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Deutlich erhöhte Anzahl von Therapie-Studien bei seltenen neuroimmunologischen Erkrankungen

Deutlich erhöhte Anzahl von Therapie-Studien bei seltenen neuroimmunologischen Erkrankungen

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Erschienen in: neuro aktuell

Prof. Christiane Schneider-Gold, Bochum, erläuterte Therapieoptionen für periphere neuroimmunologische Erkrankungen wie z. B. Myasthenia gravis (MG) und die chronisch inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie (CIDP).

Glukokortikosteroide, Azathioprin, Mycophenolat mofetil, Cyclosporin A,Tacrolimus, Methotrexat und Cyclophosphamid, intravenöse Immunglobuline und Plasmaphereseverfahren gehören zu den gemeinsamen Standardtherapien und sind eher „alte Bekannte.“ Als neue Substanzgruppe stehen FcRN-Inhibitoren (Efgartigimod, Rozanolixizumab, Batoclimab und Nipocalimab) auf dem Plan. Bei der Autoimmunerkrankung MG ist die neuromuskuläre Signalübertragung gestört, was sich als Muskelschwäche bemerkbar macht. Zugelassen zur Behandlung ist nur Efgartigimod als FcRN-Inhibitor und konnte in klinischen Studien ein Ansprechen von 67,7% im Vergleich zu Placebo mit nur 29,7% erreichen. Dabei konnte der FcRN-Inhibitor eine Abnahme der Immunglobuline im Serum erzielen, die vergleichbar war mit der einer Plasmapherese. Während der Studie konnte diesen Effekt sowohl die subkutane Gabe als auch die intravenöse von Efgartigimod belegen, erläuterte Schneider-Gold. Untersuchungen dazu laufen derzeit über 3 Jahre (n = 105), um zu beobachten, wie die Substanz auf Dauer wirkt. Neu ist auch Rozanolixizumab, das infundiert wird, im 4-Wochen-Intervall. Der Behandlungsansatz mit den FcRN-Inhibitoren könnte zudem noch bei Myositiden, ITP, Pemphigus und bullösem Pemphigoid greifen. Bei der CIDP haben 61% der Patienten auf subkutanes Efgartigimod angesprochen. Weitere Studien werden dazu folgen. Nipocalimab versucht sich ebenfalls bei der Behandlung der CIDP, wird aber derzeit noch in Studien geprüft.

Erfolge mit CAR-T-Zellen bei „austherapiertem“ systemischem Lupus erythematodes (SLE)

Dr. med. Ingo H. Tarner, Bad Nauheim, stellte klar, dass CAR-T-Zellen zugelassene Therapieoptionen in der Hämatoonkologie seit 2017 sind und dort typischerweise bei B-Zell-Lymphomen, B-ALL und multiplem Myelom angewendet werden. Die Ansprechraten liegen bei über 80%. Es wäre verlockend, CAAR-T-Zellen (chimeric autoantibody receptor), die Autoantigen-spezifische B-Zellen erkennen, auch bei immunvermittelten Erkrankungen wie z. B. dem systemischen Lupus erythematodes (SLE) einzusetzen. Schon präklinische Daten belegen Erfolge mit der CAR-T-Zell-Therapie. So konnte man im Mausmodell zeigen, dass das Überleben der Lupus-erkrankten Mäuse damit deutlich verlängert wurde, die Nierenbeteiligung gemessen an der Proteinurie rückläufig war und auch die Inflammation in der Niere zurück ging. Ebenso besserten sich die Hautsymptome.

Diese Anwendung der CAAR-T-Zell vermittelten Lyse funktionierte ebenso im Pemphigus vulgaris Tier-Modell, die Auto-Antikörper-Spiegel sanken und es kam zu deutlich weniger Blasenbildung. Analog ließ sich das auf die Anwendung des Therapieprinzips bei der rheumatoiden Arthritis übertragen. In Erlangen wurde in einem sehr schweren Fall bei einer jungen Frau mit therapierefraktärem SLE, die bereits alle zur Verfügung stehenden Medikamente erhalten hatte, CAR-T-Zellen angewendet und das brachte ihr die Wende: Die Car-T-Zell-Therapie belohnte sie mit 2,5 Jahren symptomfreier Rezidivfreiheit.

Inzwischen wurden auf diese Weise 7 SLE-Patienten erfolgreich behandelt, berichtete Tarner. Ebenso wurde eine Myositis mit CAR-T-Zellen gebessert. Da es sehr unterschiedliche Halbwertszeiten der so transferierten bzw. einmal infundierten CAR-T-Zellen gibt, werde es Aufgabe der Zukunft sein, ob der Therapieerfolg anhaltend sein wird oder ob man damit bei diesen Erkrankungen doch nur eine Induktionsbehandlung macht. „Ist das so etwas wie ein immunologisches Reset und bleibt das? Oder rezidiviert es, wann rezidiviert es, das wissen wir eben leider noch nicht. Wir wissen aus der Stammzelltransplantation, wo das Konzept ja gewisserweise ähnlich ist, nur nicht antigen-spezifisch arbeitet, dass durchaus lange Remissionen erzielt worden sind, aber es eben doch zu Rezidiven kommen kann. Und dann stellt sich die Frage, wie wird man dann vorgehen? Kann man eine solche Therapie wiederholen und wie häufig kann man sie wiederholen, das sind noch offene Fragen“, meinte Tarner. In der Onkologie lägen die Kosten für eine Behandlung mit CAR-T-Zellen bei ca. 45.000 EUR.

Dr. med. Nana Mosler, Leipzig

Bilderquelle: © AIGen – stock.adobe.com

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