Das deutsche Gesundheitssystem gerät zunehmend unter Druck – durch Personalmangel, demografischen Wandel, internationale Krisen und Klimafolgen. Die DGIM hat gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Medizin, Wissenschaft, Gesundheitswirtschaft und Selbstverwaltung ein Whitepaper zur Resilienz des Gesundheitssystems erarbeitet.
Der Befund: Strukturelle Überlastung
Die Ausgangslage ist ernst: Mehr als 5.700 Arztsitze sind unbesetzt, in fast jedem vierten Landkreis droht eine hausärztliche Unterversorgung. Die Gesundheitsausgaben liegen seit Jahren über 500 Milliarden Euro jährlich. Prof. Dr. med. Jan Galle, 1. stellvertretender Vorsitzender der DGIM, bringt das Dilemma auf den Punkt: „Wir müssen einen Umgang damit finden, dass zunehmend Krisen zu bewältigen sind. Unser Gesundheitssystem muss darauf vorbereitet sein, sonst wird es auf Dauer seine Handlungsfähigkeit einbüßen.“
Mehr Geld allein ist keine Lösung – das betonen die Autorinnen und Autoren des Whitepapers ausdrücklich.
Drei Handlungsebenen für mehr Resilienz
Das Whitepaper strukturiert die Herausforderungen auf drei miteinander verknüpften Ebenen:
Globale Risiken – Pandemien, Klimafolgen, internationale Krisen
Strukturelle Defizite in der Versorgung – insbesondere im ambulanten, hausärztlichen Bereich
Rahmenbedingungen für Forschung und Innovation – Datennutzung, klinische Studien
Daraus leitet die DGIM konkrete Handlungsfelder ab: eine stärkere Koordination der Versorgung, verlässlich verankerte Krisenvorsorge und bessere Bedingungen für klinische Forschung. Dr. med. Markus Mundhenke unterstreicht den lösungsorientierten Anspruch: „Resilienz kann auf vielen Ebenen entstehen, sowohl durch kleine Maßnahmen als auch große strukturelle Reformen. Mit dem Whitepaper wollen wir einen Anstoß geben – über die Problembeschreibung hinaus hin zu einer Lösungsorientierung.“
Dialog als Voraussetzung
Prof. Dr. med. Georg Ertl, Generalsekretär der DGIM, betont die Bedeutung des Formats: „Das OLM bringt die relevanten Akteure zusammen, die im Alltag häufig getrennt argumentieren und handeln. Nur wenn wir diese Perspektiven verbinden, entstehen Lösungen, die im Versorgungsalltag langfristig tragen.“
Für die Praxis: Die hausärztliche Unterversorgung ist kein abstraktes Zukunftsszenario – sie ist in vielen Regionen bereits Realität. Das DGIM-Whitepaper zeigt, dass strukturelle Resilienz nicht allein von der Politik abhängt, sondern auch vom Zusammenspiel aller Versorgungsakteure. Das vollständige Dokument ist abrufbar unter: DGIM Whitepaper Resilienz
Quelle: DGIM 2026



