Die Keuchhustenimpfung während der Schwangerschaft überträgt nicht nur Antikörper ins kindliche Blut, sondern auch auf die Nasenschleimhaut – genau dort, wo Bordetella pertussis in den Körper eindringt. Dies zeigt eine aktuelle internationale Studie unter Beteiligung von Forschenden der Charité Berlin, der Universität Radboud sowie der MRC Unit The Gambia der London School of Hygiene and Tropical Medicine.
Starker Anstieg bei Keuchhustenfällen
Deutschland verzeichnete 2024 einen Höchststand an gemeldeten Keuchhustenfällen seit Einführung der Meldepflicht im Jahr 2013. Besonders betroffen waren Säuglinge im ersten Lebensjahr, für die die Infektion lebensbedrohlich werden kann. Expertinnen und Experten rechnen auch 2025 mit ähnlich hohen Fallzahlen.
Kritische Schutzlücke in den ersten Lebensmonaten
Neugeborene in Deutschland frühestens ab dem zweiten Lebensmonat ihre erste Pertussis-Impfung erhalten. Notwendig sind drei Impfdosen, ab der zweiten Impfung mit etwa vier Monaten haben Säuglinge den ersten eigenen Schutz. Die Phase bis dahin lässt sich durch maternale Immunisierung überbrücken. Schwangeren in Deutschland wird daher empfohlen, sich gegen Keuchhusten impfen zu lassen.
Ein Forschungsteam um Prof. Beate Kampmann, Direktorin des Instituts für Internationale Gesundheit an der Charité und Wissenschaftliche Leiterin des Charité Centers Global Health, konnte nun erstmals nachweisen, dass die von der Mutter übertragenen Antikörper nicht nur systemisch im Blut, sondern auch lokal auf der Nasenschleimhaut der Neugeborenen vorhanden sind – genau an der Eintrittspforte des Erregers.
Studienergebnisse
Im Rahmen der Studie erhielten 343 schwangere Frauen entweder eine Keuchhusten- oder eine Tetanusimpfung. Bei jenen, die gegen Keuchhusten geimpft wurden, konnten Forschende mütterliche Antikörper sowohl im Blut als auch auf der Nasenschleimhaut der Säuglinge nachweisen.
Die Forschenden der Medical Research Council Unit The Gambia der London School of Hygiene and Tropical Medicine analysierten zudem Blut und Nasensekrete von rund 160 Neugeborenen vor und nach deren routinemäßiger Keuchhustenimpfung. Dabei zeigte sich: Säuglinge, die einen Ganzzell-Keuchhustenimpfstoff bekommen hatten, entwickelten im Schnitt eine stärkere Immunantwort als diejenigen, die einen azellulären Impfstoff erhalten hatten.
„Ein Ganzzellimpfstoff enthält das vollständige, aber inaktivierte Keuchhustenbakterium, während ein azellulärer Impfstoff nur wenige gereinigte Bestandteile des Bakteriums beinhaltet. Azelluläre Impfstoffe verursachen in der Regel weniger Nebenwirkungen, bieten aber meist einen kürzer anhaltenden Schutz. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch der Keuchhusten-Ganzzellimpfstoff länger schützt.“, erklärt Prof. Dr. Beate Kampmann. In Europa wird seit 2005 der azelluläre Impfstoff verwendet, während die meisten Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen weiterhin den Ganzzellimpfstoff einsetzen.
„Entscheidend aber bleibt die Impfung von Schwangeren mit dem azellulärem Impfstoff, unabhängig davon welcher Impfstofftyp danach den Kindern gegeben wird. Beide Arten können Keuchhusten bei Neugeborenen in mehr als 90 Prozent aller Fälle verhindern.”
Prof. Dr. Beate Kampmann, Direktorin des Instituts für Internationale Gesundheit, Wissenschaftliche Leiterin des Charité Center Global Health, Charité – Universitätsmedizin Berlin
Impfquote in Deutschland zu niedrig
Weltweit sterben jährlich 200.000 bis 300.000 Menschen an Keuchhusten, überwiegend Kleinkinder in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen, in denen gute Impfstoffe nicht immer zur Verfügung stehen. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) seit 2020 die Keuchhustenimpfung für Schwangere zu Beginn des letzten Drittels der Schwangerschaft. Dennoch liegt die Impfquote hierzulande bei nur etwa 50 Prozent. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Impfung in der Schwangerschaft Säuglinge in ihrer anfälligsten Lebensphase doppelt schützt. Angesichts steigender Fallzahlen ein starkes Argument, das Impfangebot zu nutzen“, so Beate Kampmann.
Quelle: Charité – Universitätsmedizin Berlin, Pressemitteilung vom 08.01.2025
Originalpublikation:
Saso A, Fröberg J, Jobe H, Eleveld M, Okoye M, Kanteh E, et al.; GaPs Study Team. Mucosal immune responses to Bordetella pertussis in Gambian infants after maternal and primary vaccination: an immunological substudy of a single-centre, randomised, controlled, double-blind, phase 4 trial. Lancet Microbe 2026 Aug 21: 101219. doi: 10.1016/j.lanmic.2025.101219. Epub ahead of print.
https://www.thelancet.com/journals/lanmic/article/PIIS2666-5247(25)00147-8/fulltext
Weitere Informationen:
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