2.100 gesunde Säuglinge und wurde an elf Zentren in Deutschland, Spanien und Polen durchgeführt. Koordiniert wurde die Studie von Forschenden des LMU Klinikums München, unter Leitung von Prof. Berthold Koletzko am Dr. von Haunerschen Kinderspital. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Clinical Nutrition veröffentlicht [1].

Verglichen wurde Säuglingsnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch (Whole Goat Milk Formula [WGF]) mit Kuhmilchnahrung (Cow Milk Formula [CF]).

Studienergebnisse: Risiko für atopische Dermatitis kann reduziert werden

Das Ergebnis ist klinisch bedeutsam: Die Ernährung mit Säuglingsmilchnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch reduzierte das Auftreten einer ärztlich diagnostizierten atopischen Dermatitis um 34 %. Noch ausgeprägter war der Effekt bei Säuglingen mit einer familiären Vorbelastung für AD: Das Risiko für eine ärztlich diagnostizierte AD sank bei Ernährung mit WGF-Säuglingsnahrung um 64 % im Vergleich zu CF-Nahrung – gemessen bis zum Alter von zwölf Monaten.

„Die vorliegenden Ergebnisse sind praktisch wichtig, denn Ekzeme sind eine chronische Erkrankung, die für die betroffenen Kinder und ihre Familien eine erhebliche Belastung darstellt. Eine atopische Dermatitis mit chronischem Juckreiz kann die Entwicklung des Kindes, den Schlaf und die Lebensqualität des Kindes und der ganzen Familie stark beeinträchtigen.“

Prof. Dr. Berthold Koletzko, Dr. von Haunersches Kinderspital des LMU Klinikums München, Studienleiter

Einordnung und Ausblick

Aus der GIraFFE-Studie geht hervor, dass eine wissenschaftlich gesicherte Möglichkeit existiert, Ekzemen bei Säuglingen, die mit Säuglingsnahrung ernährt werden, vorzubeugen.

Die Studie knüpft an die frühere australische TIGGA-Studie an, die bei 200 Säuglingen erste Hinweise auf eine günstigere AD-Rate unter Ziegenmilchnahrung geliefert hatte [4], aufgrund der geringen Fallzahl jedoch keine statistische Signifikanz erreichte. Die GIraFFE-Studie schließt diese Lücke mit einer deutlich größeren Kohorte.

Die Begleitung der studienteilnehmenden Kinder wird bis zum fünften Lebensjahr fortgesetzt. Damit soll untersucht werden, ob die Kinder später seltener Allergien bekommen und ob sie generell gesünder sind.

Referenzen:
1.Grote V, Schlosser L, Campoy C, Crehuá-Gaudiza E, Demmelmair H, Ege MJ, et al B. Whole goat milk versus cow milk formula and atopic dermatitis in infants: A randomized clinical trial. Clin Nutr 2026; 63: 106707.
2.Bieber T. Atopic dermatitis. N Engl J Med 2008; 358: 1483–1494.
3.Augustin M, Misery L, von Kobyletzki L, Armario-Hita JC, Mealing S, Redding M. Unveiling the true costs and societal impacts of moderate-to-severe atopic dermatitis in Europe. J Eur Acad Dermatol Venereol 2022; 36 (Suppl 7): 3–16.
4.Zhou SJ, Sullivan T, Gibson RA, Lönnerdal B, Prosser CG, Lowry DJ, Makrides M. Nutritional adequacy of goat milk infant formulas for term infants: a double-blind randomised controlled trial. Br J Nutr 2014; 111: 1641–1651.

Quelle: Pressemitteilung des LMU Klinikums München vom 8.6.2026: Kann die Säuglingsnahrung das Risiko für Neurodermitis beeinflussen?

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