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Fremdkörperaspiration und -ingestion bei Kindern – Leitlinie überarbeitet

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Fremdkörperaspiration und -ingestion bei Kindern – Leitlinie überarbeitet

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3 MIN

Erschienen in: pädiatrische praxis

Die S2k-Leitlinie »Interdisziplinäre Versorgung von Kindern nach Fremdkörperaspiration und Fremdkörperingestion« liegt nun in aktualisierter Form vor. Die Leitlinie wurde unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI) in Kooperation mit acht weiteren Fachgesellschaften vollständig überarbeitet. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisorientierte Empfehlungen wurden integriert, um die Versorgungssicherheit und Behandlungsqualität für betroffene Kinder weiter zu optimieren.

Fremdkörperaspiration beschreibt das Eindringen eines Fremdkörpers, etwa eines Nahrungsmittels oder von Spielzeugteilen, in die Atemwege. Dies kann lebensbedrohliche Atemwegsverlegungen oder auch Langzeitschäden verursachen und erfordert häufig eine schnelle Entfernung des Fremdkörpers.

Fremdkörperingestion hingegen bezieht sich auf das Verschlucken von Gegenständen (z. B. Münzen oder Knopfzellbatterien), die in den Verdauungstrakt gelangen und häufig in der Speiseröhre steckenbleiben und dort ggf. gravierende Schäden verursachen können. Beide Ereignisse sind häufige Gründe für die akute Vorstellung von Kindern in Arztpraxen, im Rettungsdienst oder in Notaufnahmen.

Besonders betroffen sind kleine Kinder.

Besonders betroffen sind kleine Kinder: In den USA waren Ereignisse des »Verschluckens« im Jahr 2020 die häufigste Todesursache durch vermeidbare Unfälle bei Säuglingen. Insgesamt sind rund zwei Drittel der betroffenen Kinder jünger als vier Jahre. Auch in Deutschland zählen solche Vorfälle zu den ernsten Gefahren im Kindesalter.

In Notfallsituationen kann schnell und zielgerichtet gehandelt werden

Mit der Überarbeitung der Leitlinie wird eine strukturierte Grundlage für die organisatorische, diagnostische und therapeutische Versorgung geschaffen, um die Patientensicherheit in diesen Notfallsituationen weiter zu erhöhen.

»Die Leitlinie legt dabei besonderen Wert auf eine reibungslose interdisziplinäre Zusammenarbeit und transparente Prozesse, die es ermöglichen, in kritischen Situationen schnell und zielgerichtet zu handeln«

Prof. Dr. Jost Kaufmann, Leitlinienkoordinator und Mitglied des Wissenschaftlichen Arbeitskreises Kinderanästhesie der DGAI

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse haben sowohl die zeitlichen Abläufe als auch die Inhalte der Empfehlungen maßgeblich beeinflusst. Hervorzuheben sind Fortschritte bei der Versorgung von Kindern nach der Ingestion einer Knopfzellbatterie, wie die Gabe von Honig oder der Einsatz der Video-Ösophagoskopie für deren rasche Bergung aus dem oberen Ösophagus.

Ebenso innovativ ist die klare Empfehlung zur Schnittbildgebung in der Nachsorge, denn mit deren Hilfe können frühzeitig drohende Komplikationen erkannt werden. Aufgrund der elektrisch ausgelösten Verätzung kommt es zum Beispiel regelhaft zu einer ausgeprägten Panösophagitis, welche zur Fistelbildung mit Anschluss an die Trachea oder an Arterien führen kann. Wenn diese Bedrohung erkannt wird, kann eine präventive Operation lebensrettend sein.

Die Leitlinie stellt eine wichtige Grundlage für die Versorgung von Kindern in Notfallsituationen dar und unterstützt Fachkräfte durch klare, praxisnahe Handlungsempfehlungen bei ihrer Arbeit.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e. V. (DGAI). zur Pressemitteilung

Details zur Leitlinie:
»S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI): Interdisziplinäre Versorgung von Kindern nach Fremdkörperaspiration und Fremdkörperingestion«. Zweite, vollständig überarbeitete Neuauflage, veröffentlicht im Dezember 2024. (Erste Auflage: Dezember 2015).
Direkt zur Leitlinie: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/001-031

Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI):  https://www.dgai.de/

Gerner P. Die Fremdkörperingestion im Säuglings- und Kleinkindesalter. pädiat prax 2024; 102 (2): 178–190.
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Bilderquelle: © Mike Auerbach, DGAI e. V.

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