Trampolinspringen ist eine bei Kindern und Erwachsenen beliebte Freizeitbeschäftigung – die Verletzungsgefahr kann jedoch erheblich sein. Lesen Sie unser Rätsel zu diesem Thema und testen Sie Ihr Wissen!
Trampolinspringen ist eine überaus beliebte Freizeitaktivität, Minitrampoline und XXL-Versionen sind weit verbreitet. Vom Frühjahr bis in den Herbst hinein sind vielfach auch Gartentrampoline in Verwendung. Trampolinverletzungen nehmen mit dem Start der wärmeren Saison zu, spielen aber durch den Indoor-Bereich auch im Herbst und Winter eine Rolle [1].
Mit der steigenden Beliebtheit der Trampoline mehren sich jedoch auch Berichte und Studien über trampolinbedingte Verletzungen. Aktuelle Studien zeigen, dass die Benützung zu schweren Verletzungen führen kann und die Gefahren trotz Warnungen durch Fachinstitutionen von Kindern und Eltern leicht unterschätzt werden. Am stärksten betroffen sind Kinder unter 16 Jahren, wobei Kinder unter 6 Jahren besonders gefährdet sind aufgrund des nicht abgeschlossenen Knochenwachstums und der nicht voll entwickelten motorischen Fähigkeiten [1]. Kinderärztinnen und Kinderärzten kommt in der präventiven Beratung daher eine sehr wichtige Rolle zu.
In einer Studie von Teague et al. (2024) wurden 13.256 Verletzungen, die in Trampolinparks erlitten worden waren, ausgewertet. Insgesamt wurde eine Verletzungsrate von 1,14 pro 1.000 Sprungstunden verzeichnet, 11 % der Verletzungen waren schwer [2]. Eine weitere Studie analysierte die Daten von 229 Personen (Alter 1–68 Jahre), die aufgrund einer Trampolin-bezogenen Knieverletzung behandelt wurden. Kinder erlitten ihre Verletzungen eher zu Hause und Erwachsene eher in Trampolinparks. Bei Kindern wurde als häufigste Verletzung ein Bruch diagnostiziert (31 %), gefolgt von Muskelzerrung (25 %), Weichteilverletzungen wie Prellungen (21 %), und Patellaluxation (14 %) [3]. Erwachsene hatten signifikant höhere Risiken für Band- und Meniskusrisse und benötigten öfter operative Interventionen [3]. In einer multivariaten Analyse war unter anderem weibliches Geschlecht mit einer Hospitalisierung assoziiert, das heißt, Mädchen waren eher von Krankenhauseinweisungen betroffen [4]. Verletzungen in den Trampolinzentren waren schwerer als bei Heimtrampolinen, und es waren häufiger chirurgische Eingriffe nötig [5].
Verletzungen können reduziert werden, wenn weder Erwachsene noch mehrere Kinder gleichzeitig das Trampolin nutzen. Denn durch den Gewichtsunterschied kommt es zu einem Energietransfer auf die kleineren Kinder und dieser lässt die Kinder unkontrolliert durch die Luft fliegen (Katapulteffekt). Auch Saltos sollten vermieden werden. Bei ungünstigem Aufprall können Wirbelsäulenverletzungen und Knochenbrüche die Folge sein [1]. Ein spezifisches Verletzungsmuster ist zudem die sog. »Trampolinfraktur«, eine Stauchungsfraktur des Tibiaplateaus [6]. Wenn das Sprungtuch die schwerere Person nach oben befördert, während sich das leichtere Kind in der Abwärtsbewegung befindet, so schlägt das Sprungtuch beim Auftreffen des Kindes so stark gegen dessen Füße, dass es zu dieser Stauchung kommen kann [6].
Aus Sicherheitsgründen sollten Kinder nie unbeaufsichtigt springen, denn Schutzmaßnahmen alleine können schwere Verletzungen nicht verhindern. In einer Untersuchung von Berger et al. wurden 268 Unfälle von Kindern erfasst, 28 % davon waren schwere Verletzungen (Fraktur/Luxation/Ruptur). Die Ergebnisse zeigten, dass die Sicherheitsausstattung keinen Einfluss auf die Schwere der Verletzungen hatte und obwohl 2/3 mit Schutzausstattung ausgerüstet waren, schwere Verletzungen vorkamen [7].
Frage: Welche der untengenannten Aussagen zu trampolinbedingten Verletzungen ist richtig?
A) Jugendliche über 12 Jahren haben ein höheres Risiko, beim Trampolinspringen eine typische proximale Tibiafraktur zu erleiden, die sog. »Trampolinfraktur«.
B) Bei Kleinkindern kann es, besonders beim gemeinsamen Springen mit schwereren Personen, zu einer schmerzhaften Einstauchung der proximalen Tibiametaphyse kommen, die auf dem Röntgenbild mit einer großen Wulstung der Knochenoberfläche leicht zu erkennen ist, die sog. »Trampolinfraktur«.
C) Beim gemeinsamen Springen mit einer schwereren Person kann es zusätzlich zu der Stauchung auch zu einer Hyperextension des Beines im Kniegelenk kommen, wenn das Kind beim Aufprall auf das Sprungtuch zur Mitte gewandt ist. Die Stauchung fällt dadurch in den dorsalen Abschnitten des Tibiakopfes stärker aus als ventral, dies führt zu einer Abkippung des Tibiaplateaus nach dorsal.
D) Häufigster Unfallmechanismus bei Wirbelsäulenverletzungen und Knochenbrüchen kleiner Kinder auf dem Trampolin ist das gemeinsame Springen mit anderen Kindern oder auch Erwachsenen.
E) Häufigste Unfallursache bei Wirbelsäulenverletzungen und Knochenbrüchen kleiner Kinder auf dem Trampolin ist das Fehlen von Sicherheitsnetzen.
Auflösung
Die richtige Antwort ist: D) Häufigster Unfallmechanismus bei Wirbelsäulenverletzungen und Knochenbrüchen kleiner Kinder auf dem Trampolin ist das gemeinsame Springen mit anderen Kindern oder auch Erwachsenen.
Studien zeigten bereits in den 1980er-Jahren, dass Kinder unter 6 Jahren beim Trampolinspringen ein höheres Risiko für die sog. »Trampolin-Fraktur«, eine typische proximale Tibia-Fraktur, haben [1, 8]. Bei Kleinkindern kann es, besonders beim gemeinsamen Springen mit einer schwereren Person, zu einer schmerzhaften Einstauchung der proximalen Tibiametaphyse kommen, die sich trotz allem auf dem Röntgenbild auf eine diskrete Wulstung der Knochenoberfläche beschränkt [6]. Im Röntgen sind Trampolinverletzungen öfters nicht sichtbar, aber mit MRT-Diagnostik/MRT-Bildgebung [9]. Ist das Kind beim Aufprall zur Mitte des Sprungtuches gewandt, kann es außerdem zu einer Hyperextension des Beines im Kniegelenk kommen. Die Stauchung fällt dadurch in den ventralen Abschnitten des Tibiakopfes stärker aus als weiter dorsal, dies führt zu einer Abkippung des Tibiaplateaus nach ventral [6]. Kinder unter 6 Jahren sind aufgrund des nicht abgeschlossenen Knochenwachstums und der nicht voll entwickelten motorischen Fähigkeiten für trampolinbedingte Verletzungen besonders gefährdet [1]. Deshalb sollten Kinder unter 6 Jahren nicht Trampolin springen. Bei Wirbelsäulenverletzungen und Knochenbrüchen ist das gemeinsame Springen mit anderen Kindern oder auch Erwachsenen der häufigste Unfallmechanismus [1]. Etwa 1/3 der Fälle sind schwere Knochenbrüche und Verletzungen der Wirbelsäule [10]. In der KiGGS-Welle 1 (2009–2012) wurde bei 1- bis 2-Jährigen in ca. 3 % und bei 3- bis 6-Jährigen in ca. 4 % in der Kategorie Sportausrüstung/Freizeitgerät die Beteiligung von Trampolinen bei Unfällen genannt, das entsprach fast der Hälfte aller Nennungen in dieser Kategorie [11]. Nach der Einführung von Netzen sind Verletzungen durch Trampoline über Sprünge auf den Boden zurückgegangen, deshalb sollte nie ohne Netze gesprungen werden. Eine Beaufsichtigung durch Erwachsene ist essenziell, um die Einhaltung von Regeln zu überwachen!
(kt, as)
Literatur:
[1] Ellsäßer G, Degenhardt P. Trampolinspringen – eine unterschätzte Gesundheitsgefahr? Epidemiologische Aspekte untersetzt mit klinischen Fällen von Trampolinunfällen im Kindes- und Jugendalter. pädiat prax 2020; 93 (3): 539–549. auf med-search lesen ➔
[2] Teague WJ, Dipnall JF, Palmer CS, Beck B. Trampoline Park Injury Trends. Pediatrics 2024; 153(1): e2023061659.
[3] Husen M, Engrav SK, Saul D, Stuart MJ, Milbrandt TA, Levy BA, et al. Differences in Trampoline-Related Knee Injuries Between Children and Adults: A Cross-Sectional Study. Orthop J Sports Med 2023; 11 (11): 23259671231209666.
[4] Hussein MH, Toreih AA, Attia AS, Alrowaili M, Fawzy MS, Tatum D, et al. Trampoline injuries in children and adolescents: A jumping threat. Pediat Emerg Care 2022; 38: e894–e899.
[5] Nunez C, Eslick GD, Elliott EJ. Trampoline centre injuries in children and adolescents: a systematic review and meta-analysis. Inj Prev 2022; 28(5): 440–445.
[6] Born M. Die Trampolinfraktur des Kleinkindes. Impression der proximalen Tibia durch Stauchung und Hyperextension im Kniegelenk. pädiat prax 2019; 91 (4): 505–710. auf med-search lesen ➔
[7] Berger N, Bader B, Bühren V. [Safety measures for trampolines cannot prevent severe injuries]. Unfallchirurg 2014; 117: 915–920.
[8] Wootton M, Harris D. Trampoline injuries presenting to a children‘s emergency department. Emerg Med J 2009; 26: 728–731.
[9] Hauth E, Jaeger H, Luckey P, Beer M. MR imaging for detection of trampoline injuries in children. BMC Pediatr 2017; 17(1): 27.
[10] Dieckwisch J. Besonderheiten in der Kinderchirurgie im Vergleich zur Erwachsenenchirurgie. chirurg prax 2023; 90 (4): 584–596. auf med-search lesen ➔
[11] Unfälle in Deutschland – Woran verletzen sich Kinder und Jugendliche? – Zahlen und Trends aus der Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Robert Koch-Institut, 2/2015, 7. Jahrgang.



