Kardiologie » Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

»

Herzinsuffizienz-Therapie für onkologische Palliativpatient*innen

Medizinische Illustration: Herzinsuffizienz mit Symbolen für Diagnose und Behandlung

Herzinsuffizienz-Therapie für onkologische Palliativpatient*innen

News

Kardiologie

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

2 MIN

Erschienen in: herzmedizin

Die EMPATICC-Studie spricht dafür, dass Krebspatient*innen im Palliativstadium von einer personalisierten Herzinsuffizienz-Therapie profitieren. Die Studie wurde im European Heart Journal publiziert.

Patient*innen mit fortgeschrittenen Krebserkrankungen zeigen häufig Symptome, die an eine Herzinsuffizienz erinnern: Atemnot, Wassereinlagerungen, Schwäche. Inwieweit Funktionsverluste des Herzens mitverantwortlich sind für die eingeschränkte Lebensqualität onkologischer Palliativpatient*innen, ist bislang kaum erforscht. Evidenzbasierte Empfehlungen zum gezielten Einsatz moderner Herzinsuffizienz-Medikamente wie Sacubitril/Valsartan, Empagliflozin und Ivabradin gibt es nicht.

Vor diesem Hintergrund wurde unter Leitung von Prof. Tienush Rassaf, Universitätsklinikum Essen, die EMPATICC-Studie (EMPower the heArt of patients with TermInal Cancer using Cardiac medicines) – eine randomisierte plazebo-kontrollierte, doppelblinde Multizenter-Studie – durchgeführt. Eingeschlossen wurden insgesamt 93 Patient*innen mit fortgeschrittener Krebserkrankung und deutlichen Hinweisen auf eine kardiale Beteiligung. Ziel war es herauszufinden, ob eine individuell angepassten Therapie mit modernen Herzmedikamenten die Lebensqualität in der Palliativsituation verbessern kann. Der primäre kombinierte Endpunkt umfasste die Tage, an denen sich die Patient*innen selbstständig waschen konnten,
die Gehfähigkeit sowie die subjektive Einschätzung des Wohlbefindens.

Nach 30 Tagen war im gesamten Studienkollektiv mit Blick auf diesen kombinierten Endpunkt kein signifikanter Unterschied zwischen Interventions- und Plazebo-Gruppe nachweisbar. Zu diesem Zeitpunkt waren 32 % der Patient*innen bereits verstorben. Bei den Patient*innen, die den kritischen Zeitraum von 30 Tagen überlebten, war dagegen sehr wohl ein Benefit festzustellen: In der Interventionsgruppe ergaben sich deutliche Verbesserungen der kardialen Biomarker (NT-proBNP minus 41%), der linksventrikulären Auswurffraktion (plus 2,9 Prozentpunkte) und der subjektiven Lebensqualität.

Die Autoren der Studie konstatieren, dass eine gezielte Herzinsuffizienz-Therapie das Potenzial besitzt, die Lebensqualität schwerkranker Krebspatient*innen zu verbessern. Sie regten an, Subgruppen zu identifizieren, die besonders profitieren, und – basierend auf einer Risikostratifizierung – eine personalisierte Herzinsuffizienz-Therapie standardmäßig für onkologische Palliativpatient*innen anzubieten.

Anker MS et al. Heart Failure Therapy in Patients with Advanced Cancer Receiving Specialized Palliative Care (EMPATICC trial). Eur Heart J. 2025; ehaf705. doi: 10.1093/eurheartj/ehaf705. Epub ahead of print. PMID: 40884070.

Quelle: Pressemitteilung der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen vom 1. September 2025

Bildquelle: ©MQ-Illustrations – Adobe Stock

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Anatomische Modelle von Gehirn und Herz mit Pfeilen, die die bidirektionale Verbindung im Rahmen der Baroreflex-Aktivierungstherapie symbolisieren

BENEFIT-HF: Größte BAT-Studie bei Herzinsuffizienz gestartet

Pharmaservice

Die neue BENEFIT-HF-Studie untersucht die Barorezeptor-Aktivierungstherapie (BAT) mit Barostim™ erstmals in einer deutlich erweiterten Patientengruppe. Mit 2.500 Teilnehmenden und einer LVEF < 50 % als neuem Einschlusskriterium könnte sich die behandelbare Population verdreifachen.

Kardiologie

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

Beitrag lesen
PD Dr. Christian Riehle, Dr. Natali Froese und Prof. Dr. Johann Bauersachs halten ein Herzmodell – MHH-Forschende zur Rolle von RHOT-Proteinen in Herzmuskelzellen

RHOT-Proteine: Schlüssel zur Energieversorgung des Herzens

News

Forschende der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) haben einen grundlegenden Mechanismus entschlüsselt, der die Energieversorgung von Herzmuskelzellen steuert – und damit neue Hoffnung für die Behandlung von Herzschwäche eröffnet.

Kardiologie

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

Beitrag lesen
Ärztin erklärt einem Patienten anhand zweier anatomischer Herzmodelle die Herzinsuffizienz-Therapie – Symbolbild für medikamentöse Behandlung mit Vericiguat und Finerenon

Herzinsuffizienz: Neue Therapieoptionen mit Vericiguat und Finerenon

Pharmaservice

Zwei Wirkstoffe erweitern die Behandlungsmöglichkeiten bei Herzinsuffizienz – und rücken dabei den ganzheitlichen Blick auf Begleiterkrankungen in den Mittelpunkt. Das war ein zentrales Thema beim diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM).

Kardiologie

Herzmuskelerkrankungen und Herzinsuffizienz

Beitrag lesen