Paediatrie » Allgemeinpädiatrie

»

Neue S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

Neue S3-Leitlinie Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen

News

Paediatrie

Allgemeinpädiatrie

4 MIN

Erschienen in: pädiatrische praxis

Mit der neuen S3-Leitlinie »Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen« gibt es nun erstmals evidenzbasierte und interdisziplinär abgestimmte Handlungsempfehlungen für den Umgang mit Fieber im ambulanten Setting. Die Leitlinie wurde unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. (DGKJ) erstellt, auch eine Elternleitlinie ist verfügbar.

Fieber stellt bei Erkrankungen oft eine sinnvolle Reaktion des Körpers dar. In Deutschland fehlte bisher allerdings eine Leitlinie für den Umgang mit krankheitsbedingtem Fieber im Kindes- und Jugendalter. In der neu erarbeiteten S3-Leitlinie werden klare, differenzierte Empfehlungen für Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen und Gesundheitsberufe für das ambulante Setting geboten. Auch für das häusliche Fiebermanagement werden Informationen bereitgestellt.

»Die neue Leitlinie betont ein grundlegend verändertes Verständnis von Fieber: Es wird nicht als vorrangig behandlungsbedürftiges Symptom betrachtet, sondern als physiologische und in der Regel hilfreiche Abwehrreaktion des Körpers.«

Prof. Dr. Tim Niehues, Leitlinienbeauftragter der DGKJ

Die Handlungsempfehlungen zielen auf ein evidenzbasiertes und sicheres Fiebermanagement ab, verbunden mit einem entsprechend rationalen Einsatz fiebersenkender Arzneimittel und Antibiotika. Die Leitlinie macht deutlich, dass Fieber in der Regel ein Symptom ist, das von selbst wieder abklingt und die Höhe des Fiebers nicht zwangsläufig Rückschlüsse auf die Schwere der Erkrankung zulässt. Daher wird in der Leitlinie etwa auch betont, beim Fiebermanagement den Allgemeinzustand der betroffenen Kinder und Jugendlichen zu berücksichtigen und auf die relevanten und häufigsten Warnzeichen und Symptome in den verschiedenen Altersgruppen zu achten.

Temperaturmessung

Zur Temperaturmessung empfiehlt die Leitlinie, bei Neugeborenen und Säuglingen rektal, bei Kindern ab einem Jahr und Jugendlichen mit Trommelfellthermometer zu messen – alternativ kommt bei Jugendlichen die orale Messung infrage, diese ist jedoch fehleranfällig.

Warnzeichen sollten beachtet werden

»Entscheidend für die Einschätzung eines fiebernden Kindes sind nicht allein Temperaturwerte, sondern vor allem der Allgemeinzustand und spezifische Warnzeichen.«

Prof. Dr. med. David Martin, Koordinator der Leitlinie

Die Leitlinie nennt als Warnzeichen unter anderem Bewusstseinsstörungen, Berührungsempfindlichkeit, starke Schmerzen, schrilles Schreien, Hauteinblutungen, Austrocknung, sehr schnelles Atmen und eine Rekapillarisierungszeit über 3 Sekunden.

Sonderfälle und Ausnahmen

Besondere Vorsicht gilt bei bestimmten Risikoerkrankungen, auch das Alter gilt als Risikofaktor, deshalb gibt es für Frühgeborene, Neugeborene und Säuglinge besondere Empfehlungen. In der Leitlinie heißt es hierzu etwa: »Kinder unter 3 Monaten mit einer (rektalen) Temperatur von ≥38 °C sollen ärztlich sorgfältig hinsichtlich einer schweren bakteriellen Infektion untersucht werden.«

Fiebersenkung nur bei Beschwerden

Die Leitlinie empfiehlt, Fieber nicht aufgrund seiner Höhe zu senken, sondern nur, wenn das Kind erkennbar unter dem Fieber leidet. »Fiebersenkende Medikamente verhindern Fieberkrämpfe nicht«, so die Leitlinie, und sie sollen laut Leitlinie auch nicht prophylaktisch bei Impfungen gegeben werden. Eine Ausnahme stellt die STIKO-Empfehlung zur Meningokokken-B-Impfung dar, auf die die Leitlinie an dieser Stelle verweist.

Fieber an sich keine Indikation für Antibiotikagabe

Die Leitlinie spricht sich für eine rationale und zurückhaltende Antibiotikatherapie aus. »Fieber an sich ist keine Indikation für ein Antibiotikum«, so die Leitlinie.

»Die Mehrheit der fieberhaften Infekte bei Kindern ist viral bedingt; unnötige Antibiotikagaben können Nebenwirkungen, Resistenzbildungen und Schäden des Mikrobioms verursachen.«

Prof. Dr. Tim Niehues, Leitlinienbeauftragter der DGKJ

Häusliches nicht medikamentöses Fiebermanagement

Empfehlungen für das Fiebermanagement durch Eltern und Bezugspersonen umfassen unter anderem ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ungestörten Schlaf, Achten auf das Wohlbefinden bezüglich Umgebungstemperatur, Zuwendung und Ruhe.

Zeit für Rekonvaleszenz geben

Wichtig ist auch, den Kindern und Jugendlichen ausreichend Zeit für die Genesung zu geben. Sie sollen laut Leitlinie mindestens einen Tag fit und fieberfrei sein, bevor sie wieder in den Kindergarten oder die Schule gehen.

Quellen:

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. DGKJ. S3-Leitlinie: Fiebermanagement bei Kindern und Jugendlichen. 1. Auflage 2025. AWMF-Register Nr. 027-074. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-074

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e. V. (DGKJ), Presseinfo, 28.07.2025

Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA), Pressemitteilung, 31.07.2025

Universität Witten/Herdecke, Pressemeldung, 01.08.2025

Bilderquelle: © Jelena Stanojkovic – stock.adobe.com; Symbolbild

Weitere Beiträge zu diesem Thema

In der Kinder-Intensivstation der MHH (von links): Professorin Dr. Helena U. Zacharias (PLRI), Dr. Bernd Auber (MHH-Institut für Humangenetik) und Privatdozent Dr. Thomas Jack (MHH-Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin).

Schnellere genetische Diagnosen für kritisch kranke Kinder

News

Das Projekt AI-LIGHTS soll eine schnellere Diagnostik seltener Erkrankungen und präzisere Therapien für kritisch kranke Kinder und Neugeborene ermöglichen.

Paediatrie

Neonatologie und Intensivmedizin

Neonatologie

Beitrag lesen
Eine Ärztin dokumentiert Informationen über Phenylketonurie (PKU) in einem klinischen Umfeld

AMPLIPHY-Studie: Sepiapterin überlegen gegenüber Sapropterin bei PKU

Pharmaservice

In der AMPLIPHY-Studie wurden Sepiapterin und Sapropterin bei Kindern und Erwachsenen mit PKU (Phenylketonurie) verglichen.

Paediatrie

Endokrinologie und Stoffwechsel

Endokrinologie

Beitrag lesen
Hand eines Frühgeborenen im Inkubator und Hand einer erwachsenen Person

Bronchopulmonale Dysplasie aus der Perspektive der Neonatologie

Fachartikel

Die bronchopulmonale Dysplasie bleibt trotz moderner Neonatologie ein bedeutendes Krankheitsbild bei extrem unreifen Frühgeborenen. Dieser Beitrag beleuchtet aus neonatologischer Sicht die Epidemiologie und Pathophysiologie der „neuen“ BPD sowie aktuelle Präventions- und Therapiekonzepte.

Paediatrie

Neonatologie und Intensivmedizin

Neonatologie

Beitrag lesen