Obwohl die Genese von Hautschmerzen bei atopischer Dermatitis (AD) aufgrund begrenzter systematischer Forschung bislang kaum verstanden ist, berichten Betroffene über Schmerzen, Unbehagen und Empfindlichkeit der Haut, was auf eine mögliche periphere und zentrale Sensibilisierung hindeutet. Im Rahmen einer internationalen Studie wurde nun untersucht, welchen Faktor Hautschmerzen bei der AD darstellen.
Das Studien-Projekt „Scars of Life“ wurde Anfang 2024 ins Leben gerufen, mit dem Ziel, eine große internationale Datenbank mit Patientinnen und Patienten mit AD aufzubauen, um die psychosoziale Belastung durch ihre Krankheit zu bewerten. In der Querschnittsbeobachtungsstudie in 27 Ländern auf 5 Kontinenten zeigte sich, dass von den 21.687 Teilnehmenden deutlich mehr Personen mit AD über Hautschmerzen berichteten als die gesunde Kontrollgruppe (20,2 % vs. 4,4 %, p < 0,001). Dabei waren Frauen signifikant häufiger betroffen als Männer (57,3 % vs. 42,7 %, p < 0,007). Hautschmerz ist mit Beschwerden, einer erhöhten Krankheitslast und einer verminderten Lebensqualität (QoL) assoziiert. Die Hautschmerz-Häufigkeit stieg in der Studie mit dem Schweregrad der AD. Schmerzen waren mit einer größeren Belastung assoziiert, was sich in den Schmerz-Scores widerspiegelte, die bei Personen, die über Schmerzen berichteten, mehr als doppelt so hoch waren wie bei Personen ohne.
Obwohl sich die Gesamtwerte für Pruritus zwischen den Gruppen nicht unterschieden, war bei Patientinnen und Patienten, die über Hautschmerzen berichteten, die Wahrscheinlichkeit, an schwerem Pruritus (Score ≥7) zu leiden, 2,3-mal höher, mit einer Odds Ratio von 2,27. Brennen trat in der Hautschmerz-Gruppe ebenfalls doppelt so häufig auf.
Von Hautschmerz Betroffene berichten von höheren psychischen Belastungswerten sowie häufiger auftretenden Brennen und Stechen. Laut den Autorinnen und Autoren ist AD im Kindesalter ist ein wichtiger Risikofaktor für die spätere Entwicklung von Hautschmerzen. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer frühzeitigen Intervention und einer multidisziplinären Versorgung, um die langfristige Belastung zu verringern. Strategien im Bereich der öffentlichen Gesundheit wie Vorsorgeuntersuchungen und gezielte Unterstützung können die Lebensqualität verbessern und ungedeckte Bedürfnisse in Risikogruppen adressieren.
Fazit
Die Studienergebnisse zeigen, dass Hautschmerz ein bedeutender Faktor im Zusammenhang mit AD ist – insbesondere in mittelschweren bis schweren Fällen – und dass er die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.
Martha-Luise Storre
Originalpublikation: Silverberg JI et al. Atopic dermatitis beyond the skin: Characterizing skin pain in the “Scars of Life” study. JAAD Int. 2025 Oct 14;24:202-204.



