E-Paper

Neurologie und Psychiatrie » Neurointensiv- und Notfallmedizin

»

Delir in der Neurologie: Herausforderungen meistern – von Risikofaktoren bis Therapiemanagement

Delir in der Neurologie: Herausforderungen meistern – von Risikofaktoren bis Therapiemanagement

News

Neurologie und Psychiatrie

Neurointensiv- und Notfallmedizin

2 MIN

Erschienen in: neuro aktuell

Ein Delir ist eine akute, durch fluktuierende Symptome gekennzeichnete Störung der Aufmerksamkeit, des Bewusstseins, der Orientierung oder anderer Funktionen, die durch medizinische Krankheitsfaktoren oder multiple Ätiologie verursacht wird. Die Pathophysiologie konnte bisher noch nicht im Detail detektiert werden, berichtete PD Dr. med. Annerose Mengel, Tübingen. Die Neurotransmitterhypothese geht davon aus, dass es aufgrund eines Neurotransmitterungleichgewichts zu den entsprechenden Symptomen kommt. Die metabolische Dysregulationshypothese hat aufgezeigt, dass oxidativer Stress im Gehirn für die Ausbildung eines Delirs verantwortlich zeichnet. Das Risiko, ein Delir zu entwickeln, ist vor allem bei älteren Patienten hoch. Hinzu kommen Risikofaktoren wie eine kognitive Einschränkung, Polypharmazie, Elektrolytveränderungen oder eine längere Aufenthaltsdauer im Krankenhaus. Ein Delir wird allerdings in 85% der Fälle ohne Screeninginstrument nicht erkannt, stellte Max Zilezinski, Berlin, heraus. Denn es ist nicht das hyperaktive Delir, das überwiegend entwickelt wird. Viel häufiger kommt ein hypoaktives Delir oder Mischformen vor, ergänzte Dr. med. Christiana Franke, Berlin.

Da die Störung u.a. mit einer erhöhten Mortalität, poststationären Heimunterbringung sowie einem hohen pflegerischen Aufwand sowie Kosten verbunden ist, sollte der Prävention mehr Bedeutung beigemessen werden. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf nicht-medikamentösen Maßnahmen, da bis auf eine suffiziente Schmerzbehandlung mit pharmakologischen Interventionen bisher keine guten Effekte erzielt werden konnten, so die Expertin. Das Therapiemanagement von Patienten im Delir stützt sich daher auch vor allem auf die Fortführung der präventiven Maßnahmen wie Reorientierungsmaßnahmen, die Einhaltung des Tag-Nacht-Rhythmus, Benutzung von Hilfsmitteln, eine frühzeitige Mobilisierung, ausreichende Flüssigkeits- und Nahrungszufuhr sowie die Vermeidung von Kathetern oder Zugängen.

Medikamentöse Therapieoptionen werden auf die zugrundeliegenden Beschwerden abgestimmt. So können inhaltliche Denkstörungen beispielsweise mit Haloperidol oder Risperidon behandelt werde. Bei einer psychomotorischen Unruhe können Melperon oder Pipamperon eingesetzt werden und bei Schlafstörungen bzw. einer Tag-Nacht-Umkehr kann man sich schlaffördernde Nebenwirkungen von beispielsweise Mirtazapin zu eigen machen. Benzodiazepine oder Z-Substanzen sollten bei letzteren Patienten hingegen nicht eingesetzt werden, unterstrich Franke.

Leoni Burgraf

Quelle: Wissenschaftliches Symposium “Das Delir in der Neurologie” am 08.11.2023 im Rahmen des 96. Kongresses der Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Berlin

Bildquelle: © olga_demina_stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Ältere Frau im Rollstuhl lächelt in einer Gemeinschaftseinrichtung – Leben mit Friedreich-Ataxie

5-Jahres-Daten: Omaveloxolon bremst Friedreich-Ataxie nachhaltig

Pharmaservice

Ein möglichst früher Therapiebeginn mit Skyclarys™ (Omaveloxolon) kann Betroffene mit Friedreich-Ataxie (FA) langfristig mit einer signifikanten Verlangsamung der Krankheitsprogression unterstützen, bei einem gleichbleibenden Sicherheitsprofil. Diesen Schluss legen aktuelle 5-Jahres-Daten der offenen Verlängerung der MOXIe-Studie nahe.

Neurologie und Psychiatrie

Neuromuskuläre Erkrankungen

Allgemeine Aspekte

Beitrag lesen
Abgebissener Apfelstrunk vor Spiegel, der einen ganzen Apfel zeigt – Symbol für Körperwahrnehmungsstörung bei Magersucht

Mehr Fälle, längere Verläufe: Essstörungen nehmen an Schwere zu

News

Während der COVID-19-Pandemie sind die Fallzahlen deutlich gestiegen und haben sich seither auf einem erhöhten Niveau gehalten. So hat sich die Zahl der Krankenhausbehandlungen wegen Magersucht bei Mädchen und jungen Frauen im Alter von zehn bis 17 Jahren innerhalb von 20 Jahren verdoppelt.

Neurologie und Psychiatrie

Psychische Erkrankungen

Anorexia Nervosa

Beitrag lesen
Eine Frau mit Trisomie 21 und ein Mann lachen gemeinsam im Freien – Down-Syndrom und Alzheimer-Risiko

Menschen mit Down-Syndrom haben ein extrem hohes Alzheimer-Risiko

News

Menschen mit Down-Syndrom (Trisomie 21) haben ein über 90-prozentiges Alzheimer-Risiko. Der Grund liegt in einer genetischen Besonderheit: Das 21. Chromosom ist dreifach vorhanden.

Neurologie und Psychiatrie

Demenz-Erkrankungen

Alzheimer-Demenz

Beitrag lesen