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SpiFa-Fachärztetag deckte Fallstricke der Primärversorgung auf

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte bis zum Sommer ein Primärversorgungsgesetz an. (Quelle: SpiFa-Streaming)

Quelle: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken kündigte bis zum Sommer ein Primärversorgungsgesetz an. (Quelle: SpiFa-Streaming)

SpiFa-Fachärztetag deckte Fallstricke der Primärversorgung auf

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mgo medizin Redaktion

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6 MIN

Erschienen in: UroForum

Der Teufel der Primärversorgung steckt im Detail. Auf dem SpiFa-Fachärztetag wurde am Donnerstag und Freitag deutlich, dass entscheidende Themen wie schnelle Terminvergabe, veränderte EBM-Honorare sowie die Chroniker-Definition für den Direktzugang zum Facharzt ungelöst sind. An den Antworten auf diese Fragen wird die Realisierung der ambulanten Versorgungsreform abhängen. Die Knackpunkte für niedergelassene Urologen stehen fest.

In der Eröffnungsrede sprach Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbands Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V., am Donnerstag alle offenen Fragen an. „In der Primärversorgung werden viele Veränderungen auf Praxen und Patienten zukommen. Die digitale Ersteinschätzung wird eine zentrale Rolle in dieser Primärversorgung einnehmen“, betonte Dr. Heinrich. Parallel werde es die hausärztliche Praxis und die Praxis des Kinderarztes weiter als erste Anlaufstelle in der ambulanten Versorgung geben. Offen ist noch, ob es diesen Erstzugang mit oder ohne Einschreibesystem geben wird. Daneben wird es nach Einschätzung des SpiFa-Vorsitzenden Direktzugänge zur fachärztlichen Versorgung geben – zum Beispiel zu Ophthalmologen und Gynäkologen.

Der direkte Zugang chronisch kranker Patienten bzw. befristet chronisch kranker Patienten zu direkter fachärztlicher Betreuung wird in der Primärversorgung ebenfalls nicht in Frage gestellt. „Die Definition einer chronischen Erkrankung wird allerdings nicht ohne Konflikte zwischen den ärztlichen Disziplinen ablaufen. Wir sind alle im KV-System großgeworden und wissen, wie das ist, wenn es um die Verteilung des KV-Kuchens geht“, unterstrich Dr. Heinrich.

Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbands Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V., reklamierte die Termin-Hoheit der fachärztlichen Praxen. (Quelle: SpiFa-Streaming)
Dr. Dirk Heinrich, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbands Fachärztinnen und Fachärzte Deutschlands e.V., reklamierte die Termin-Hoheit der fachärztlichen Praxen. (Quelle: SpiFa-Streaming)

EBM-Anpassungen und Entbudgetierung

Das zentrale Instrument wird eine elektronische Überweisung mit allen notwendigen medizinischen Fakten und Befunden sein. Schön wäre für den SpiFa-Chef auch eine elektronische Einweisung ins Krankenhaus mit ähnlichem Leistungsspektrum. Ein solches System wird allerdings auch Implikationen für Leistungen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab haben. „Wenn Facharzt-Praxen aufgrund der Primärversorgung 20% weniger Patienten mit leichten Erkrankungen haben, bedeutet das in Fachgruppen mit hohem Pauschalierungsgrad und einer Vergütung auf der Basis dieses alten Case Mix , dass die Kalkulation dieser Pauschalen an diesen neuen Schweregrad der Patienten angepasst werden muss“, stellte Dr. Heinrich klar.

Das stelle Aufgaben an die Selbstverwaltung, die nicht banal seien. Dann mache es natürlich überhaupt keinen Sinn, die fachärztliche Leistungserbringung nach der Steuerung zu begrenzen.

Facharzt-Termine sind das Herz des Konfliktes

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz muss laut Dr. Heinrich bis zu finalen Regelungen bleiben, wie es ist und dürfe vorher nicht beerdigt werden. Genau das werde derzeit diskutiert. „Mit den Terminen beim Facharzt wird es noch schlechter werden, wenn das TSVG vor endbudgetierenden Regulierungen in der Primärversorgung aufgehoben wird. Das kann nun niemand wirklich wollen“, warnte Dr. Heinrich. Das TSVG hat ja Entbudgetierungs-Tatbestände für Terminvermittlung, eine offene Sprechstunde und die Annahme neuer Patienten ausgewiesen; andererseits hat sich die Ärzteschaft bereiterklärt, die Mindestzahl der Sprechstunden von 20 auf 25 pro Woche anzuheben. Diese beiden Seiten seien untrennbar miteinander verbunden. Wer das TSVG einkassieren möchte, müsse auch die Mindestzahl der Sprechstunden wieder auf 20 zurückführen.

„Alles Andere wird von uns als Betrug empfunden. Es ist Betrug.“

Dr. Dirk Heinrich

Wer die Facharztgruppen zu Beginn der Reform vergrätzt, wird es aus der SpiFa-Perspektive sehr schwer haben, eine solche Reform umzusetzen. Der Facharzt-Termin sei bekanntlich der Ausgangspunkt dieser gesamten Diskussion.

Spannungen zwischen Fach- und Hausärzten entstehen auch aus der Steuerungsfähigkeit der Hausärzte. In Nordrhein-Westfalen machen die Hausarzt-vermittelten Fälle laut SpiFa nur 0,8% aller Fälle aus. „Das ist nicht mehr als ein Sturm im Wasserglas. Ich appelliere an alle Hausärztinnen und Hausärzte, die ja selbst ein Primärarztsystem mit Steuerung aller Patienten wollen, die bereits heute vorhandenen Möglichkeiten der Steuerung Hausarzt-vermittelter Fälle zu nutzen und schonmal für die neue Zeit der Primärversorgung zu üben.“ Eine gewisse Ironie ist hörbar.

SpiFa reklamiert Termin-Hoheit für Fachärzte

Im Rahmen der digitalen Ersteinschätzung soll ein Termin vergeben werden. Der SpiFa fordert, dass sich dies auf die wirklich dringlichen Termine beschränken muss. „Der Facharzt hat viele Arten von Terminen, und wir können nicht alle Termine an eine Plattform schicken und erhalten dann fixe Termine in der fachärztlichen Praxis. Das funktioniert so nicht!“, stellte Dr. Heinrich klar. „Finger weg von unseren privaten Praxen. Wir behandeln gerne Kassenpatienten im Rahmen der Vertragsarzt-Verpflichtung, aber wir sind nicht die Leibeigenen von Krankenkassen oder anderen. Mit einer Einheitsversicherung kann man nicht den Privatpatienten abschaffen“, unterstrich Dr. Heinrich. Der Streit gehe im Moment um die Facharzt-Termine.

„Das sind meine Termine. Wer glaubt, dass wir Fachärzte gezwungenermaßen Termine an irgendeine Plattform, auf die anschließend außerhalb der ärztlichen Selbstverwaltung Krankenkassen oder private Anbieter Zugriff haben, einstellen, der ist mit dem Klammerbeutel gepudert.“

Dr. Dirk Heinrich

Dr. Heinrich kündigte an, nicht einen einzigen Termin an eine solche Plattform zu melden. Für Fachärzte sei sonnenklar: „Meine Termine gehören mir und dabei muss es auch bleiben!“ Unter dem Strich ahnt man, dass es noch ein langer Weg bis zum Umbau der ambulanten Versorgung sein wird.

Gesundheitsministerin Warken kündigte Einschnitte beim Facharzt-Zugang an

In einer Keynote am Freitag Morgen lobte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken die Kooperation der Fachärzte in den BMG-Fachdialogen. „Wir werden auch im weiteren Verfahren die Expertise der Fachärzte gebrauchen, um die Entwicklung der Reform erfolgreich zu gestalten“, unterstrich Ministerin Warken. Bis zum Sommer will das Bundesministerium für Gesundheit ein Konzept vorlegen. „Klar ist, dass die Reform spürbare Veränderungen im Zugang zur fachärztlichen Versorgung bringen wird. Wir nennen das Ganze „Primärversorgungssystem“, nicht „Primärarztsystem“, weil wir die Versorgung als eine Team-Leistung ansehen.“ Neben Ärztinnen und Ärzten seien daran auch andere Gesundheitsberufe beteiligt. Die Versorgung müsse auf breitere Schultern gesetzt werden und nicht-ärztliche Fachkräfte einbeziehen. „Ich weiß, auch das erfordert ein Umdenken und man stößt nicht überall auf offene Ohren.“

Im Primärversorgungssystem brauche man die Digitalisierung, um zum Beispiel die Wartezeit auf erforderliche Facharzttermine zu verkürzen. Die digitale Ersteinschätzung, die digitale Terminvermittlung und die digitale Überweisung liegen laut Warken auf dem Tisch. Mit der elektronischen Überweisung werde die Regierung einen der letzten vollständig analogen Prozesse in der Arztpraxis digitalisieren. Auch eine Terminvermittlung solle digital möglich werden. Warken stellte aber klar: „Die digitale Terminvermittlung ist Teil des Sicherstellungsauftrags der ärztlichen Selbstverwaltung.“

Es grüßt Sie

Ihr

Franz-Günter Runkel, Chefreporter UroForum

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