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Psychosoziale Belastungen bei jungen Familien nehmen zu

Psychosoziale Belastungen bei jungen Familien nehmen zu

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Erschienen in: pädiatrische praxis

Psychosoziale Belastungen bei jungen Familien steigen kontinuierlich an – dies zeigt das »ZuFa(Zusammen für Familien)-Monitoring Geburtsklinik 2024«. In diesem Monitoring hat das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) in Kooperation mit dem Deutschen Krankenhausinstitut e. V. (DKI) bundesweit alle Geburtskliniken mit mehr als 300 Geburten pro Jahr befragt. Im ZuFa-Monitoring wurden 256 Geburtskliniken erfasst (Rücklauf 48 %). Das Personal wurde zu Wahrnehmung von familialen Belastungslagen befragt, ein weiterer Aspekt widmete sich der Etablierung von Lotsendiensten.

Psychosoziale Belastungen gestiegen

Zentrale Ergebnisse der Studie zeigen: Bei 15 % der Familien sah das Klinikpersonal die gesunde Entwicklung des Kindes wegen der Belastungen als gefährdet an – beim ersten ZuFa-Monitoring im Jahr 2017 waren es noch 8 %. In 76 % der befragten Kliniken berichtete das Klinikpersonal von einem gestiegenen Anteil psychosozial belasteter Familien in den letzten Jahren. Einen deutlichen Anstieg gab es bei »Verständigungsschwierigkeiten« von 17 % (2018) auf 25 % (2024). Bei »Anzeichen für psychische Erkrankungen der Eltern« zeigte sich ein Zuwachs von 8 % (2017) auf 11 % (2024).

Mehr Lotsendienste in Geburtskliniken

Der Anteil der Geburtskliniken mit einem Lotsendienst ist von 29 % (2017) auf 67 % (2024) gestiegen. Die Vermittlung belasteter Familien in Angebote hat sich aus Sicht des Klinikpersonals durch die Einrichtung des Lotsendienstes bei 80 % der Geburtskliniken (sehr) verbessert. Die Zufriedenheit der Mitarbeitenden und der werdenden Eltern hat sich laut Monitoring durch die Einrichtung des Lotsendienstes ebenfalls (sehr) verbessert.

»Angesichts der Zunahme psychosozial belasteter Familien werden Lotsendienste in Geburtskliniken als wirksames Versorgungselement immer wichtiger: Sie entlasten das Klinikpersonal und helfen Familien in schwierigen Situationen. Die Lotsinnen und Lotsen sind wichtige Anlaufstellen der Frühen Hilfen – sie vermitteln die Familien in passende Angebote vor Ort. Das gibt den Fachkräften Sicherheit und sorgt dafür, dass Familien gut begleitet starten können. Das NZFH unterstützt die Zusammenarbeit von Geburtskliniken und Netzwerken Frühe Hilfen mit Qualitätskriterien, die Orientierung bei der Einrichtung und Weiterentwicklung von Lotsendiensten bieten.«

Mechthild Paul, stellvertretende kommissarische Leiterin des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit

Nationales Zentrum Frühe Hilfen

Träger des Nationalen Zentrums Frühe Hilfen (NZFH) ist das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) in Kooperation mit dem Deutschen Jugendinstitut e. V. (DJI). Das NZFH wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ). Es unterstützt seit 2007 die Fachpraxis dabei, familiäre Belastungen und Ressourcen frühzeitig zu erkennen, qualitätsgesicherte bedarfsgerechte Angebote bereitzustellen und die Vernetzung der unterschiedlichen Berufsgruppen zu fördern.

Quelle: Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). www.bioeg.de. (Pressemitteilung, 2.9.2025)

Weitere Informationen:
ZuFa-Monitoring Geburtsklinik 2024: www.fruehehilfen.de/zufa-geburtsklinik-2024-ergebnisse
Nationales Zentrum Frühe Hilfen (NZFH):  www.fruehehilfen.de

Weiterlesen zum Thema Frühe Hilfen in der pädiatrischen praxis:
Brücken bauen: Wenn Familien an ihre Belastungsgrenzen kommen. Erfolgreiche Kooperation zwischen Medizin und Frühen Hilfen am Beispiel von Netzwerk Familie

Bilderquelle: © kieferpix – stock.adobe.com; Symbolbild

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