Onkologie » Hämatoonkologie » Leukämien und MDS

»

AML: Neue ELN22-Risikostratifizierung verbessert prognostische Unterscheidung

AML: Neue ELN22-Risikostratifizierung verbessert prognostische Unterscheidung

News

Onkologie

Hämatoonkologie

Leukämien und MDS

3 MIN

Erschienen in: onkologie heute

Die neue Version der Empfehlungen des European LeukemiaNet (ELN) für die Diagnose und Behandlung der akuten myeloischen Leukämie (AML) bei Erwachsenen aus dem Jahr 2022 (ELN22) enthält eine aktualisierte genetische Risikoklassifikation, Ansprechkriterien und Behandlungsempfehlungen. Erstmals wurde auch die Möglichkeit der Bestimmung minimaler Resterkrankung in den Ansprechkriterien aufgenommen und auf die klinische Relevanz hingewiesen.

Die wichtigsten Änderungen der überarbeiteten ELN-Empfehlungen sind 1. bZIP in-frame CEBPA-Mutationen werden als günstiges Risiko eingestuft (ELN22fav), unabhängig vom Status der monoallelen/biallelen Mutation; 2. FLT3-ITD-Mutationen gelten als mittleres Risiko (ELN22int), unabhängig vom Allelverhältnis oder NPM1-Status; und 3. Veränderungen in Genen, die mit einer Myelodysplasie zusammenhängen, werden als AML mit ungünstigem Risiko klassifiziert (ELN22adv).
Um den prognostischen Wert der ELN22-Empfehlungen in einer großen Kohorte zu validieren und mit der ELN-Klassifikation von 2017 zu vergleichen, untersuchten Bill et al. 1.570 erwachsene Patient:innen (mittleres Alter 55,5 Jahre, 47,3 % Frauen) mit neu diagnostizierter AML, die nach den Protokollen der Study Alliance Leukemia (SAL) intensiv behandelt worden waren. Das ELN22-Risiko war bei 36,6 %, 26,1 % bzw. 37,3 % der Patient:innen günstig, mittel und ungünstig.

Die Raten kompletter Remissionen (CR) bei den ELN22fav-, ELN22int– und ELN22adv-Risikogruppen betrugen 87,3 %, 76,6 % und 49,2 %, verglichen mit 86,4 %, 70,5 % und 53,2 % nach der ELN17-Klassifizierung. Die Einteilung nach den neuen ELN22-Risikokategorien führte zu einem signifikant unterschiedlichen ereignisfreien (EFS), redizivfreien (RFS) und Gesamtüberleben (OS). Das gilt auch für das 5-Jahres-OS für Patient:innen, das in den ELN22fav-, ELN22int– und ELN22adv-Risikokategorien 53 %, 32 % bzw. 13 % betrug, während es nach Klassifizierung der ELN17 bei 49 %, 30 % bzw. 16 % lag. Diese Unterschiede sprechen für eine genauere Differenzierung von Patient:innen mit günstigem und ungünstigem Risiko in der neuen ELN22-Klassifikation. Innerhalb der ELN22adv-Risikogruppe beobachteten die Autor:innen deutliche Überlebensunterschiede zwischen den Mutationsgruppen, wobei TP53-mutierte Patient:innen die schlechteste Prognose aufwiesen (5-Jahres-OS 3,3 %). Innerhalb der MR-Genmutationen war bei EHZ2, STAG2 und ZRSR2 ein intermediäres 5-Jahres-OS von ca. 30 % zu beobachten, während dies bei U2AF1 mit 4,6 % deutlich schlechter war.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die neue ELN22-Risikostratifizierung die prognostische Unterscheidung in einer großen Kohorte intensiv behandelter AML-Patient:innen verbessert. Angesichts der heterogenen Ergebnisse beim Vorliegen von MR-Genmutationen befürworten die Autor:innen eine Neubewertung der Risikozuweisung bei diesen Patient:innen.

Dr. Katrina Recker

Quelle: Bill M et al. Validation of the revised 2022 European LeukemiaNET (ELN) risk stratification in adult patients with acute myeloid leukemia. Oral presentation (S138), EHA 2023

Bilderquelle: ©Елена Бутусова – stock.adobe.com

Weitere Beiträge zu diesem Thema

Mikroskopische Aufnahme von Zellen des multiplen Myeloms, dargestellt in einer Färbung zur Identifikation von Zellstrukturen.

Neue Daten zu Ciltacabtagen Autoleucel aus der CARTITUDE-4-Studie

Kongressberichte

In der Wartezeit vor Gabe von Ciltacabtagen Autoleucel sollte laut einer spezifizierten Analyse der CARTITUDE-4-Daten beim Lenalidomid-refraktären multiplen Myelom eine Brückentherapie erfolgen, um die Ergebnisse der CAR-T-Zelltherapie zu optimieren.

Onkologie

Hämatoonkologie

Multiples Myelom

Beitrag lesen
hautausschlag mit roetungen an der schulter als symbolbild fuer das vexa-syndrom

VEXAS-Syndrom und Krebs: Nur die Spitze des Eisbergs?

Fachartikel

Chronische Entzündungen spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Krebs und tragen Schätzungen zufolge zu bis zu einem Viertel aller bösartigen Tumoren bei.

Onkologie

Hämatologie

Beitrag lesen
grafische darstellung von lungen mit mehreren farbig markierten tumorherden bei lungenkrebs

Stoffwechsel-Molekül Itaconat eröffnet neue Wege gegen Lungenkrebs

News

Gießener Forschende zeigen, dass das Molekül Itaconat Immunzellen umprogrammieren, Tumorzellen direkt angreifen und Lungenkrebswachstum stoppen kann und bremst so das Wachstum von Lungenkrebs in Mausmodellen und menschlichem Gewebe.

Onkologie

Lungenkarzinom

Beitrag lesen