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Finanzen, Pflege und Künstliche Intelligenz prägten den Hauptstadtkongress 2026

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken besuchte den Hauptstadtkongress und warb für ihre GKV-Reform. Kompromissbereitschaft ließ sie nicht erkennen. © KreativMedia Eventfotografie

Quelle: Bundesgesundheitsministerin Nina Warken besuchte den Hauptstadtkongress und warb für ihre GKV-Reform. Kompromissbereitschaft ließ sie nicht erkennen. © KreativMedia Eventfotografie

Finanzen, Pflege und Künstliche Intelligenz prägten den Hauptstadtkongress 2026

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mgo medizin Redaktion

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Erschienen in: UroForum

Gut 4.000 Teilnehmende, 80 Panels und 400 Referentinnen und Referenten machten den Hauptstadtkongress auch 2026 wieder zum zentralen Konferenzort für Gesundheitspolitik und Management. Die Finanzierung der Reformen, Künstliche Intelligenz und der Innovationsstandort Deutschland waren zentrale Themen des Kongresses, der am Donnerstag in Berlin zu Ende gegangen ist.

Diskussionsstoff gab es reichlich: Während das Thema Finanzierung viele Debatten prägte, wurde ebenso intensiv über die Krankenhausversorgung der Zukunft, Ambulantisierung, Pflege und Personal diskutiert. Weitere Schwerpunkte waren Prävention, Digitalisierung, KI und der Innovationsstandort Deutschland. Ein verbindendes Element zog sich durch alle Sessions: Niemand wollte nur den Status quo beklagen, es ging stets darum, wie konkrete Lösungen aussehen können.

Zum Auftakt des HSK warb Kongresspräsident Prof. Karl Max Einhäupl dafür, die anstehenden Probleme trotz massiver Widerstände gemeinsam zu lösen. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verteidigte in ihrer Keynote den Kurs, die GKV-Finanzen zu stabilisieren, und trat dem Vorwurf entgegen, strukturelle Reformen würden zurückgestellt. Diese würden parallel angepackt, doch zuerst müsse man die Finanzen „in Ordnung bringen“. Zugleich warb sie dafür, die Debatte „sachlich zu führen und davon Abstand zu nehmen, Ängste zu schüren“. Vom diesjährigen Gastland Niederlande könne Deutschland einiges lernen, erklärte Warken: Dort gelinge es, „die Ressourcen im Gesundheitssystem effektiver einzusetzen“. Die niederländische Gesundheitsministerin Sophie Hermans stellte die Widerstandsfähigkeit der Gesundheitssysteme in den Mittelpunkt – Resilienz beginne bei der Geburt – und warb für europäische Kooperation statt Wettbewerb, wie etwa die gemeinsame Produktion von Impfstoffen und Arzneimitteln oder eine gemeinsame Dateninfrastruktur für die Krisenreaktion in Echtzeit.

GKV-Finanzen: „Hier löscht man Feuer mit Benzin“

Hitzig diskutiert wurde in der HSK-Arena beim Thema „Konsolidierung der GKV-Finanzen – Vorschläge der Reformkommission im kritischen Diskurs“. Das Finanzdefizit der gesetzlichen Krankenkassen wird nächstes Jahr auf rund 19 Milliarden Euro wachsen. Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, prognostizierte, das Gesetz werde scheitern: „Hier löscht man Feuer mit Benzin“, weil die Einnahmenseite ignoriert werde. Prof. Henriette Neumeyer, Vorstand der Deutschen Krankenhausgesellschaft, sagte zur Lage der Kliniken: „Das Wasser steht uns nicht mehr bis zum Hals, es steht an der Nase und den Augen.“ Andreas Storm, DAK-Gesundheit, betonte, die Finanzierungslücke sei eine zu große Überforderung, deshalb laufe die Diskussion „aus dem Ruder“. Er forderte, den Bundeszuschuss nicht um zwei Milliarden zu kürzen und die kostendeckenden Ausgaben für Bürgergeldempfänger „in den Griff zu bekommen“.

Krankenhausumbau: Geordneter Prozess oder getrieben?

In der Pro-und-Contra-Session „Erfolgreicher Umbau der Versorgungslandschaft?“ plädierte Dr. Gerald Gaß, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krankenhausgesellschaft, für die aktive Gestaltung einer Verschlankung: Deutschland habe zu viele Krankenhäuser und könne auf einige Hundert Standorte verzichten – aber nur in einem geordneten Prozess über zehn Jahre und bei gesicherter Versorgung im ländlichen Raum. Als Beispiel nannte er Nordrhein-Westfalen und warb für eine „konzertierte Aktion“ von Politik, Ländern und Krankenhäusern. Prof. Christian Karagiannidis, Krankenhaus Köln-Merheim, zeigte sich skeptischer: Für 2027 rechne er mit rund drei Prozent Mindererlösen, die einen Großteil der frei-gemeinnützigen und kommunalen Träger in die roten Zahlen brächten. Er sehe wenig Raum für aktive Gestaltung, die Krankenhäuser würden eher die Getriebenen sein und man werde bald über Rettungsschirme sprechen müssen. Es brauche jetzt Geschwindigkeit, eine Einigung bei der Vergütung und ein „Durchdigitalisieren“ des Systems.

Wie immer unterhaltsam und mit klaren Worten fiel der Auftritt von Prof. Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, aus. Seine Diagnose: Deutschland habe nach den USA die höchsten Pro-Kopf-Ausgaben bei Gesundheit, aber nur mittlere Ergebnisse – es gebe ein Ausgaben-, kein Einnahmeproblem. Über Strukturen werde seit Ulla Schmidt zu wenig gesprochen, in Zeiten guter Einnahmen sei vieles „verkleistert“ worden: „Keiner hat gesagt, wie lange wir die Kuh noch melken können.“ Trotz höchster Krankenhaus- und Arztdichte gebe es lange Wartezeiten, weil zu viele Menschen ärztlich behandelt würden, die es nicht müssten; er warb für Primärversorgungszentren, in denen 80 bis 85 % der Patienten abschließend behandelt werden könnten. Das Spargesetz hält Hecken für „nicht vertretbar“, solange der Bund die von ihm vergrößerte Finanzierungslücke nicht fülle. Zur Prävention plädierte er für eine Zweckbindung höherer Tabak-, Alkohol- und Zuckersteuern zugunsten des Gesundheitssystems. Die Reform Diskussion geht weiter.

Quelle: WISO GmbH, Hauptstadtkongress 2026

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