Eine „Flucht nach vorn“ empfiehlt die 22. Ausgabe des „Krankenhaus Rating Report“ den deutschen Krankenhäusern. Das Benchmark-Werk der deutschen Krankenhaus-Versorgung wurde am Donnerstag auf dem Hauptstadtkongress in Berlin vorgestellt. Wohin führt der Weg?
Der Report wurde gemeinsam vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung und der Institute for Healthcare Business GmbH (hcb) in Kooperation mit der Bank im Bistum Essen (BIB), der Ecclesia und der Solidaris Revisions-GmbH erstellt. In der Gegenwart kommt der Report zu positiven Aussagen. „Das deutsche Gesundheitswesen trotzt der gesamtwirtschaftlichen Flaute. Im Jahr 2024 erreicht es ein Umsatzvolumen von 538 Milliarden Euro. Erstmals sind zudem über eine Million Vollzeitkräfte in den Krankenhäusern tätig.“
Nach dem Zwischenhoch folgen dann allerdings wieder kritische Jahre, wenn der Bund nicht stark in die Krankenhäuser investiert und zum Beispiel auch Bauvorschriften für den Krankenhaus-Neubau dereguliert. Auch jetzt bleiben die wirtschaftliche Lage der Krankenkassen und Krankenhäuser sowie die Kommunalfinanzen äußerst angespannt. „Nach einer zu erwartenden Erholung in den Jahren 2025 und 2026“, so der Report weiter, „stehen die Krankenhäuser mit den ab 2027 geplanten Erlöskürzungen des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes vor einer enormen Herausforderung.“

© Franz-Günter Runkel
Bis zum Jahr 2030 dürften rund 70 % der Kliniken Jahresverluste verzeichnen, es sei denn, es gelingt ihnen, ihre Betriebskosten zu senken, schreiben die Autoren. Bürokratie und zunehmende Regulierung würden dies jedoch in vielen Fällen verhindern. „Wenn die Betriebskosten nicht ausreichend sinken, sind Standortschließungen in großem Ausmaß unausweichlich. In diesem Fall muss die Politik Leitplanken setzen, um mögliche Versorgungsengpässe zu vermeiden“, mahnt der Rating-Report eindringlich.
„Die wirtschaftliche Lage der Krankenhäuser dürfte sich aktuell verbessert haben“, sagt RWI-Gesundheitsexperte Prof. Boris Augurzky. „Aber mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz stehen im nächsten Jahr erhebliche Erlöseinbußen der Krankenhäuser an (…) Bis zum Jahr 2030 rechnen wir bei rund 70 % der Kliniken mit einem Jahresverlust. Dem müssen die Häuser mit einer entsprechenden Reduktion ihrer Betriebskosten begegnen können. Dazu benötigen sie mehr Gestaltungsfreiheit. Alternativ geschieht dies dadurch, dass Standorte mit hohen Betriebskosten schließen“, so Augurzky. „Die Politik muss dabei Leitplanken setzen, um Versorgungsengpässe für die Bevölkerung zu vermeiden“, ergänzt Dr. Adam Pilny, Gesundheitsökonom der hcb.
Der deutsche Gesundheitsmarkt wuchs 2024 auf ein Volumen von 538 Milliarden Euro, was einem Anteil von 12,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entspricht. Für 2025 wird sogar ein Anstieg auf rund 580 Milliarden Euro (13,0 Prozent des BIP) erwartet, so der Rating-Report. Die wirtschaftliche Lage der Kliniken sei 2024 sehr angespannt gewesen. Die Hälfte der Krankenhäuser schrieb einen Jahresverlust (2020: 28 Prozent). Das durchschnittliche Jahresergebnis lag bei minus 0,6 % der Erlöse und es gab deutlich mehr Insolvenzen im Zeitraum von 2023 bis 2025 als in früheren Jahren.
In den Jahren 2025 und 2026 rechnen Augurzky & Co. mit einer Verbesserung der Lage.Die Insolvenzwahrscheinlichkeit der Krankenhäuser stieg 2024 auf hohe 2,2 %. 22 % der Kliniken befanden sich im roten Bereich mit erhöhter Insolvenzgefahr, 30 % im gelben und nur 48 %. In diesem Jahr erwarten die Experten eine geringere Insolvenzwahrscheinlichkeit von 1,7 %.
Die Zahl der stationären Fälle ist im Jahr 2024 mit 2,0 Prozent erneut stark gestiegen. Hinzu kamen erstmals eine größere Zahl an Hybrid-DRG. Im Jahr 2025 war fast nur noch im Bereich der Hybrid-DRG ein Zuwachs zu verzeichnen, während die stationäre Fallzahl nahezu unverändert blieb. Datengrundlage des Reports ist eine Stichprobe von 430 Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2024 sowie eine Sonderauswertung von 125 geprüften Jahresabschlüssen aus dem Jahr 2025. Sie umfassen zusammen 864 Krankenhäuser.
Quellen: RWI, hcb



