Paediatrie » Endokrinologie und Stoffwechsel » Endokrinologie

»

Mukoviszidose: Dreifachtherapie zeigt langfristige Wirkung

Holzwürfel mit der Aufschrift „CFTR“ und Stethoskop auf Holzhintergrund.

Quelle: © Dzmitry – stock.adobe.com

Mukoviszidose: Dreifachtherapie zeigt langfristige Wirkung

News

Paediatrie

Endokrinologie und Stoffwechsel

Endokrinologie

mgo medizin Redaktion

Verlag

3 MIN

Erschienen in: pädiatrische praxis

Wie sich die Dreifachtherapie mit CFTR-Modulatoren bei Menschen mit Mukoviszidose langfristig auswirkt, hat nun die MODULATE-CF-Studie untersucht. Die Forschenden konnten feststellen, dass die Entzündungswerte zurückgingen und die Lungenfunktionswerte sich nachhaltig verbesserten.

Mukoviszidose (Cystische Fibrose [CF]) ist die häufigste erbliche Stoffwechselerkrankung in Europa. Über 8.000 Menschen sind allein in Deutschland betroffen, jährlich werden etwa 150 bis 200 Kinder mit CF geboren. Die Erkrankung beruht auf einer Genmutation im CFTR-Transportkanal, wodurch der Salz- und Wasserhaushalt gestört wird. Die Folge: zäher Schleim verstopft die Lunge und andere Organe, es kommt zu Infektionen und Entzündungen, die Lungenfunktion wird immer schlechter. Lange Zeit beschränkte sich die Therapie auf symptomatische Maßnahmen wie Inhalationen und Antibiotika. Seit 2020 steht mit der Dreifachkombination aus den CFTR-Modulatoren Elexacaftor, Tezacaftor und Ivacaftor (ETI) ein Medikament zur Verfügung, das die Kanalfunktion direkt verbessert. Obwohl mehr als 2.000 Mutationen des CFTR-Gens bekannt sind, weisen 85–90 % der deutschen CF-Patientinnen und Patienten dieselbe Variante auf – genau jene, auf die die Dreifachtherapie abzielt.

Studie im Rahmen der realen medizinischen Versorgung

Die positive Wirkung von ETI auf Lungenfunktion und Symptomatik war bereits bekannt. Wie sich jedoch die systemische Entzündung über längere Zeit entwickelt, blieb offen. Ein Forschungsteam um Prof. Dr. Anna-Maria Dittrich von der Medizinischen Hochschule Hannover zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Lungenforschung und der Charité Universitätsmedizin Berlin hat nun untersucht, wie sich die ETI-Behandlung langfristig auswirkt. Die Ergebnisse aus der multizentrischen Beobachtungsstudie MODULATE-CF wurden im European Respiratory Journal veröffentlicht. Die Forschenden stellten fest, dass bereits nach 3 Monaten die Entzündungswerte auf 40–80 % des Ausgangsniveaus sanken. Dieser Effekt blieb bei vielen Teilnehmenden über 2 Jahre erhalten. Zudem verbesserte sich die Lungenfunktion deutlich und nachhaltig. Die Studie wertete Biomaterialien und klinische Daten von 198 Teilnehmenden ab dem 6. Lebensjahr aus und hat damit eine robuste Datengrundlage.

„Besonders bemerkenswert ist, dass die Studie im Rahmen der realen medizinischen Versorgung durchgeführt wurde. Sie bestätigt damit, dass die positiven Effekte der Dreifachtherapie nicht nur unter den zuvor ausgewählten, kontrollierten Bedingungen klinischer Studien auftreten, sondern sich ebenso im Alltag der Patientinnen und Patienten zeigen lassen.“

Dr. Olga Halle, Co-Erstautorin, Humanbiologin an der Kinderklinik der MHH und Wissenschaftlerin am DZL-Standort BREATH Hannover

Langfristige Reduktion von systemischen Entzündungen

Die neuen Daten schärfen das Verständnis der Wirkungsweise: ETI erleichtert nicht nur den Abtransport von Schleim, sondern beeinflusst offenbar auch zentrale biologische Prozesse von Mukoviszidose. Dazu zählt insbesondere die chronische Entzündung, ein wesentlicher Treiber der fortschreitenden Gewebeschädigung.

„Mit dieser Studie zeigen wir erstmals im Versorgungsalltag, dass die Dreifachtherapie nicht nur die Lunge entlastet, sondern systemische Entzündungen langfristig reduziert – ein wichtiger Schritt für das Verständnis des biologischen Nutzens dieser Behandlung.“

Prof. Dr. Anna-Maria Dittrich, Oberärztin an der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH)

Restentzündung erfordert weitere Therapieansätze

Die Studie schafft eine fundierte Basis, um den langfristigen Einfluss von ETI auf den Krankheitsverlauf zu bewerten. Besonders relevant ist dies für junge Betroffene: Ihre Prognose hängt wesentlich davon ab, die Entzündung früh unter Kontrolle zu bringen. Allerdings persistierte bei vielen Teilnehmenden trotz klarer Verbesserungen eine Restentzündung. Die Arbeit unterstreicht daher sowohl den Wert präziser Langzeitbeobachtungen als auch den Bedarf an weiterentwickelten Therapiestrategien.

Quelle: Pressemitteilung der Medizinischen Hochschule Hannover vom 11.02.2026

Originalpublikation: Halle O, Graeber SY, Kontsendorn J, Kessemeier C, Falke JN, Schwabe J, et al. Reduction of systemic inflammation by elexacaftor/tezacaftor/ivacaftor correlates with lung function improvement in cystic fibrosis. Eur Respir J 2025; 66: 2500150. doi: 10.1183/13993003.00150-2025.

Weitere Beiträge zu diesem Thema

In der Kinder-Intensivstation der MHH (von links): Professorin Dr. Helena U. Zacharias (PLRI), Dr. Bernd Auber (MHH-Institut für Humangenetik) und Privatdozent Dr. Thomas Jack (MHH-Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin).

Schnellere genetische Diagnosen für kritisch kranke Kinder

News

Das Projekt AI-LIGHTS soll eine schnellere Diagnostik seltener Erkrankungen und präzisere Therapien für kritisch kranke Kinder und Neugeborene ermöglichen.

Paediatrie

Neonatologie und Intensivmedizin

Neonatologie

Beitrag lesen
Eine Ärztin dokumentiert Informationen über Phenylketonurie (PKU) in einem klinischen Umfeld

AMPLIPHY-Studie: Sepiapterin überlegen gegenüber Sapropterin bei PKU

Pharmaservice

In der AMPLIPHY-Studie wurden Sepiapterin und Sapropterin bei Kindern und Erwachsenen mit PKU (Phenylketonurie) verglichen.

Paediatrie

Endokrinologie und Stoffwechsel

Endokrinologie

Beitrag lesen
Hand eines Frühgeborenen im Inkubator und Hand einer erwachsenen Person

Bronchopulmonale Dysplasie aus der Perspektive der Neonatologie

Fachartikel

Die bronchopulmonale Dysplasie bleibt trotz moderner Neonatologie ein bedeutendes Krankheitsbild bei extrem unreifen Frühgeborenen. Dieser Beitrag beleuchtet aus neonatologischer Sicht die Epidemiologie und Pathophysiologie der „neuen“ BPD sowie aktuelle Präventions- und Therapiekonzepte.

Paediatrie

Neonatologie und Intensivmedizin

Neonatologie

Beitrag lesen