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S3-Leitlinie zu depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen aktualisiert

Depressives Mädchen sitzt zu Hause in einem Sessel

Quelle: © New Africa – stock.adobe.com

S3-Leitlinie zu depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen aktualisiert

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: pädiatrische praxis

Die aktualisierte S3-Leitlinie „Behandlung von depressiven Störungen bei Kindern und Jugendlichen” bietet Fachpersonen aus dem Gesundheitsbereich nun eine umfassend überarbeitete, evidenzbasierte Behandlungsgrundlage. Die Veröffentlichung im AWMF-Leitlinienregister erfolgte im März 2026. Zu den zentralen Neuerungen zählen erstmals altersdifferenzierte Empfehlungen für drei Altersgruppen (ab 3 Jahren), die größere Bedeutung ergänzender Maßnahmen sowie der stärkere Einbezug der Kinder und Eltern in Therapieentscheidungen. Die Leitlinie wurde im Auftrag der DGKJP federführend von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am LMU Klinikum München unter Leitung von Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne überarbeitet.

Hintergrund

Depressive Störungen zählen global zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Sie können bereits im frühen Kindesalter auftreten, im Jugendalter steigt die Prävalenz auf rund 8 %. Die COVID-19-Pandemie führte zu einem deutlichen Anstieg depressiver Symptome auf bis zu 24 % in Deutschland, bedingt durch soziale Isolation und Zukunftsängste. Obwohl die Werte nach Ende der Pandemie rückläufig sind, bleibt die psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen auf erhöhtem Niveau.
Depressive Erkrankungen verlaufen häufig in Phasen mit einer Dauer von mehreren Wochen bis Monaten und beeinträchtigen die psychosoziale Entwicklung erheblich, insbesondere in Schule und Ausbildung. Zudem steigt das Risiko für weitere psychische und körperliche Erkrankungen.

Zentrale Neuerungen der Leitlinie im Überblick

Altersdifferenzierte Empfehlungen

Eine wesentliche Neuerung stellt die Unterteilung in drei Altersgruppen dar: 3–6 Jahre, 7–12 Jahre und 13–18 Jahre. Diese Differenzierung ermöglicht dem Entwicklungsstand entsprechende, altersangemessene Behandlungsstrategien. Bei jüngeren Altersgruppen spielen nun etwa familienbasierte Verfahren eine wichtigere Rolle.

Auch weiterhin gilt: Psychotherapie vor medikamentöser Therapie

Über alle Altersgruppen und Schweregrade hinweg wird der psychotherapeutischen Behandlung weiterhin Vorrang eingeräumt. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als Methode der ersten Wahl. Bei der Pharmakotherapie mittelschwerer und schwerer depressiver Störungen wurde das therapeutische Spektrum erweitert: Neben Fluoxetin werden nun auch Sertralin und Escitalopram als Pharmakotherapien der ersten Wahl empfohlen.

Behandlungsangebot nach Diagnosestellung

„Eine wichtige neue Empfehlung ist, dass unabhängig vom Schweregrad der Depression nach der fachärztlichen Diagnosestellung eine Behandlung immer erfolgen soll.“

Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am LMU Klinikum München

Kindern und Jugendlichen mit depressiven Störungen soll laut der neuen Leitlinienempfehlung direkt nach Diagnosestellung eine Behandlung angeboten werden. Die Leitlinie streicht diese Änderung hervor, denn in der Erstfassung der Leitlinie waren im Gegensatz dazu „aktiv abwartende Maßnahmen (Unterstützung, Beratung oder Psychoedukation) bei einer leichten Depression“ empfohlen worden.

Partizipative Entscheidungsfindung

Die Leitlinie empfiehlt die Einbindung der jungen Patientinnen und Patienten sowie ihrer Sorgeberechtigten in Behandlungsentscheidungen. Dies umfasst eine entwicklungsgerechte Kommunikation sowie die Berücksichtigung individueller Bedürfnisse. Therapieentscheidungen erfolgen dadurch gemeinsam mit den Behandelnden und berücksichtigen sowohl wissenschaftliche Evidenz als auch individuelle Präferenzen, Ressourcen und Erwartungen.

„Vor allem die frühzeitige Beteiligung der Kinder und Jugendlichen mit einer Depression an den Therapieentscheidungen auf der Basis einer alters- und entwicklungsangemessenen Aufklärung und Partizipation ist eine wichtige Neuerung in der Leitlinie“,

Prof. Dr. Gerd Schulte-Körne, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie am LMU Klinikum München

Ergänzende Maßnahmen und Therapien

Erstmals werden ergänzende Maßnahmen wie Sport und Bewegung, künstlerische Therapien sowie begleitende Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe mit expliziten Empfehlungen versehen. Dies unterstreicht die Bedeutung interdisziplinärer Kooperation zwischen behandelnden Ärztinnen und Ärzten, Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten sowie anderen Berufsgruppen wie etwa Ergo-, Kunst- und Bewegungstherapie.

Wissenschaftliche Grundlage

„Es war beeindruckend, wie viele neue Studien zur Behandlung der Depression im Kindes- und Jugendalter in den letzten Jahren veröffentlicht wurden, die Eingang in die neuen Empfehlungen gefunden haben“, so Prof. Schulte-Körne. Die Leitlinie stützt sich auf aktuelle wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit verschiedener Behandlungsansätze und zielt darauf ab, Krankheitsdauer und Rezidivrisiken zu minimieren sowie unerwünschte Neben- und Folgewirkungen gering zu halten.

Begleitende Patienteninformation

Parallel zur Leitlinienaktualisierung wurden die Inhalte des Webportals „ich bin alles” (www.ich-bin-alles.de) überarbeitet. Das von der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des LMU Klinikums gemeinsam mit der Beisheim Stiftung entwickelte Portal bietet Informationen über Depression für Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte in zielgruppengerechter Aufbereitung.

Weitere Informationen:
Infoportal „ich bin alles“
Infoportal „ich bin alles @Schule“ für Lehrkräfte

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