Das aktuelle Update der ELN-Risikostratifikation ist dem vorhergehenden Stand sehr ähnlich. Es wurden einige wichtige Neuerungen eingeführt, die zu inkrementellen Veränderungen der Klassifikation führen. Es besteht ein Trend zu einer Vergrößerung der ungünstigen Risikogruppe. Insbesondere die Inklusion von Myelodysplasie-assoziierten Veränderungen als unabhängige Prädiktoren für ungünstiges Risiko bleibt umstritten, da mehrere Validierungen diese Annahme nicht bestätigen konnten. Einige andere Änderungen, wie z. B. die Reklassifikation von CEBPA-Mutationen, zeigten sich jedoch vorteilhaft und der weitere Stellenwert der Klassifikation als Standard zur Risikostratifizierung bleibt unbestritten. In Zukunft werden wohl immer komplexere Ansätze zur Risikostratifizierung der AML herangezogen werden. So spielen neben weiteren genetischen Aberrationen auch Interaktionen zwischen den Aberrationen sowie Veränderungen von Genexpression, Methylierung und Splicing eine biologische Rolle. Daneben sind auch inhärente Faktoren der Patienten zu berücksichtigen. Zuletzt ist auch eine Anpassung der Vorhersage gemäß Krankheitsverlauf, verabreichten Therapien und Ansprechen darauf wünschenswert. Daher ist sowohl eine weitere Überarbeitung der ELN-Klassifikation als auch die Weiterentwicklung und Etablierung komplexerer Prädiktionssysteme anzustreben.
Weitere Beiträge zu diesem Thema

Neue Schwachstelle in aggressivem Blutkrebs entdeckt
Kölner Forschende haben gezeigt, dass das Protein cFLIP Lymphomzellen vor dem Zelltod schützt. Wird es gezielt ausgeschaltet, könnten selbst therapieresistente DLBCL-Formen behandelbar werden.

Intensivierte Erstlinien-Erhaltung beim mUC im Kontext neuer Therapiesequenzen
Die Therapielandschaft beim fortgeschrittenen Urothelkarzinom befindet sich im Wandel. Mit zunehmender Etablierung von ADC-Immuntherapie-Kombinationen in der Erstlinie stellt sich die Frage nach der Rolle und Ausgestaltung der Erhaltungstherapie neu.

Wie myeloische Leukämie bei Kindern mit Down-Syndrom entsteht
Kinder mit Down-Syndrom haben ein 150-fach erhöhtes Risiko, an myeloischer Leukämie zu erkranken. Ein internationales Forschungsteam der Goethe-Universität Frankfurt, des Wellcome Sanger Institute und des Great Ormond Street Hospital hat nun erstmals die molekularen Schritte der Krebsentstehung nachgezeichnet, und mit dem Protein GATA1 einen vielversprechenden Ansatzpunkt für künftige Therapien identifiziert.
