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Biofaktoren im Fokus

Illustration eines Schutzschilds mit dem Buchstaben D und orbitalen Elementen als Symbol fuer Vitamin D und Biofaktoren

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Biofaktoren im Fokus

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mgo medizin Redaktion

Verlag

9 MIN

Erschienen in: derma aktuell

Neurodermitis, Urtikaria und Kontaktallergien sind komplex. Neben Genetik und Umwelt kann auch ein Mangel an Biofaktoren den Verlauf und die Schwere beeinflussen.

Atopische Dermatitis und klassische allergische Hauterkrankungen wie Urtikaria oder allergische Kontaktdermatitis stellen in der dermatologischen Praxis häufige und komplexe Herausforderungen dar. Neben genetischen und Umweltfaktoren beeinflusst auch ein Mangel essenzieller Biofaktoren – Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente – den Verlauf und die Schwere der Erkrankungen.

Bei atopischer Dermatitis und klassischen allergischen Hauterkrankungen kann eine gezielte Versorgung mit essenziellen Biofaktoren die Hautbarriere stärken, entzündliche Prozesse modulieren und das Mikrobiom von Haut und Darm stabilisieren. Diese Mechanismen tragen dazu bei, die Schwere der Hautsymptome zu reduzieren, Exazerbationen abzumildern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Für Dermatologen bedeutet dies, dass die Bewertung und Optimierung des Biofaktorenstatus ein wichtiger Bestandteil der präventiven und therapeutischen Strategien bei den genannten Hauterkrankungen sein kann (1,2).

Bei atopischer Dermatitis Vitamin-D-Mangel vermeiden (3,4,5,6) Vitamin D ist ein lipidlösliches Prohormon mit weitreichenden gesundheitlichen Effekten über den klassischen Calcium- und Knochenstoffwechsel hinaus. Es beeinflusst das angeborene und adaptive Immunsystem, moduliert die Differenzierung von Keratinozyten und fördert die Expression antimikrobieller Peptide wie Cathelicidin und β-Defensine, die essenziell für die epidermale Barriere und die Abwehr gegen Mikroorganismen sind. Diese immunmodulatorischen und barrierestärkenden Mechanismen machen Vitamin D zu einem Biofaktor von Interesse in der Dermatologie. 

Bei der atopischen Dermatitis zeigen zahlreiche epidemiologische und klinische Daten, dass Hautpatienten im Vergleich zu gesunden Kontrollprobanden häufig unter einem Vitamin-D-Mangel leiden, und dass dieser mit einer erhöhten Krankheitsaktivität und Barrieredysfunktion korrelieren kann. Klinische Studien und Meta-Analysen deuten darauf hin, dass sich eine gezielte Vitamin-D-Supplementierung zum Ausgleich eines Mangels positiv auf die Symptomatik und Schwere der atopischen Dermatitis auswirken kann.

Potenziale von Vitamin D bei allergischen Hauterkrankungen (7,8,9,10)

Die Datenlage bei klassischen allergischen Hauterkrankungen wie Urtikaria und allergischer Kontaktdermatitis ist weniger eindeutig, aber zunehmend Gegenstand der Forschung. Beobachtungsstudien deuten darauf hin, dass Patienten mit chronischer Urtikaria tendenziell niedrigere Serum-Vitamin-D-Spiegel aufweisen im Vergleich zu Kontrollpersonen, und einige Interventionsstudien zeigen, dass eine Vitamin-D-Supplementierung die Urtikaria-Symptomatik verbessern kann. Für die allergische Kontaktdermatitis existieren bislang nur experimentelle und mechanistische Studien, jedoch keine belastbaren klinischen Studien, die therapeutische Rolle von Vitamin D eindeutig belegen.

Praxisleitfaden: Vitamin-D-Mangel nachweisen und ausgleichen

Empfehlung für die Praxis: Der Vitamin-D-Status sollte bei Patienten mit atopischer Dermatitis, insbesondere bei geringer Sonnenexposition, saisonalen Schwankungen oder klinisch relevanten Mangelzuständen gemessen werden. Eine gezielte Supplementierung kann die epidermale Barriere stärken, entzündliche Prozesse modulieren und potenziell die Krankheitsaktivität reduzieren. Bei klassischen allergischen Hauterkrankungen ist eine Supplementierung sinnvoll, wenn ein dokumentierter Mangel vorliegt; der therapeutische Stellenwert ist hier noch nicht eindeutig belegt.

Diagnostik und Supplementierung (11,12):

  • Serum-Calcidiol (25(OH)D) messen, Zielwert: 30-50 ng/ml (75-125 nmol/l)
  • besonders bei Risikogruppen: dunkle Haut, Adipositas, Malabsorption
  • orale Tagesdosis: Erhaltungsdosis: 800-2.000 IE akute Korrektur bei Mangel: bis zu 6.000 IE täglich für 4-12 Wochen, anschließend Erhaltungsdosis
  • Kontrolle: Serum-25(OH)D nach 6-12 Wochen

Und noch ein Tipp: Eine ausreichende Magnesiumversorgung unterstützt die Wirksamkeit von Vitamin D und senkt zugleich das Risiko eines Vitamin-D-Mangels. Magnesium wirkt synergistisch, moduliert zudem entzündliche Prozesse und kann dadurch die Hautreaktivität stabilisieren. Eine tägliche orale Supplementierung von etwa 300 mg hat sich in der Praxis bewährt (13,14,15).

Die Rolle von Vitamin C in der Dermatologie (16,17,18)

Die Haut weist im Vergleich zu anderen Geweben hohe Konzentrationen an Vitamin C auf – typischerweise 20 bis 30 µg pro Gramm Hautgewebe. Vitamin C ist ein essenzieller Cofaktor für die Synthese von Kollagen und Elastin, wirkt antioxidativ und moduliert Signalwege der Zellproliferation und -differenzierung. Dadurch trägt es maßgeblich zur strukturellen Integrität und Funktionsfähigkeit von Epidermis und Dermis bei.

Bei Patienten mit atopischer Dermatitis werden häufig niedrige Vitamin-C-Spiegel im Serum und in der Haut beobachtet, die mit einer geschwächten Barrierefunktion und einem ausgeprägten Entzündungsprofil einhergehen. Mechanistische Studien zeigen, dass der Biofaktor die Ceramid-Produktion in Keratinozyten fördert, wodurch die epidermale Barriere gestärkt wird. Durch seine antioxidativen Eigenschaften kann Vitamin C zudem oxidative Stressprozesse reduzieren, die bei chronisch entzündlichen Hauterkrankungen eine Rolle spielen. Klinische Beobachtungen legen nahe, dass niedrigere Vitamin-C- und Ceramid-Spiegel mit einem höheren Schweregrad der Hautsymptome und einer erhöhten Reaktivität gegenüber Triggern verbunden sind.

Vitamin C bei allergisch bedingten Hauterkrankungen (19,20)

Für klassische allergische Hauterkrankungen wie Urtikaria oder allergische Kontaktdermatitis gibt es bislang keine belastbaren Daten, die einen systemischen Vitamin-C-Mangel als ursächlich bestätigen. Mechanistische und experimentelle Studien zeigen jedoch, dass Vitamin C mit seinen antioxidativen und immunmodulierenden Eigenschaften die Hautbarriere stärken, oxidative Stressprozesse modulieren und Entzündungsreaktionen abschwächen kann. 

Und auch wenn größere klinische Studien noch fehlen, spricht die biologische Plausibilität dafür, einen bestehenden Mangel gezielt zu korrigieren – sowohl zur Stabilisierung der Hautbarriere als auch als unterstützende Maßnahme bei allergisch-entzündlichen Prozessen. Zukünftige Forschung wird das therapeutische Potenzial von Vitamin C in diesem Bereich weiter präzisieren.

Wie viel Vitamin C pro Tag (21,22)?

Die oralen Tagesdosen zum Ausgleich eines Vitamin-C-Mangels bewegen sich laut Datenlage zwischen 200 und 1.000 mg Vitamin C. Sehr hohe orale Einzeldosen sind allerdings nicht sinnvoll, da die Bioverfügbarkeit bei Einzeldosen von 1.000 mg nur noch bei rund 50 % liegt. Bei oraler Verabreichung erreicht der Anteil des resorbierten Vitamins mit steigender Vitamin-C-Dosis eine Sättigung. Durch eine intravenöse Verabreichung können hingegen schneller höhere Plasmakonzentrationen erreicht werden.

Auf ein gesundes Mikrobiom achten (23)

Das Mikrobiom der Haut und des Darmes spielt eine entscheidende Rolle bei immunologisch bedingten Hauterkrankungen, so auch bei atopischer Dermatitis und allergischen Hauterkrankungen. Beide Mikrobiome modulieren das Immunsystem und können eine übermäßige oder fehlregulierte Immunantwort abschwächen, die die Entstehung und Verschlimmerung der Erkrankung begünstigt.

Bei der atopischen Dermatitis zeigt sich eine charakteristische Dysbiose der Haut, besonders während akuter Schübe. Die bakterielle Diversität ist reduziert, pathogene Stämme wie Staphylococcus aureus dominieren, während schützende Keime wie Staphylococcus epidermidis vermindert sind. Diese Veränderungen korrelieren mit einer erhöhten Entzündungsaktivität und Barrierestörungen (24). Studien belegen sogar, dass bei Kindern mit atopischer Dermatitis pathogene Hautkeime bereits vor der klinischen Manifestation nachweisbar sind (25).

Auch allergische Hauterkrankungen sind mit Veränderungen des Haut- und Darmmikrobioms verbunden. Bei Urtikaria und allergischer Kontaktdermatitis kann eine gestörte mikrobielle Diversität die Immunantwort fehlregulieren, was die Reaktivität der Haut gegenüber Allergenen erhöht. Über die Darm-Haut-Achse können Dysbiosen im Darm systemische Entzündungsprozesse fördern und allergische Hautreaktionen verschlimmern (26). Ein Leaky-Gut-Syndrom kann zusätzlich die Aufnahme unvollständig verdauter Nahrungsbestandteile und Toxine ins Blut erleichtern, die allergische Reaktionen auf der Haut auslösen oder verstärken.

Biofaktorenstatus für ein intaktes Mikrobiom (27,28,29)

Mikroben nutzen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente für ihr Wachstum und ihre biologische Funktion. Eine gute Versorgung mit den hier erwähnten Vitaminen C und D, aber auch Zink, kann die Zusammensetzung und Funktion des Mikrobioms beeinflussen und so die bakterielle Diversität erhöhen. Durch seine immunmodulierende Wirkung trägt Vitamin D zur Diversität des Mikrobioms bei und kann insbesondere das Wachstum gesunder Bakterienarten wie Firmicutes und Bacteroidetes fördern. Außerdem wirkt Vitamin D entzündungshemmend und stimuliert die Bildung antimikrobieller Peptide, was ebenfalls das Mikrobiom stabilisiert. Vitamin C trägt durch seine antioxidativen und ebenfalls entzündungshemmenden Effekte dazu bei, den oxidativen Stress im Darm zu verringern und das Wachstum nützlicher Bakterien – vor allem Lactobacillus und Bifidobacterium – zu fördern. Auch der Biofaktor Zink kann das Wachstum physiologischer Darmbakterien unterstützen, die Bildung pathogener Mikroben hemmen und die Darmschleimhaut stärken. Studien konnten zudem zeigen, dass mit Zink – und Eisen – angereicherte Lebensmittel die Anzahl gesunder Bakterien wie Lactobacillus und Ruminococcus erhöhen und schädliche Bakterien wie Streptococcus, Escherichia und Enterobacter verringern konnten (30).

Fazit für die Praxis

Eine optimale Versorgung mit essenziellen Biofaktoren kann die Hautgesundheit auf mehreren Ebenen fördern: direkt durch Stärkung der Barriere und Modulation von Entzündungsprozessen, sowie indirekt über eine positive Beeinflussung des Haut- und Darmmikrobioms. Bei der atopischen Dermatitis wirken diese Effekte unterstützend, während sie bei allergisch bedingten Hauterkrankungen potenziell die Immunreaktionen und Hautreaktivität günstig modulieren können.

Die Gesellschaft für Biofaktoren e. V. (GfB) ist ein gemeinnütziger Verein, der das Ziel verfolgt, die wissenschaftlichen Grundlagen der Therapie und Prophylaxe mit Biofaktoren zu fördern: www.gf-biofaktoren.de

Korrespondenzadresse

Dr. rer. nat. Daniela Birkelbach
Gesellschaft für Biofaktoren e. V., Stuttgart
daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de 
© Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
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daniela.birkelbach@gf-biofaktoren.de
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Prof. Dr. med. Klaus Kisters
MVZ Praxisklinik und Dialysezentrum Herne, WWU Münster
Stv. Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e.V., Stuttgart
© Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
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© Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
Prof. Dr. med. Hans Georg Classen
Universität Hohenheim, 
Vorsitzender der Gesellschaft für Biofaktoren e.V., Stuttgart
© Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
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Universität Hohenheim,
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© Gesellschaft für Biofaktoren e. V.
Literatur:
  1. Vaughn AR et al.: Micronutrients in atopic dermatitis: A systematic review. J Altern Complement Med 2019 Jun; 25(6): 567-577. doi: 10.1089/acm.2018.0363
  2. Quirk SK et al.: Vitamin D in atopic dermatitis, chronic urticaria and allergic contact dermatitis. Expert Rev Clin Immunol 2016 Aug; 12(8): 839-847. doi: 10.1586/1744666X.2016.1171143
  3. Kim G, Bae JH: Vitamin D and atopic dermatitis: A systematic review and meta-analysis. Nutrition 2016 Sep; 32(9): 913-920. doi: 10.1016/j.nut.2016.01.023
  4. Hattangdi-Haridas SR et al.: Vitamin D deficiency and effects of Vitamin D supplementation on disease severity in patients with atopic dermatitis: A systematic review and Meta-Analysis in adults and children. Nutrients 2019 Aug 9; 11(8): 1854. doi: 10.3390/nu11081854
  5. Huang C et al.: Effects of Vitamin D levels and supplementation on atopic dermatitis: A systematic review. Pedriatr Dermatol 2018 Nov; 35(6): 754-760. doi: 10.1111/pde.13639 
  6. Zhang P et al.: Vitamin D and allergic diseases. Front Immunol 2024 Jul 4; 15: 1420883. doi: 10.3389/fimmu.2024.1420883
  7. Li Y et al.: Effects of Serum Vitamin D Levels and Vitamin D Supplementation on Urticaria: A Systematic Review and Meta-Analysis. Int J Environ Res Public Health 2021 May 5; 18(9): 4911. doi: 10.3390/ijerph18094911
  8. Rather S et al.: Indian Dermatol Online J 2018 May-Jun; 9(3): 170-174. doi: 10.4103/idoj.IDOJ_74_17
  9. Movahedi M et al: Vitamin D deficiency in chronic idiopathic urticaria. Iran J Allergy Asthma Immunol 2015 Apr; 14(2): 222-227
  10. Woo YR et al.: Vitamin D as a Marker for Disease Severity in Chronic Urticaria and Its Possible Role in Pathogenesis. Ann Dermatol 2015 Aug; 27(4): 423-430. doi: 10.5021/ad.2015.27.4.423
  11. Pludowski P et al.: Vitamin D Supplementation: A Review of the Evidence Arguing for a Daily Dose of 2000 International Units (50 µg) of Vitamin D for Adults in the General Population. Nutrients 2024; 16: 391. doi: 10.3390/nu16030391

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