Urologie » Urogenitale Tumoren » Prostatakarzinom

»

PCBM: Präzisions-Onkologie hilft bei Hirnmetastasen

PCBM: Präzisions-Onkologie hilft bei Hirnmetastasen

News

Urologie

Urogenitale Tumoren

Prostatakarzinom

2 MIN

Erschienen in: UroForum

Prostatakrebs ist nach Lungenkrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern. Gefährlich sind metastasierte Stadien. Im Gegensatz zu anderen Krebsarten wie Brust- oder Lungenkrebs sind beim Prostatakrebs gefährliche Metastasen im Gehirn selten. Nur 1,5 % der fortgeschrittenen Fälle sind nach einer Übersichtsstudie aus dem Jahr 2020 als Hirn-metastasierender Prostatakrebs (PCBM) diagnostiziert worden. Die PCBM-Fälle waren deshalb bisher wenig erforscht.

Molekulargenetischer Steckbrief seltener Metastasen

Diese Lücke haben Forschende um Mark A. Rubin von der Universität Bern und Inselspital Bern nun mit der ersten größeren Studie. In ihrer Untersuchung haben sie den molekularbiologischen „Steckbrief“ von PCBM-Zellen erstellt. Diese weisen gehäuft Veränderungen im Reparaturmechanismus auf. „Die Veränderungen gleichen der genetischen Signatur anderer Krebsarten, gegen die wirksame Medikamente verfügbar sind“, sagt Mark A. Rubin, Direktor des Department for BioMedical Research und Präsident des Bern Center for Precision Medicine an der Universität Bern und Inselspital Bern. „Das ist eine positive Nachricht. Denn dadurch steht einer gezielten Behandlung zumindest eines Teils der PCMB-Patienten nichts mehr im Wege.“

3D-Illustration von einer möglichen Hirnmetastase. Für Hirn-metastasierender Prostatakrebs – PCBM – ist jetzt ein Durchbruch der Präzisions-Onkologie gelungen ist.
PCBM: PARP-Inhibitoren könnten bei mindestens 20 % der Prostatakarzinom-Patienten mit Hirnmetastasen helfen. (Bild © SciePro – stock.adobe.com)

PARP-Inhibitoren könnten bei 20 % helfen

In ihrer Studie haben die Forschenden Gewebeproben von 51 PCMB-Patienten untersucht. Bei allen Proben wurden Veränderungen im primären DNA-Reparaturmechanismus entdeckt. In rund 20 % der untersuchten Patienten stellten die Forschenden die genetischen Muster fest, bei denen nach einer im Jahr 2020 veröffentlichten Studie die Verabreichung von PARP-Inhibitoren die Überlebensraten der Betroffenen signifikant steigerten. „Einer von fünf Patienten mit hirnmetastasierendem Prostatakrebs könnte deshalb von einer Therapie mit diesen gezielten Medikamenten profitieren“, sagt Mark A. Rubin.

Ausblick

Zugleich eröffnet die genomische Analyse der Hirn-Metastasen und der Vergleich mit anderen Krebsarten neue Türen für die Grundlagenforschung. „Wenn wir verstehen, wieso beim Prostata-Krebs im Vergleich zu anderen Tumorarten weniger Hirn-Metastasen auftreten, können wir in Zukunft lernen, welche Änderungen in den Zellen diese bösartig machen“, erklärt Mark A. Rubin.

Originalpublikation: Rodriguez-Calero A, et al. Alterations in homologous recombination repair genes in prostate cancer brain metastases. Nat Commun, 3 May 2022, https://www.nature.com/articles/s41467-022-30003-5

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Medizinische Fachperson im OP mit Datenbrille und erhobenen Haenden, Symbolbild fuer 3D-Rekonstruktion und Augmented-Reality-Navigation in der urologischen Chirurgie

3D-Rekonstruktion und Augmented-Reality-Navigation in der urologischen Chirurgie

Fachartikel

3D-Rekonstruktionen und Augmented Reality gewinnen in der urologischen Chirurgie an Bedeutung – besonders bei der roboterassistierten Nierenteilresektion. Interaktive 3D-Modelle unterstützen die präoperative Planung (Gefäßversorgung, Resektionsgrenzen, Tumorlokalisation) und können per AR als Overlay ins Livebild integriert werden. Studien berichten kürzere Ischämiezeiten, weniger Blutverlust und Komplikationen; RCT-Daten werden 2026 erwartet.

Urologie

Operative Urologie

Beitrag lesen
Person im Rollstuhl in einem hellen Innenraum, Symbolbild fuer neurogene Harnblase, Blasenkrebs und besondere Risiken bei Querschnittlaehmung

Neurogene Harnblase und Blasenkrebs: Besondere Risiken bei Querschnittlähmung

Fachartikel

Querschnittgelähmte mit neurogener Blase haben ein deutlich erhöhtes Risiko für Harnblasenkrebs und erkranken im Schnitt rund 20 Jahre früher als die Allgemeinbevölkerung. Häufig sind die Tumoren muskelinvasiv, schlecht differenziert und es treten vermehrt Plattenepithelkarzinome auf; die Mortalität ist erhöht. Ein etabliertes Screening fehlt – empfohlen werden regelmäßige Sonografie und großzügige MRT-Abklärung.

Urologie

Sonstiges

Beitrag lesen
Person im Arztkittel arbeitet mit Taschenrechner neben Laptop und Stethoskop, Symbolbild fuer Rotstift Reform im Gesundheitswesen und gefaehrdete Patientenversorgung

Rotstift-Reform im Gesundheitswesen gefährdet Patientenversorgung

Berufspolitik

Im Umfeld der 147. Hauptversammlung des Marburger Bunds am Wochenende hat der Verband eine Stellungnahme zum Regierungsentwurf für ein GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz veröffentlicht. Der Marburger Bund warnt darin eindringlich vor den Folgen des GKV-Spargesetzes für die Patienten.

Urologie

Berufspolitik

Beitrag lesen