Belastungsinkontinenz betrifft viele Frauen und schränkt die Lebensqualität erheblich ein. Neben etablierten operativen Verfahren bietet die Hydrogel-Injektionstherapie eine minimal-invasive Behandlungsoption. Das biokompatible Gel wird in die Harnröhrenwand injiziert und verbessert den Schließmechanismus. Der Eingriff dauert etwa zehn Minuten und ermöglicht eine rasche Rückkehr in den Alltag. Expertinnen und Experten der Universitätsmedizin Frankfurt betonen die Bedeutung individueller Therapiekonzepte.
Belastungsinkontinenz: Moderne Therapien für mehr Lebensqualität
Die Belastungsinkontinenz ist die häufigste Form der Harninkontinenz bei Frauen. Sie äußert sich durch unfreiwilligen Urinverlust beim Husten, Lachen, Sport oder Treppensteigen gehört für viele Frauen zum Alltag. Ursache ist oftmals eine Schwächung des Beckenbodens, beispielsweise nach Schwangerschaften und Geburten, durch hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren, Übergewicht, altersbedingte Veränderungen oder eine angeborene Bindegewebsschwäche.
„Viele Frauen schränken ihren Alltag über Jahre hinweg ein, bevor sie medizinische Hilfe suchen. Dabei verfügen wir heute über ein breites Spektrum wirksamer Therapien, die individuell auf die Bedürfnisse der Patientinnen abgestimmt werden können”,
Prof. Dr. Sven Becker, Universitätsmedizin Frankfurt
Es sei vor allem wichtig, dass Frauen über die oft sehr gute Behandelbarkeit der Inkontinenz Bescheid wüssten, so Becker.
Hydrogel-Injektion als schonende Option
Die Nutzung sogenannter Bulking-Mittel hat sich als minimal-invasive Alternative zu größeren Operationen etabliert. Dabei wird ein biokompatibles Hydrogel gezielt in die Wand der Harnröhre injiziert, um dort das Gewebevolumen zu vergrößern.
„Durch die Aufpolsterung verbessert sich der Schließmechanismus der Harnröhre und verhilft damit zu einer besseren Harnkontrolle.“
Dr. Anna Kubiak, Universitätsmedizin Frankfurt

© Universitätsklinikum Frankfurt
Das eingesetzte Hydrogel Bulkamid besteht zu 97,5 Prozent aus Wasser und zu 2,5 Prozent aus Polyacrylamid. Das Material ist biokompatibel, nicht resorbierbar und verbleibt am Ort der Injektion. Eingebracht wird es mithilfe eines speziellen Endoskops unter direkter Sichtkontrolle in das Gewebe der oberen Harnröhre.
Der Eingriff dauert im Regelfall etwa zehn Minuten und gilt als komplikationsarm und effektiv. Es sind keine Schnitte notwendig. Somit sei er besonders für Frauen, die möglichst rasch wieder arbeits- und alltagsfähig sein möchten, von Vorteil, so Kubiak.
Individuelle Behandlung statt Standardlösung
Die Behandlung von Inkontinenz sollte immer individuell erfolgen. Neben konservativen Maßnahmen wie Beckenbodentraining, Pessaren und medikamentösen Therapien stehen unterschiedliche operative Verfahren zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem rekonstruktive Eingriffe zur Stabilisierung von Harnröhre und Beckenboden sowie minimal-invasive Injektionstherapien.
Die Universitätsmedizin Frankfurt engagiert sich auch in der ärztlichen Fortbildung. So fand am Schiffer Campus kürzlich ein Workshop für operativ tätige Gynäkologinnen und Gynäkologen statt, bei dem die Anwendung der Hydrogel-Injektionstherapie gelehrt wurde (Abb. 1,2).

Quelle: Pressemitteilung der Universitätsmedizin Frankfurt vom 16.06.2026: Welt-Kontinenz-Woche 2026: Hilfe bei Blasenschwäche



