Das Ovarialkarzinom wird oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert, was die hohe Mortalitätsrate erklärt. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Alter und bei familiärer Vorbelastung. Bisher gibt es kein gesetzliches Früherkennungsprogramm. Die Therapie erfolgt operativ und durch Systemtherapien. ADCs zeigen beim platinresistenten Ovarialkarzinom vielversprechende Ergebnisse. Ein neues STIC-Register soll die Versorgung durch evidenzbasierte Daten verbessern.
Späte Diagnose und hohe Mortalität
Die Inzidenz und Mortalitätsraten des Ovarialkarzinoms sind in Deutschland weitestgehend stabil. Die relativ hohe Mortalitätsrate beruht vor allem darauf, dass die Erkrankung oft erst in fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird. Mehr als die Hälfte der Tumoren werden beim ersten Nachweis bereits in den Stadien FIGO III und FIGO IV festgestellt. Das Ovarialkarzinom gehört, wie viele Krebserkrankungen, zu den Erkrankungen des Alters. Die meisten Tumoren wurden im Jahr 2024 bei Frauen der Altersgruppe von 60 bis 64 Jahren diagnostiziert.
Risikofaktoren und Früherkennung
Das Risiko, an einem Ovarialkarzinom zu erkranken, steigt mit dem Alter. Ein weiterer Risikofaktor ist eine familiäre Vorbelastung – insbesondere, wenn Angehörige an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind. Besteht der Verdacht auf eine genetische Disposition, wird eine genetische Beratung empfohlen. Die häufig sehr späte Diagnose der Erkrankung liegt daran, dass die Tumoren in der Regel erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome wie Schmerzen oder Druckgefühle verursachen. Da die Tumoren zunächst sehr klein und schwer nachweisbar sind, gibt es bisher kein gesetzlich vorgeschriebenes Früherkennungsprogramm. Bisher konnten weder der Nutzen von jährlichen Ultraschalluntersuchungen noch von regelmäßigen Bestimmungen von Tumormarkern im Blut nachgewiesen werden. Als einzige zuverlässige Methode zeigt sich bisher die Tastuntersuchung im Rahmen der jährlichen Krebsvorsorge.
Diagnose und Therapie
Besteht der Verdacht auf ein Ovarialkarzinom, werden in der Regel zunächst bildgebende Verfahren wie ein CT durchgeführt und im nächsten Schritt mehrere Gewebeproben im Rahmen einer Bauchspiegelung entnommen. Die Behandlung erfolgt in der Regel operativ. Zudem erfolgen Systemtherapien, die neben einer Chemotherapie auch zielgerichtete und Immuntherapien umfassen können. Diese Systemtherapien starten zum Teil bereits vor der Operation und werden danach fortgeführt oder es erfolgt zuerst eine Operation, an die sich die Systemtherapie anschließt.
Antikörper-Wirkstoff-Konjugate beim platinresistenten Ovarialkarzinom
Das platinresistente Ovarialkarzinom ist ein klassisches Feld für Behandlungsstrategien mit Antikörper-Wirkstoff-Konjugaten (ADCs), da nach mehreren Linien häufig nur noch begrenzte Optionen mit moderaten Ansprechraten zur Verfügung stehen. Der Folatrezeptor-α (FRα) ist bei einem relevanten Anteil seröser Karzinome überexprimiert und eignet sich somit als Target. In der randomisierten Phase-III-Studie MIRASOL wurde Mirvetuximab-Soravtansin gegenüber Chemotherapie nach Wahl der Ärztin oder des Arztes untersucht. Die Studie zeigte eine objektive Ansprechrate von 42,3 % versus 15,9 %, ein medianes progressionsfreies Überleben (PFS) von 5,62 versus 3,98 Monaten (Hazard Ratio [HR] 0,65) und ein medianes Gesamtüberleben (Overall Survival [OS]) von 16,46 versus 12,75 Monaten (HR 0,67). Diese Größenordnung ist in der platinresistenten Situation klinisch bedeutsam, weil erstmals ein klarer Überlebensvorteil durch ein ADC gegenüber Standard-Chemotherapie belegt wurde.
Für die Therapiesequenz entstehen daraus mehrere praktische Diskussionspunkte:
- Gewinnt die standardisierte Testung der FRα-Expression an Gewicht? Schließlich war der Nutzen in der Studie auf FRα-positive und insbesondere hoch exprimierende Tumoren fokussiert.
- Wie ist die Positionierung im Kontext weiterer Wirkprinzipien? Bei Patientinnen mit BRCA-Mutation oder Defizienz der homologen Rekombination (Homologous Recombination Deficiency, HRD) wird häufig die PARP-Inhibition in früheren Linien eingesetzt. Dennoch tritt in der Rezidivsituation häufig eine platinresistente Phase ein, in der FRα-ADCs eine evidenzbasierte Option darstellen.
- Die Frage nach Kombinationen und früherem Einsatz der ADCs rückt in den Vordergrund, etwa in Verbindung mit antiangiogener Therapie oder Immuntherapie, wobei hier noch robuste randomisierte Daten abzuwarten sind.
STIC-Register zur Verbesserung der Versorgung
Serös tubare intraepitheliale Karzinome (STIC) gelten als potenzielle Vorläuferläsionen des Ovarialkarzinoms sowie weiterer bösartiger Beckentumoren der Frau. Sie befinden sich meist in den Eileitern und werden häufig im Rahmen risikoreduzierender Operationen entdeckt. Aufgrund ihrer Seltenheit – in Deutschland werden jährlich schätzungsweise nur rund 100 STIC-Fälle diagnostiziert – fehlt bislang eine belastbare Datengrundlage zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge. Um diese Versorgungslücke zu schließen, wurde vom Institut für digitale Gesundheitsdaten gemeinsam mit der Universitätsmedizin Mainz ein deutschlandweites STIC-Register aufgebaut. Ziel ist es, evidenzbasierte diagnostische und therapeutische Maßnahmen zu entwickeln, Risikofaktoren zu identifizieren und langfristig die Versorgung der Patientinnen zu verbessern.
Quellen:
1.Pressemitteilung des Instituts für Digitale Gesundheitsdaten RLP vom 05.05.2026: Awarenessmonat Mai für Eierstockkrebs – hohe Mortalitätsrate, Diagnose oft in fortgeschrittenen Stadien
2. Gebauer G, Fink H. Antikörper-Wirkstoff-Konjugate in der gynäkologischen Onkologie. gyne 2026; 47(2): 15–19



