Profifußballer leiden häufiger als die Normalbevölkerung an neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz. Als wesentlicher Faktor gelten dabei Kopfbälle, die mit Veränderungen in Hirnstruktur und -funktion in Verbindung gebracht werden. Welche Konsequenzen das für Jugendliche im Vereinssport hat, war bislang kaum systematisch untersucht. Eine großangelegte, jetzt in JAMA Network Open publizierte Multicenter-Studie liefert belastbare Daten für diese Altersgruppe.
Breitangelegte Untersuchung an drei europäischen Standorten
Die internationale REPIMPACT-Studie startete unter Federführung von Prof. Dr. Inga Körte, Professorin für Neurobiologische Forschung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am LMU Klinikum München. Eingeschlossen wurden rund 130 Jugendliche, einerseits aktive Fußballspieler sowie andererseits eine Vergleichsgruppe aus kontaktarmen Sportarten wie Tennis. Untersucht wurden die Teilnehmenden in München, Oslo (Norwegen) und Leuven (Belgien).
Die Untersuchungen erfolgten zu drei Zeitpunkten: vor Beginn der Fußballsaison, am Saisonende sowie ein Jahr nach Studienbeginn. Das umfangreiche Protokoll umfasste MRT-Untersuchungen zur Abbildung von Struktur, Funktion und Stoffwechsel des Gehirns sowie eine umfangreiche neuropsychologische Untersuchung mit Prüfung von Gedächtnis, Reaktionsgeschwindigkeit und Impulsunterdrückung sowie motorischen Analysen einschließlich Balance. Zudem wurden Blutproben auf Biomarker analysiert, die Hinweise zu Funktionen und Erkrankungen des Gehirns, etwa ein Schädelhirntrauma, liefern. Die jugendlichen Fußballer berichteten außerdem über die Anzahl der von ihnen ausgeführten Kopfbälle.
Nach einer Saison keine statistisch signifikanten Unterschiede
Im Gruppenvergleich zeigten sich nach Ablauf der Saison keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den jugendlichen Fußballern und der Kontrollgruppe hinsichtlich Kognition, Verhalten, Gleichgewicht, Hirnstruktur und -funktion. Auch eine Verbindung zwischen der (selbst berichteten) Kopfballanzahl und den erhobenen Messgrößen ließ sich nicht nachweisen.
„Wer kompetitiv in diesem Alter Fußball spielt, bei dem zeigt eine weitere Saison Fußball keine wesentlichen Veränderungen des Gehirns.“
Prof. Dr. Inga Körte, Professorin für Neurobiologische Forschung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am LMU Klinikum München
Erhöhte Biomarker als offene Frage
Eine langfristige Entwarnung lassen die Studienergebnisse jedoch nicht zu, auch wenn die Forschenden im beobachteten Zeitraum keine messbaren Hinweise auf Veränderungen in Gehirnstruktur und -funktion gefunden haben. „Die bisherige weltweite Studienliteratur zeigt, dass häufiges Kopfballspiel langfristig nicht gut für das Gehirn ist“, sagt Inga Körte.
Trotz des insgesamt unauffälligen Befundbildes gibt auch ein Detail zu denken: „In unserer Studie waren einzelne Biomarker, die mit Hirnschädigung in Verbindung gebracht werden, am Anfang der Saison höher als in der Kontrollgruppe. Das muss weiter untersucht werden.“, so Prof. Inga Körte.
Einordnung für die Praxis
Der Deutsche Fußballbund (DFB) begrenzt Kopfballtraining im Nachwuchsbereich bereits seit einigen Jahren altersabhängig und intensiviert es erst schrittweise im Jugendalter. Für Kinderärztinnen und Kinderärzte bedeuten die Ergebnisse: Eine Saison Vereinsfußball ist nach aktuellem Kenntnisstand nicht mit messbaren zerebralen Schäden verbunden – die Frage nach Langzeitfolgen bei regelmäßigem Kopfballspiel bleibt jedoch weiterhin offen.
Originalpublikation: Koerte IK, Wiegand TLT, Bonke EM, Sandmo SK, Kaufmann D, Seer C, et al.; REPIMPACT Consortium Investigators. Youth Soccer Participation and Brain Health Outcomes in Adolescent Athletes. JAMA Netw Open 2026; 9: e2619569.
Quelle: Pressemitteilung des LMU Klinikum München vom 25.06.2026.



