Die Medizinische Hochschule Hannover erreichte 2025 neue Rekordwerte: Transplantiert wurden 365 Organe und 229-mal Stammzellen – ein Plus von 10 Prozent. Als europaweit führendes Zentrum für Lungentransplantationen wurden die 3.000. Lunge sowie auch die 4.000. Leber verpflanzt. Auch Lebendspenden und CAR-T-Zell-Therapien nahmen deutlich zu.
Im Januar 2026 spendete Timo seinem 3-jährigen Sohn einen Teil seiner Leber. Für ihn war die Entscheidung selbstverständlich: »Zu wissen, dass ich ihm mit meiner Spende eine echte Zukunft ermöglichen kann, ist das Wichtigste.« Das an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) entwickelte Split-Leber-Verfahren wird für die Leber-Lebendspende genutzt. Dies ist durch die natürliche Teilbarkeit sowie die Regenerationsfähigkeit der Leber möglich.
Im Jahr 2025 entschieden sich 5 Angehörige zu diesem Schritt. »Ohne die Bereitschaft von Angehörigen zur Lebendspende hätten viele Kinder mit schweren Lebererkrankungen heute keine ausreichende Therapieoption.«, betont Prof. Dr. Ulrich Baumann, Leiter der Kindergastroenterologie und -hepatologie in der MHH-Klinik für Pädiatrische Nieren-, Leber- und Stoffwechselerkrankungen und Neuropädiatrie.
365 Transplantationen solider Organe jährlich an der MHH
Im Jahr 2025 führte die MHH insgesamt 365 Transplantationen solider Organe durch – und übertraf damit das Vorjahr erneut um knapp 10 Prozent. Transplantiert wurden 24 Herzen, 110 Lungen, 80 Lebern, 148 Nieren sowie 3 Bauchspeicheldrüsen. Zum Vergleich: 2024 waren es noch 333 Transplantationen – 24 Herzen, 104 Lungen, 76 Lebern, 125 Nieren und 4 Bauchspeicheldrüsen.
Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation stieg die Zahl der postmortal gespendeten Organe von 2.854 im Jahr 2024 auf 3.020 im Jahr 2025. »Hinter diesen Zahlen stehen Hunderte gerettete oder deutlich verbesserte Leben«, so Prof. Dr. Moritz Schmelzle, Leiter des interdisziplinären Transplantationszentrums der MHH und Direktor der MHH-Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Der Erfolg sei das Ergebnis eines engagierten, interdisziplinären und multiprofessionellen Teams – aber basiert vor allem auf der Entscheidung zur Organspende von Spenderinnen und Spendern sowie ihrer Familien.
3.000. Lunge und 4.000. Leber transplantiert
Ein doppelter Meilenstein markiert das Jahr 2025 in der Geschichte der MHH: Es wurden die 3.000. Lunge und die 4.000. Leber transplantiert. Seit dem Jahr 1968 wurden damit insgesamt 16.528 solide Organe an der MHH verpflanzt.
Neben dem allgemeinen Anstieg bei Lungen-, Leber- und Nierentransplantationen verzeichnete das Transplantationszentrum auch mehr Lebendspenden: 40 der 148 transplantierten Nieren und 5 der 80 Lebern stammten von lebenden Spendern. Im Vorjahr waren es noch 34 Nieren- und 8 Leber-Lebendspenden.
Stabil blieben die Transplantationszahlen jüngerer Patientinnen und Patienten: 52 der 365 transplantierten Organe gingen an Kinder und Jugendliche – darunter 2 Herzen, 12 Lungen, 21 Lebern und 17 Nieren. Demgegenüber erhielt diese Altersgruppe 53 von 333 Organen im Vorjahr.
In Europa führend bei Lungentransplantationen
Kinder und Jugendliche erhielten im vergangenen Jahr 12 der 110 transplantierten Lungen. »Mit dieser bemerkenswerten Leistung, insbesondere im Kontext allgemein angespannter personeller Ressourcen, führt die MHH die Liste der größten Lungentransplantationszentren für Kinder und Erwachsene in Deutschland und im Eurotransplant-Verbund an«, so Prof. Dr. Arjang Ruhparwar, Direktor der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie.
Der Eurotransplant-Verbund, dem Deutschland, Österreich, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Ungarn, Kroatien und Slowenien angehören, koordiniert die Vermittlung von Organen zwischen Spenderkrankenhäusern und Transplantationszentren in diesen 8 Ländern.
Stammzellen und CAR-T-Zellen: Mehr Transplantationen, wachsende Hoffnung
Auch im Bereich der Stammzelltransplantationen verzeichnete die MHH 2025 eine positive Entwicklung. 120 Erwachsene erhielten eine allogene Transplantation – also eine Übertragung fremder Stammzellen – und 24 weiteren wurden eigene Stammzellen transplantiert. 2024 lagen die Zahlen bei 104 allogenen und 24 autologen Transplantationen. 2025 wurden außerdem 45 Behandlungen mit CAR-T-Zellen durchgeführt, gegenüber 31 im Vorjahr. Bei dieser Behandlungsmethode werden patienteneigene Abwehrzellen erkrankungsspezifisch verändert.
Auch jüngere Patientinnen und Patienten profitierten: 36 Kinder und Jugendliche erhielten eine Fremdspende von Stammzellen, 2 eine Transplantation mit eigenen Zellen, und 2 erhielten eine CAR-T-Zellen-Therapie – ein leichter Anstieg gegenüber den 29 allogenen und 2 autologen Transplantationen im Vorjahr.
Stammzelltransplantationen finden vorrangig Anwendung bei Blut- und Lymphkrebserkrankungen, werden aber auch bei bestimmten genetischen Bluterkrankungen, Immundefekten und Autoimmunerkrankungen eingesetzt sowie in spezialisierten zelltherapeutischen Verfahren.
Bild: Erfolgreiche Leber-Lebendspende (v. l.): Kinderkrankenpflegerin Carola Friedrich, PD Dr. Imeke Goldschmidt, PD Dr. Philipp Felgendreff, Prof. Dr. Tung Yu Tsui (vorne), Dr. Nicolas Richter, Spender Timo und Prof. Dr. Ulrich Baumann. © Karin Kaiser/MHH.
Quelle: Pressemitteilung Medizinische Hochschule Hannover vom 17.02.2026



