Zum Tag des herzkranken Kindes fordern DGPK und Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler klare Standards für das pränatale Herz Screening. In Deutschland werden kritische Herzfehler vor der Geburt zu selten erkannt, die Detektionsrate liegt bei 32 bis 38 Prozent. Bessere Screening-Schnittebenen, Qualitätssicherung, Fortbildung und die regelhafte Einbindung der Kinderkardiologie sollen die Versorgung von Mutter und Kind verbessern.
Pränatales Herz Screening in Deutschland braucht Standards
Zum Tag des herzkranken Kindes am 5. Mai machen Kinderkardiologie und Aktionsbündnis Angeborene Herzfehler (ABAHF) darauf aufmerksam, dass in Deutschland zu viele kritische angeborene Herzfehler vor der Geburt unentdeckt bleiben. Das kann gravierende Folgen für Kind und Mutter haben. Angeborene Herzfehler sind die häufigste angeborene Fehlbildung. Ein Prozent aller Neugeborenen – etwa 8.700 Kinder pro Jahr – kommt in Deutschland mit einem Herzfehler zur Welt. Ein Viertel dieser Kinder muss unmittelbar nach der Geburt behandelt werden.
Niedrige Detektionsrate trotz moderner Pränataldiagnostik
„Obwohl es dank der Pränataldiagnostik längst möglich ist, relevante angeborene Herzfehler bereits im Mutterleib zu erkennen, bleiben zu viele kritische Herzfehler unentdeckt – mit zum Teil gravierenden Folgen für das Kind“,
Prof. Dr. Ulrike Herberg, Kinderkardiologin, Klinik für Kinderkardiologie und Angeborene Herzfehler an der Uniklinik RWTH Aachen
In anderen europäischen Ländern würden durch besseres Screening deutlich höhere Detektionsraten erreicht werden, so etwa nehezu 87 Prozent in Frankreich, betonte die Kinderkardiologin Herberg.
Warum das Routine Screening oft nicht reicht
Zum Routineangebot für Schwangere gehören die drei großen Ultraschalluntersuchungen um die 10. SSW, 20. SSW und 30. SSW. Dabei werden unter anderem Herzgröße, Herzrhythmus und häufig Anomalien im 4-Kammerblick beurteilt. Trotz dieses Routineangebots seien die Detektionsrate in Deutschland aber nicht besonders hoch, was sich dringend ändern müsse, so Herberg und Kinderkardiologin Prof. Oberhoffer (München).
Als Ursachen nennen sie unter anderem fehlende standardisierte Schnittebenen über den 4‑Kammerblick hinaus, zum Beispiel zur Beurteilung der Ausflusstrakte und der großen Gefäße (z. B. 3‑Gefäßeblick). Außerdem erhalten nicht alle Schwangeren standardisiert einen detaillierten Herzultraschall. Die Qualität hängt zudem stark von Erfahrung der untersuchenden Person, Gerätequalität und Untersuchungsbedingungen ab. Es fehlen ein nationaler Qualitätsrahmen, systematische Überprüfung und ein Register. Auch die Ausbildung führe ohne verpflichtende Spezialisierungsstufen zu heterogener Untersuchungsqualität.
Bei Verdacht Kinderkardiologie regelhaft einbinden
Screenings erfolgen in gynäkologischen und geburtshilflichen Praxen, die weiterführende Diagnostik in Zentren mit hoher Expertise.
In Händen erfahrener Pränataldiagnostikerinnen und -diagnostiker mit höherer DEGUM-Qualifikation könne sich die Detektionsrate in der Diagnostik von ca. 40–60 Prozent auf 60–85 Prozent steigern lassen. Beide Expertinnen plädieren dafür, dass bereits ein Verdacht die „regelhaft die Einbindung eines/r Kinderkardiolog:in nach sich ziehen sollte.“
Forderung nach Standards und besserer Beratung
Ein routinemäßiges pränatales Herz Screening sei in Deutschland nicht ausreichend gewährleistet. Es brauche bessere Screening-Standards, Qualitätssicherung und strukturierte Fortbildung.
„Dieses offensichtliche Defizit in der Schwangerenvorsorge müssen Verantwortliche in der Gesundheitspolitik dringend angehen“.
Prof. Dr. Stefan Hofer, Elternvertretung herzkranker Kinder und Vorstand Deutsche Herzstiftung
Dies gebe dann auch die Möglichkeit, die Geburt gezielt zu planen und eine optimale Versorgung direkt nach der Entbindung sicherzustellen, so Oberhoffer. Für die betroffenen Kinder könne das lebensentscheidend sein. Gleichzeitig verweist sie auf den hohen interdisziplinären Aufwand und eine unzureichende Vergütung kinderkardiologischer Beratung.
Auch die Aufklärung und Einbindung der Familien bleibt in diesem Kontext ein wichtiger Aspekt.
„Trotz der Fortschritte zeigt die Praxis: Viele Frauen sind nicht ausreichend über ihre individuellen Risiken und die Möglichkeiten der Pränataldiagnostik informiert. Hier besteht weiterhin dringender Aufklärungsbedarf […].“
Kai Rüenbrink, Sprecher des ABAHF
Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung vom 28.04.2026: Unentdeckte Herzfehler: Deutschland braucht vorgeburtliches Herz-Screening



