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European Society of Cardiology (ESC): Früh auf Herz und Nieren achten

European Society of Cardiology (ESC): Früh auf Herz und Nieren achten

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Herz und Kreislauf

4 MIN

Erschienen in: Der Allgemeinarzt

Das Zusammenspiel von Diabetes, kardiovaskulären Erkrankungen und Niereninsuffizienz stand im Mittelpunkt einer interdisziplinären Session bei der diesjährigen Jahrestagung der ESC in Madrid.

Das erhöhte kardiovaskuläre Risiko beginnt nicht erst mit der Diagnose eines manifesten Diabetes, sondern wird bereits in der Phase des Prädiabetes sichtbar. Das machte Naveed Sattar (Glasgow, UK) in seinem Vortrag deutlich. „Das Problem ist weniger die leichte Hyperglykämie, sondern die mit ihr verbundenen Risikofaktoren wie Übergewicht, Bluthochdruck und Dyslipidämie“, so Sattar. Wer genetisch und metabolisch auf eine Diabetesentwicklung programmiert sei, habe schon viele Jahre zuvor ein beschleunigtes Risiko für Atherosklerose. „Besonders gefährdet sind junge Menschen, die früh an Diabetes erkranken und laut großen Kohortenstudien bis zu 14 bis 16 Lebensjahre verlieren können.“ Sattar plädierte deshalb für ein entschiedenes Vorgehen bereits im Stadium des Prädiabetes und sprach von der Möglichkeit, in Zukunft auch GLP-1-Rezeptoragonisten gezielt einzusetzen, sobald die Kosten sinken. Bis dahin blieben Lebensstilinterventionen essenziell, wobei die Praxis zeigen müsse, wie Betroffene im Alltag dabei unterstützt werden können.

Lipidmanagement

Im Anschluss verdeutlichte Ulf Landmesser aus Berlin die anhaltend hohe Bedeutung des Lipidmanagements bei Menschen mit Diabetes. „Diabetes verdoppelt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall und erfordert somit besonders strenge LDL-Zielwerte“, betonte Landmesser. Sehr hochriskante Patienten sollten unter 55 mg/dl, hochriskante unter 70 mg/dl liegen. Die jüngste Aktualisierung der ESC-Leitlinien empfiehlt, wenn nötig, auf Kombinationstherapien zurückzugreifen. „Neben Statinen stehen heute PCSK9-Inhibitoren, Ezetimib und Bempedoinsäure zur Verfügung, die sich besonders für Patienten mit Statinintoleranz eignen“, erklärte der Experte. Landmesser hob zudem die Rolle von Lipoprotein(a) als zusätzlichem Risikomarker hervor, dessen Messung auch in der hausärztlichen Versorgung an Bedeutung gewinnt.

Chronische Niereninsuffizienz

Katherine R. Tuttle (Washington, USA) richtete den Blick auf die Nieren und machte deutlich, dass Diabetes weltweit die häufigste Ursache für chronische Niereninsuffizienz sei. „Vier von zehn Patienten mit Typ-2-Diabetes entwickeln im Verlauf eine diabetische Nephropathie, und oft versterben Betroffene an kardiovaskulären Komplikationen, bevor sie das Dialysestadium erreichen“, führte Tuttle eindrucksvoll aus. In den vergangenen Jahren habe sich die Therapie jedoch revolutioniert. SGLT2-Inhibitoren seien mittlerweile unverzichtbarer Bestandteil der Erstlinientherapie, da sie nicht nur die Progression der Nierenerkrankung verlangsamten, sondern auch Herzinsuffizienz und kardiovaskuläre Mortalität reduzierten. Ihre Wirksamkeit sei so überzeugend, dass mehrere Studien vorzeitig wegen deutlicher Überlegenheit abgebrochen werden mussten.

FLOW-Studie und neue Therapieoptionen

Als weitere wichtige Ergänzung stellte Tuttle die nicht-steroidalen Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten wie Finerenon vor, die sowohl Nieren- als auch Herzereignisse reduzieren. Einen Meilenstein markierte die FLOW-Studie, die erstmals zeigte, dass auch GLP-1-Rezeptoragonisten harte Nierenendpunkte positiv beeinflussen. Semaglutid senkte nicht nur das Risiko für Nierenversagen, sondern auch die kardiovaskuläre Mortalität und die Gesamtsterblichkeit, weshalb die Substanz inzwischen für die Kombination aus chronischer Nierenerkrankung und Typ-2-Diabetes zugelassen ist.

Tuttle wies darauf hin, dass eine konsequente Umsetzung dieser Therapien dringend notwendig sei. Sie sprach von den vier Säulen der modernen Versorgung: RAS-Blockade, SGLT2-Inhibitoren, Finerenon und GLP-1-Rezeptoragonisten. Diese sollten frühzeitig kombiniert werden, abhängig von der individuellen Risikokonstellation, und durch eine regelmäßige Kontrolle von GFR, Albuminurie, Blutdruck, Blutzucker und Lipiden gesteuert werden. „Therapeutische Trägheit ist ein großes Problem, da gerade Hochrisikopatienten in der klinischen Realität noch immer zu selten die volle Bandbreite der verfügbaren Medikamente erhalten“, beendete sie ihren Vortrag.

Fazit

Alle Referenten waren sich einig, dass Prävention weit vor der eigentlichen Diabetesdiagnose beginnen muss und dass ein konsequentes Management der klassischen Risikofaktoren genauso wichtig ist wie der rechtzeitige Einsatz moderner Medikamente.

Autorin: Sonja Buske

Quelle: Jahrestagung der European Society of Cardiology (ESC), 
29.08. bis 01.09.2025 in Madrid

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